Politik

Früherer Bundeswirtschaftsminister Müller gestorben

  • AFP - 16. Juli 2019, 14:00 Uhr
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Werner Müller im Jahr 2016
Bild: AFP

Der frühere Bundeswirtschaftsminister Werner Müller ist tot. Der parteilose Politiker starb in der Nacht zum Dienstag im Alter von 73 Jahren nach langer Krankheit, wie eine Sprecherin der RAG-Stiftung in Essen bestätigte.

Er war ein Grenzgänger zwischen Politik und Wirtschaft: Der Industriemanager und frühere Bundeswirtschaftsminister Werner Müller ist tot. Der parteilose Essener, der vier Jahre lang der rot-grünen Regierung von Kanzler Gerhard Schröder (SPD) angehört hatte, starb in der Nacht zum Dienstag im Alter von 73 Jahren nach langer Krankheit, wie die RAG-Stiftung in Essen mitteilte. Im vergangenen Jahr hatte sich Müller krankheitsbedingt von allen Ämtern zurückgezogen.

Müller war in Schröders erster Regierung von 1998 bis 2002 Wirtschaftsminister. Schröder hatte ihn als Seiteneinsteiger aus der Wirtschaft in die Politik geholt und damit sein Wahlkampfversprechen erfüllt, den Posten des Wirtschaftsministers mit einem Manager zu besetzen. Müller war vor seiner Berufung lange in der Energiewirtschaft und als selbstständiger Berater tätig.

Eine wichtige Rolle kam Minister Müller beim Atomausstieg der rot-grünen Regierung zu: Er verhandelte dessen Eckpunkte mit der Industrie. Dabei geriet er immer wieder in Konflikt mit dem damaligen Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne).

In Müllers Amtszeit fiel auch die Streichung des Rabattgesetzes und der Zugabeverordnung, die seit den 1930er Jahren in Kraft waren. Mit der Streichung entfielen Beschränkungen für Preisnachlässe und für weitere Vergünstigungen von Händlern für die Kunden.

Als Parteilosem fehlte Müller der typische "Stallgeruch", den viele seiner SPD-Kollegen mit ins Kabinett brachten. Gegenüber Kanzler Schröder galt er als loyal. Müller hatte ihm schon in dessen Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident als Berater zur Seite gestanden.

Nach der Bestätigung von Rot-Grün bei der Bundestagswahl 2002 wechselte Müller zurück in die Wirtschaft. Ab 2003 war er Vorstandsvorsitzender der Ruhrkohle AG (RAG) und der später aus dem Konzern hervorgegangenen Evonik AG. Von 2005 bis 2010 war er zudem Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bahn.

Müllers direkter Wechsel zur Ruhrkohle AG war damals wegen möglicher Interessenkonflikte kritisiert worden. Unter anderem wurde angemerkt, dass die von ihm als Minister ausgehandelte Verlängerung des EU-Beihilferahmens für die Steinkohle auch der RAG zugute kam.

Von 2012 an war Müller Vorsitzender der RAG-Stiftung. Sie kümmerte sich um die Förderung von Bildung und Kultur, aber auch um die sozialverträgliche Abwicklung des Steinkohlebergbaus.

Seine letzten Posten gab Müller im vergangenen Jahr krankheitshalber auf - und anderem den Chefposten bei der RAG-Stiftung, den Aufsichtsratsvorsitz bei Evonik sowie die Vorsitze in den Kontrollgremien der RAG AG und der Deutschen Steinkohle AG. "Meine schwere Erkrankung erlaubt es mir leider nicht mehr, meinen Verpflichtungen in der Stiftung und in den Aufsichtsräten weiter nachzukommen", erklärte er damals.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) würdigte den Verstorbenen am Dienstag als "Vordenker und ein leuchtendes Vorbild der Sozialen Marktwirtschaft". Als "Pionier und Gestalter" habe Müller "die Zukunft des Ruhrgebiets wesentlich geprägt". 

Auch die NRW-SPD würdigte insbesondere Müllers Einsatz für das Ruhrgebiet. Als Chef der Ruhrkohle AG habe er zu einem "sozialverträglichen Ausstieg aus der Steinkohleförderung in Deutschland beigetragen", erklärten Parteichef Sebastian Hartmann und Generalsekretärin Nadja Lüders.

Müller wurde 1947 in Essen geboren. Er hat einen Studienabschluss als Volkswirt und promovierte später in Sprachwissenschaften.

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