Finanzen

Topstrategie bei Poker/Investment: Regel oder Regelbruch?

  • Redaktion - 22. Mai 2019
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Poker und Finanzinvestitionen sind zwei verschiedene Welten, die nichts verbindet? Nicht ganz. Beide haben etwas gemeinsam, was den Blick auf das Kartenspiel bisweilen lehrreich für Investoren macht. Es ist der Umgang mit Regeln, mit den verbindlichen und den unverbindlichen, die der Optimierung eigener Strategien dienen. Die erstgenannten Regeln muss man kennen und befolgen. Von den zweitgenannten sollte man dagegen möglichst viele kennen. Wer bereits länger Poker spielt oder als Investor aktiv ist, kann sie bisweilen aber brechen oder ignorieren und hat damit mehr Erfolg als derjenige, der immer nur stur Regeln folgt.

Pokerregeln. Einige darf man brechen. Andere nicht.

Bleibt man beim Blick auf Regeln zunächst beim Pokern, stößt man recht schnell auf sehr grundlegende Regeln: auf die Spielregeln. Beim Texas Hold’em erhält man zwei Karten auf die Hand, während fünf offen auf dem Tisch liegen. Es sind nicht drei Karten auf der Hand und auch nicht sieben Karten auf dem Tisch. Die Spielregeln sind im Allgemeinen heilig. Jeder Spieler muss sie kennen und beachten. Sie stehen nicht zur Disposition. Aber es sind nicht die einzigen Regeln. Darüber hinaus gibt es Verhaltens- und Optimierungsregeln.

Verhaltensregeln

Zusätzlich zu den Spielregeln werden – vor allem bei Pokerturnieren – weitere Pokerregeln aufgestellt. Sie definieren das korrekte Verhalten beim Spiel. Zu den Pokerregeln bei der World Series of Poker (WSOP) gehört beispielsweise eine zum Umgang mit einem sogenannten Handeln „Out of Turn“. Beim „Out of Turn“, äußert ein Spieler die Absicht, in bestimmter Weise bei einem aktuellen Spiel zu reagieren, bevor er an der Reihe ist, solch eine Absicht zu äußern.

Diese Absichtserklärung ist im Turnier bindend. Gibt der Spieler beispielsweise früh nonverbal bekannt, dass er checken möchte, darf er diese Absicht in der aktuellen Runde nicht zurücknehmen. Das Checken wird bisweilen auch als „Schieben“ bezeichnet. Es bedeutet, dass ein Spieler weder einen Einsatz machen noch den Einsatz erhöhen möchte, aber auch nicht aus dem Spiel aussteigt.

Solche Verhaltensregeln sind verbindlich und sie zu brechen, hat klar definierte Konsequenzen. Allerdings ist die Verbindlichkeit etwas weniger stark als bei den Spielregeln. Verwandt mit den Verhaltensregeln ist die Spieletikette. Die Etikette umfasst Regeln zum korrekten Verhalten der Spieler untereinander oder zwischen Spielern und dem Kartengeber. Manche dieser Regeln gelten nur bei Liveturnieren oder im Onlinepoker, andere live und im Internet.

Optimierungsregeln

Optimierungsregeln sind im Vergleich zu den vorab genannten unverbindlich. Sie sind im Prinzip nichts anderes als Tipps, wie man seine Spielstrategie optimiert. Zahlreiche Artikel behandeln Pokertipps und Strategien. Ganze Bücher existieren über die Thematik, wobei bisweilen zwischen Basisregeln und weiterführenden Strategien unterschieden wird.

Grundregeln beim Pokern behandeln zum Beispiel das Berechnen von Erwartungswerten (Wahrscheinlichkeiten) sowie den Einfluss der Sitzposition am Pokertisch und passende Verhaltensweisen an der jeweiligen Position. Weitergehende Strategien befassen sich mit Themen wie der Nutzung von Onlinetools als Unterstützung beim Onlinepoker. Ihre Unverbindlichkeit haben all diese Regeln gemeinsam.

Optimierungsregeln sollte man kennen und (bisweilen) brechen

Insbesondere für Anfänger sind Optimierungsregeln sehr hilfreich. Wenn sie in ihrem Spiel besser werden möchten, sollten sie solche Regeln lesen und zwar möglichst viele davon. Aber ihnen sollte immer bewusst sein, dass es nur Tipps sind und dass diese Tipps das eigene Denken nicht ersetzen sollen. Im Gegenteil.

Wenn man erst einmal viele Optimierungsregeln kennt, wird man souverän entscheiden können, welche man übernimmt, welche man prinzipiell befolgt, in bestimmten Situationen aber auch einmal bricht, und welche zwar unter Umständen gut, aber dennoch verzichtbar sind und nicht zum eigenen Naturell als Spieler passen.

Im Internet findet man zum Beispiel Tipps für Pokeranfänger wie den, etwas aggressiver zu spielen, als einem das vielleicht recht ist. Dieser Tipp mag für viele (oft zu zaghafte) Anfänger nützlich sein, aber er ist es bestimmt nicht für alle. Wer aber von Anfang an aggressiv vorgeht, den bremst man besser.

Auch beim Pokern gibt es neben einem „zu zaghaft“ ein „zu aggressiv“ und einen ohnehin aggressiv vorgehenden Anfänger noch aggressiver zu machen, ist grundverkehrt. Deshalb ist es hier die Aufgabe des jeweiligen Spielers, die für ihn optimalen Optimierungsregeln herauszufinden und zu befolgen: „Sei aggressiver“ ist für den aggressiven Spieler KEINE gute Regel. Und es ist seine Aufgabe, irgendwann Situationen zu erkennen, in denen es sinnvoll wird, eine oft befolgte und für ihn nützliche Regel einmal zu missachten.

Unterschiedliche Regeln existieren auch im Investment

Beim Investment ist die Einteilung in unterschiedliche Regeln ebenfalls sinnvoll. Grundlegende Spielregeln werden unter anderem von Investment-Plattformen vorgegeben. Solche Regel betreffen zum Beispiel Mindestsummen für ein Investment und diverse Gebühren. Der Gesetzgeber definiert ebenfalls verbindliche Regeln. Hier gibt es keinen Spielraum für ein akzeptiertes Brechen von Regeln. Solche Regeln muss man befolgen. Punkt.

Anders sieht es bei den Optimierungsregeln aus, die beim Investment wie beim Pokern existieren. Jüngst veröffentlichte etwa Focus Money Online einen Artikel von Mr. DAX (Dirk Müller) mit Tipps für ein erfolgreiches Börseninvestment. Der Artikel hatte den Titel „Der schnelle Erfolg an der Börse ist einfacher, als Sie denken“.

Bei solchen Tipps gilt der oben beschriebene Umgang mit Optimierungsregeln beim Pokern. Kennenlernen sollte man möglichst viele davon. Das Ziel muss es aber sein, sich eine Position zu erarbeiten, in der man weiß, welche der Regeln man immer befolgt, welche nur oft und welche nie. Und bei denen, die man oft befolgt, sollte man ein Gespür für die Ausnahmen entwickeln, in denen der planvolle Regelbruch die beste Strategie ist. Es ist genau dieses Gespür, das den guten vom exzellenten Investoren unterscheidet. Und mit „nur gut“ sollte man sich vielleicht nicht zufriedengeben?

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