Politik

Zehntausende deutsche Schüler beteiligen sich an erstem Weltklimastreik

  • AFP - 15. März 2019, 12:31 Uhr
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Schülerproteste in Freiburg
Bild: AFP

Zum Auftakt eines großen internationalen Schülerstreiks für mehr Klimaschutz sind am Freitag in Deutschland zehntausende junge Leute auf die Straße gegangen. In Städten wie Berlin, Köln und Bremen versammelten sich bereits jeweils tausende Schüler.

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Zum Auftakt des großen internationalen Schülerstreiks für mehr Klimaschutz sind am Freitag in Deutschland zehntausende junge Leute auf die Straße gegangen. In Großstädten wie Berlin, Köln und Bremen versammelten sich bereits am Vormittag jeweils tausende Schüler mit handgemalten Plakaten und Sprechchören. In zahlreichen Städten sollten Demonstrationen später beginnen. Bundesweit waren mehr als 220 Protestaktionen geplant.

In Berlin kamen nach Angaben eines AFP-Reporters bereits am frühen Vormittag bei weiterem Zulauf 5000 junge Menschen am Bundeswirtschaftsministerium zusammen, um ihren Unmut über ausbleibende Maßnahmen zum Schutz von Klima und Umwelt auszudrücken. In München versammelten sich laut Polizei rund 8000 Demonstranten, in Bremen etwa 5000. In Köln waren es nach Angaben von Veranstaltern und Polizei tausende Teilnehmer.

Begonnen hatte die weltweite Protestwelle am frühen Morgen in Asien und Ozeanien, wo ebenfalls zehntausende junge Menschen auf die Straßen gingen. Demonstrationen gab es etwa in Sydney, Bangkok, Neu Delhi und Hong Kong. Teilnehmer trugen dabei Plakate wie "Ihr zerstört unsere Zukunft" und "Wenn Ihr euch nicht wie Erwachsene verhaltet, tun wir es" oder "Wir streiken, um die Erwachsenen weiterzubilden."

Bereits seit Monaten boykottieren in vielen Ländern weltweit junge Leute aus Protest gegen mangelnde Klimaschutzbemühungen einmal pro Woche den Unterricht. Der globale Protesttag am Freitag ist der bisherige Höhepunkt der Demonstrationen, die in Deutschland unter dem Namen Fridays for Future laufen. Inspiriert werden die Proteste der Schüler von der jungen Schwedin Greta Thunberg, die im Sommer des vergangenen Jahres mit einem wöchentlichen Solostreik begann.

In Deutschland waren nach Angaben der Initiative Fridays for Future mehr als 220 Protestaktionen zwischen Flensburg und Passau geplant. Die Organisatoren rechneten mit mehreren zehntausend Teilnehmern. Weltweit sollte in fast 1700 Städten in mehr als hundert Ländern gestreikt werden - von den USA bis nach Finnland.

Dass die Jugendlichen während der Unterrichtszeit streiken, sorgt in manchen Ländern für Kritik. Gegner kritisieren die Klimaproteste als Schulschwänzerei. Andererseits unterstützen in Deutschland inzwischen unter anderem Eltern- und Wissenschaftlerinitiativen die Demonstrationen. Auch Umweltorganisationen und Parteien wie Grüne und Linke loben sie. Die Proteste sind am Freitag auch Thema im Bundestag.

Zu den Kernforderungen der Protestbewegung gehört die Einhaltung der 2015 auf der Pariser UN-Klimakonferenz beschlossenen Maßnahmen zur Begrenzung der Erderwärmung. In Deutschland gehört auch ein Kohleausstieg bis 2030 dazu. Der von der Kohlekommission jüngst vorgelegte Kompromiss bis 2038 stieß bei den Demonstranten auf scharfe Kritik.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) lobte das Engagement der Schüler grundsätzlich, distanzierte sich aber von Protesten während der Unterrichtszeit. Er könne das Anliegen der jungen Leute "grundsätzlich verstehen", sagte der Minister den Zeitungen des Redaktionnetzwerks Deutschland. Es wäre allerdings "noch besser", wenn die Demos außerhalb der Schulzeiten wären.

Der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, unterstrich in Berlin, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und andere Kabinettsmitglieder "sehr deutlich ihre Unterstützung für das klimapolitische Engagement" ausgedrückt hätten. Dies gelte "ganz allgemein in diesem Lande" und betreffe auch den Einsatz "von jungen Menschen".

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter rief die Regierung angesichts der Schülerstreiks dagegen zu einer Änderung ihrer Prioritäten auf. "Die politischen Entscheider tun nicht ansatzweise genug, um die Lebensgrundlagen der jungen Generation zu schützen", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Die Debatte über die Zulässigkeit von Streiks während des Unterrichts sei nur ein Ablenkungsmanöver.

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