Gesundheit

FPSB-Vorstandschef warnt vor steigenden Pflegeversicherungsbeiträgen

  • Redaktion - 24. Juni 2019
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@ truthseeker08 (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

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Seit Januar 2019 ist die Pflegeversicherung ein viel diskutiertes Thema, denn seitdem ist nicht mehr die Arbeitslosenversicherung, sondern die Pflegeversicherung die drittgrößte Sozialversicherung in Deutschland. FPSB-Vorstandschef Rolf Tilmes warnt in diesem Zusammenhang vor steigenden Pflegeversicherungsbeiträgen und einem Bedarf an zusätzlichen Versorgungsleistungen.

Prognostizierter Beitragssatz von 4,1 Prozent

Prognosen zum demografischen Wandel schaffen es regelmäßig in die Schlagzeilen. Im Jahr 2019 ist ein zweites, damit zusammenhängendes Thema hinzugekommen: die Leistungen und Beiträge der gesetzlichen Pflegeversicherung. Ob es um die Forderung nach einer Pflegevollversicherung geht oder den bis zum Jahr 2040 prognostizierten Beitragssatz von 4,1 Prozent: Die Finanzierung des deutschen Pflegesystems wird für jüngere Generationen zunehmend zur Belastung, so die Ergebnisse aktueller Studien des Wissenschaftlichen Instituts der Privaten Krankenversicherung (WIP).

Seit Januar beträgt der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung nur noch 2,5 statt 3,0 Prozent, wohingegen der Beitrag zur Pflegeversicherung auf 3,05 Prozent angestiegen ist und für kinderlose Versicherte sogar 3,3 Prozent beträgt. Seit der Einführung der gesetzlichen Pflegeversicherung im Jahr 1995 hat sich der ursprüngliche Beitragssatz damit mehr als verdreifacht. Aufgrund der demografischen Entwicklung ist damit zu rechnen, dass er in Zukunft weiterhin steigt, so FPSB-Vorstand Tilmes.

Veränderte Prioritäten in der Sozialversicherung

In Zeiten des Fachkräftemangels ist die Arbeitslosigkeit nicht mehr Deutschlands Problem Nummer 1. Stattdessen sind es in einer alternden Gesellschaft die Versorgungskosten für ältere Menschen. Laut dem Statistischen Bundesamt sind inzwischen drei Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig. Bis 2045 wird sogar von 4,5 Millionen Pflegebedürftigen ausgegangen, was mehr als 7 Prozent der Gesamtbevölkerung entsprechen würde. Mit Gesetzesänderungen hat die Politik mittlerweile auf die Entwicklungen reagiert; die Pflegeversicherung wurde deutlich erweitert. Allerdings leistet die gesetzliche Pflegeversicherung nur eine Basisversorgung. Sowohl bei ambulanter als auch stationärer Pflege bleibt den Pflegebedürftigen ein Eigenanteil, der die finanziellen Möglichkeiten vieler Senioren übersteigt.

Ambulante Pflegeleistungen kosten den Einzelnen trotz der gesetzlichen Versicherung im Durchschnitt zwischen 300 und über 1.000 Euro zusätzlich. Für stationäre Leistungen zahlen Pflegebedürftige durchschnittlich sogar 1.800 Euro pro Monat aus eigener Tasche. Private Zusatzversicherungen werden angesichts dieser Summen immer wichtiger. Ob es sich um eine Pflegezusatzversicherung für einen selbst oder eine Kindererwerbsunfähigkeitsversicherung handelt, mit der Eltern ihre Kinder für den Fall absichern, dass diese dauerhaft beeinträchtigt und dadurch nicht mehr in der Lage sind, selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen: Vorsorgeangebote für den Pflegefall gibt es inzwischen zahlreiche und ihr Abschluss wird von Experten empfohlen.

Neue Familienstrukturen machen Pflege durch Fachkräfte erforderlich

Nicht nur der demografische Wandel eröffnet Diskussionsbedarf, was die Pflegeversorgung betrifft. Auch die veränderten Familienstrukturen tragen dazu bei, dass das Thema Pflegeversicherung an Bedeutung gewinnt. Anders als in früheren Zeiten leben Kinder heutzutage nicht mehr ganz selbstverständlich in der Nähe ihres Elternhauses. Weil viele außerdem beruflich eingespannt sind, können sie ihre pflegebedürftigen Eltern immer seltener selbst versorgen. Hinzu kommt die vergleichsweise geringe Kinderzahl pro Familie, wegen der die Verantwortung für die Pflege der Eltern oftmals einer einzigen Person obliegt. Experten raten deshalb dazu, sich möglich frühzeitig mit verschiedenen Pflegeoptionen auseinanderzusetzen und durch den rechtzeitigen Abschluss von freiwilligen Pflegezusatzversicherungen eine bessere Kostenabdeckung zu erreichen.

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