Motor

Test Mercedes GLB: Für Stock und Stein und Kind und Kegel

  • Michael Kirchberger/ampnet - 14. Juni 2019, 10:27 Uhr
Bildergalerie: Test Mercedes GLB: Für Stock und Stein und Kind und Kegel
Mercedes-Benz GLB. Foto: Auto-Medienportal.Net/Michael Kirchberger

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Kantig ja, aber ein Pendant der G-Klasse? Wohl eher nicht. Auch wenn manch ein Freund der Sternenmarke deren jüngstes SUV gern in die Nähe des Altvorderen rücken möchte. Der GLB, die Typenbezeichnung lässt es vermuten, basiert auf der um 21 Zentimeter gestreckten Plattform der B-Klasse und wird vom bekannten Motorenprogramm der Stuttgarter Kompaktklassen angetrieben.

Im Herbst kommt die frontgetriebene Version auf die Straßen, den Allradantrieb 4matic gibt es dann als Option für die kräftiger motorisierten Modelle. Ebenfalls auf Wunsch kommt ein spezielles Offroad-Licht an Bord, das bei niedrigem Tempo das Erkennen von Hindernissen direkt vor dem Wagen einfacher machen soll. Wer das braucht, das ist selbst den Produkterklärern von Daimler nicht ganz klar.

Als sicher erscheint, dass viele Kunden das technische 4x4-Plus schätzen, ohne es wirklich einsetzen zu müssen. Spezielle Off-Road-Fahrmodi, eingebettet in die vielfältigen Fahrerlebnisprogramme, bieten ihnen einen zusätzlichen Anreiz, der mit Anzeigen der Quer- oder Längsneigung und der variablen Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse den romantischen Hauch des Abenteuers auf den gedachten Wegen durch die Wildnis im Wageninneren verströmen.

Im realen Alltag gilt dagegen, dass der Allradantrieb den Treibstoffkonsum und das Gewicht steigert, vor allem aber den Preis in die Höhe treibt. Anhängerfahrer, die immer wieder Pferd, Boot oder Wohnwagen von nassen Wiesen ziehen müssen, sind von dieser Betrachtung selbstverständlich nicht betroffen.

Doch der 4,63 Meter lange und 1,84 Meter breite GLB will mehr als ein Abenteurerauto sein, sich vielmehr als Freund der Familie verdient machen und mit bis zu sieben Sitzplätzen punkten - mit einer Einschränkung versteht sich, die beiden Plätze in der dritten Sitzreihe, die vermutlich mit 800 Euro extra bezahlt werden müssen, sind aus Gründen der Crashsicherheit nur für Nutzer mit maximal 1,68 Meter Körpergröße empfohlen. Gemeint sind damit vor allem Kinder und Jugendliche, die schaffen die Kletterpartie ins Wagenheck wohl auch gelenkiger als gichtgeplagte Senioren. Für alle taugen die USB-Steckdosen in der letzten Reihe, irgendwie müssen die Hinterbänkler ja kommunizieren, Textnachrichten und Fotos als Lebenszeichen zumindest dem Beifahrer übermitteln.

Der kann sich unterdessen dem MBUX-System zuwenden, dass sich zwar intuitiv bedienen lässt, in seiner funktionellen Vielfalt trotz der Fernbedienungen am unten abgeflachten Lenkrad aber besser vom Copiloten als vom Chauffeur kontrolliert werden sollte. Die Ablenkungsgefahr ist groß. Ob die Sprachsteuerung der Anlage ähnliche Sensibilität wie in anderen Baureihen von Mercedes aufweist, muss sich noch herausstellen. Dort meldet sich die künstliche Intelligenz gern aufgrund eines peinlichen Missverständnisses zu Wort und reagiert auf velare Zischlaute, wie sie beim Aussprechen des Buchstaben x oder eines ch entstehen mit der Bemerkung zu Wort, ihr Name sei Mercedes. Offenbar eifersüchtelt die Dame ein wenig und fürchtet, mit Amazons Alexa verwechselt zu werden.

Das Raumangebot ist vorzüglich. Mehr als ein Meter lichte Höhe über den vorderen Sitzflächen markiert einen Bestwert der Klasse, der effektive Beinraum im Fond reicht zumindest bei der fünfsitzigen Version knapp an die Meter-Marke heran. Dass der Einstiegskomfort auf die Rücksitze leicht unter dem tiefgezogenen Dachholm leidet, ist ihm Wortsinn zu verschmerzen. 560 Liter passen mindestens in den Kofferraum, maximal schafft der GLB bis zu 1755 Liter Gepäck weg. Die zweite Sitzreihe lässt sich optional in der Länge verschieben und die Lehnen serienmäßig mehrstufig in der Neigung verstellen.

Großfamilientauglichkeit beweist der GLA mit gleich vier Befestigungsmöglichkeiten für Kindersitze, die Lüftungsdüsen im Turbodesign wecken hingegen die Begehrlichkeiten des designverliebten Normalverbrauchers. Der GLB schiebt sich damit und einer Länge von 4,63 Meter (Breite 1,84, Höhe 1,66 Meter) präzise zwischen die rundlicheren Brüder im Geiste, den GLA und den GLC. Dies wird auch für die Preise gelten. Mindestens 35 000 Euro dürfte die vorläufige Basisversion mit Frontantrieb, 1,33-Liter-Turbobenziner und 163 PS (120 kW) Leistung kosten. Mit Allradantrieb, Off-Road-Paket und 190-Diesel-PS aus zwei Litern Hubraum dürfte der stärkste von drei Selbstzündern ebenso wie das Spitzenmodell der beiden Benziner, der GLB 250 4matic mit 224 PS (165 kW) vor der 50 000-Euro-Barriere kaum mehr Respekt aufweisen.

Aber Mercedes wird die SUV-Etüde weiterspielen. Denn ein Ende des Aufschwungs dieser Fahrzeugklasse ist nicht in Sicht, ein Viertel des Daimler-Absatzes entfällt heute schon auf sie. Auch die Produktionsstandorte des GLB versprechen Vorteile. Die für Europa und Amerika vorgesehenen Exemplare werden im Billiglohnland Mexiko und die für den chinesischen Markt ebenfalls sehr günstig in Peking gefertigt. In Deutschland lässt sich der GLB noch ein wenig Zeit mit seinem Debüt. Erst Ende des Jahres kommt er bei uns zu den Mercedes-Händlern. (ampnet/mk)

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