Politik

GEW-Vorsitzende Finnern hält nichts von Nachhilfe in Sommerferien

  • AFP - 11. Juni 2021, 13:41 Uhr
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Klasse in einer Berliner Grundschule
Bild: AFP

Die neue Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Maike Finnern, warnt vor einer Überforderung der Schüler nach der monatelangen Corona-Pause. Auch von Nachhilfe in den Sommerferien hält sie wenig. Die Kinder benötigten eine Auszeit.

Die neue Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maike Finnern, hat vor einer Überforderung der Schülerinnen und Schüler nach der monatelangen Corona-Pause gewarnt. Zum Abschluss des Gewerkschaftstags sprach sich Finnern am Freitag in Leipzig gegen Nachhilfeunterricht in den Sommerferien aus. Wichtiger sei es, dass Kinder nach dem monatelangen Distanzunterricht nun "Kontakt und gemeinsame Erlebnisse" miteinander hätten.

Kinder und Jugendliche hätten die vergangenen 15 Monate "unter enormer Anspannung" verbracht, sagte Finnern. "Jetzt Ferien für das Lernen zu kürzen, das ist nicht der richtige Weg." Für Nachhilfe in den Ferien zum Auffüllen der coronabedingten Wissenslücken hatten sich Politiker wie Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) ausgesprochen.

Das von der Bundesregierung beschlossene Aufholprogramm im Umfang von zwei Milliarden Euro hält Finnern grundsätzlich für richtig. Allein in die Nachhilfe zu investieren, sei aber ein falscher Weg. Investiert werden müsse in die Schulen, damit die Lehrkräfte vor Ort mehr Zeit bekämen, Schüler etwa in kleineren Gruppen individuell zu fördern. Der Bund will mit dem Geld Schülerinnen und Schüler beim Aufholen von Lerndefiziten unterstützen und zusätzliche Freizeitangebote finanzieren.

Grundsätzlich forderte die GEW-Chefin mehr Unterstützung für die Schulen in der Pandemie. "Bildung muss krisenfest gemacht werden", erklärte Finnern. Die mangelnde Chancengleichheit bleibe die Achillesferse des Bildungswesens. Die Unterfinanzierung des Bildungswesens müsse endlich beendet werden. Dafür müsse die Einnahmebasis der öffentlichen Hand verbessert werden, unter anderem durch eine Wiedereinführung der Vermögensteuer und eine Corona-Abgabe für Superreiche.

Angesichts des geplanten Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder, der ab Mitte 2026 schrittweise eingeführt werden soll, forderte die GEW einen verlässlichen finanziellen Rahmen. Ganztagsbetreuung könne nur gelingen, wenn der Bund Länder und Kommunen verlässlich finanziell unterstütze. Nötig sei auch "eine Qualitätsoffensive für die Ganztagsangebote", sagte Finnern.

Finnern geht davon aus, dass es keine monatelangen Schulschließungen mehr geben wird. Ganz auszuschließen sei es zwar nicht, "wir haben aber eine etwas andere Situation als im letzten Jahr", sagte sie im Bayerischen Rundfunk. Die Bereitschaft bei den Beschäftigten in den Schulen, sich impfen zu lassen, sei "enorm hoch".

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