Motor

Glosse: Oxford und die interne Verbrennung

  • Peter Schwerdtmann, cen/ampnet - 19. August 2019, 09:12 Uhr
Bild vergrößern: Glosse: Oxford und die interne Verbrennung
Peter Schwerdtmann. Foto: Auto-Medienportal.Net

.


Zugegeben, das Oxford English Dictionary (OED) ist die unerreichte Enzyklopädie zur Bedeutung, Geschichte und Aussprache von 600 000 alten und neuen Begriffen aus der gesamten englischsprachigen Welt. Umso bemerkenswerter, dass sich die englische Traditionsmarke Jaguar mit dieser ehrwürdigen, aber auch ein bisschen angestaubten urenglischen Institutionen anlegt und eine Kampagne zur Änderung der offiziellen Definition des Substantivs ,,car" startet.

Hintergrund: Ginge es nach der bisherigen Definition des Wortes ,,car", gibt es in der englischen Sprache kein Wort für batterieelektrisch angetriebenes Fahrzeug wie den Jaguar I-Pace, den ersten Elektro-Jaguar. Denn ,,car" ist laut Oxford English Dictionary (natürlich in der Übersetzung) ,,ein von einem internen Verbrennungsmotor angetriebenes Straßenfahrzeug für den Transport eines Fahrers und einer kleinen Anzahl von Passagieren." Die Dampfmaschine haben sie in Oxford also inzwischen als internen Motor abgehakt und sich auf die Verbrennungsmotoren konzentriert. Aber ein batterieelektrischer Antrieb ist nicht vorgesehen.

Nun treibt Jaguar die Sorge um, man könne ein Elektroauto wie den I-Pace nicht als ,,car" bezeichnen, weil Innen nichts verbrennt außer dem Tabak in der Pfeife des Gentleman am Steuer. Jaguar kann ganz beruhigt sein, denn das Problem beschränkt sich vermutlich auf den Heimatmarkt. Europa ist schon weiter. Die Definitionen des Begriffs ,,Auto" in Nachschlagewerke diesseits des Kanals lassen den Antrieb offen.

Für die OED-hörige englischsprachige Welt hat Jaguar jetzt die Redaktion gebeten, den Eintrag anzupassen. Gleichzeitig ermuntert das Unternehmen alle, sich an einer Kampagne zur Modernisierung zu beteiligen. Auf Twitter, Facebook und Instagram können sie unter #RedefineTheCar eigene Vorschläge zur Neudefinition von ,,car" einreichen.

Doch niemand kann ausschließen, dass auch diese neue Definition nicht wieder von der Wirklichkeit überholt wird. Das geschieht schon dann, wenn in einer Brennstoffzelle Wasserstoff zu Wasser verbrennt. Dann stimmte das mit der internen Verbrennung wieder, die Redaktion in Oxford könnte sich zurücklehnen und in guter Ruhe abwarten, wie sich die Technik weiterentwickelt.

Vielleicht kehrt sie ja auch wieder zu den Zeiten zurück, aus denen das Wort ,,car" stammt. Die Römer kannten den Karren, das ,,carrum", gezogen von Ochsen und Menschen, also ganz ohne interne Verbrennung. Darauf hätte sich die Redaktion besser von Anfang an besonnen. Dann müsste Jaguar jetzt nicht aktiv werden. (ampnet/Sm)

Weitere Meldungen

Calamus One - Mehr als nur ein weiteres Pedelec

Wer sich als Newcomer in der Zweiradszene von der großen Masse der E-Bikes abheben will, braucht mittlerweile mehr als nur einen elektrischen Antrieb und flottes Design.

Mehr
Roadster Salon Spider America EV - Batterie-Beaulide

Neben Fiat selbst steht noch ein weiteres Unternehmen aus den USA in den Startlöchern, demnächst elektrische Autos der Marke anzubieten. Im Fall der Amerikaner handelt es sich

Mehr
Sonst noch was? - Kommunikation - keine leichte Sache

E-Mobilität könnte so einfach sein, wenn die böse Autoindustrie nur mal ihren Job machen würde. So, oder so ähnlich tönt es immer wieder aus den zahlreichen, mittelsozialen

Mehr

Top Meldungen

Vier Millionen Deutsche zahlen Spitzensteuersatz

Berlin - Immer mehr Arbeitnehmer aus der Mittelschicht müssen den Spitzensteuersatz zahlen, der früher für Top-Gehälter reserviert war. Im bisher letzten abgeschlossenen

Mehr
EU-Kommission warnt vor Chaos bei nationalen Digitalsteuern

Brüssel - Kurz vor dem Gipfel der EU-Finanzminister am Dienstag in Brüssel warnt die EU-Kommission die Mitgliedsstaaten vor unkoordinierten Alleingängen bei der Digitalsteuer.

Mehr
Handwerkspräsident: Meisterpflicht hilft gegen Fachkräftemangel

Berlin - Der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer, erwartet durch die Wiedereinführung der Meisterpflicht eine Entspannung auf dem

Mehr