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Erbgut-Analyse liefert neue Einblicke in Leben der frühesten Europäer

  • AFP - 8. April 2021, 12:28 Uhr
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Forscher untersuchten Überreste aus der Bacho-Kiro-Höhle
Bild: AFP

Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben mit Erbgut-Untersuchungen neue Einblicke in das Leben der ersten modernen Menschen in Europa geliefert: Studien zeigen, dass sich die vor rund 45.000 Jahren in Europa lebenden Menschen offenbar nicht etablieren konnten.

Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben mit Erbgut-Untersuchungen neue Einblicke in das Leben der ersten modernen Menschen in Europa geliefert: Zwei am Mittwoch in den Fachzeitschriften "Nature" und "Nature Ecology and Evolution" veröffentlichte Studien zeigen, dass sich die vor rund 45.000 Jahren in Europa lebenden Menschen offenbar nicht etablieren konnten. Zudem vermischten sie sich den Wissenschaftlern zufolge sehr viel häufiger mit Neandertalern als bisher angenommen. 

Für die in der Fachzeitschrift "Nature" veröffentlichte Studie sequenzierten die Forscher des Max-Planck-Instituts die Genome moderner Menschen, die vor rund 45.000 Jahren in der Bacho-Kiro-Höhle in Bulgarien lebten. 

Dabei zeigte sich, dass die frühen Menschen enger mit heutigen Populationen in Ostasien und Amerika verwandt sind als mit Populationen in Europa, wo die Menschen aus der Bacho-Kiro-Höhle lebten. "Dies zeigt, dass die früheste Geschichte des modernen Menschen in Europa turbulent gewesen sein könnte und Bevölkerungsaustausch beinhaltete", erklärte Mateja Hajdinjak vom Max-Planck-Institut.

Die Forscher identifizierten auch große Abschnitte von Neandertaler-DNA in den Genomen der Menschen. Dies deutet der Studie zufolge darauf hin, dass eine Vermischung mit Neandertalern eher die Regel als die Ausnahme war, als die ersten modernen Menschen in Europa ankamen. Alle Menschen in der Höhle hätten Neandertaler-Vorfahren gehabt, "die etwa fünf bis sieben Generationen zurück in ihren Stammbäumen liegen", erklärte Hajdinjak.

Auch ein mehrere tausend Jahre alter Frauenschädel, der 1950 in Zlaty kun in Tschechien gefunden wurde, weist keine genetische Verbindung zu heutigen Populationen in Europa auf. Einer neuen Studie, die in der Zeitschrift "Nature Ecology and Evolution" veröffentlicht wurde, gelang es erstmals, das bislang umstrittene Alter des Schädels zu datieren. Gen-Analysen des Max-Planck-Instituts zufolge muss der Schädel mindestens 45.000 Jahre alt sein. Bislang hatten Radiokarbondatierungen unterschiedliche Ergebnisse geliefert, die von 15.000 bis 30.000 Jahren reichten.

Die Forscher rund um Kay Prüfer vom Max-Planck-Institut stützten sich in ihrer Studie auf die Tatsache, dass sich in den Genomen der meisten modernen Menschen Neandertaler-DNA befindet, deren Abschnitte über lange Zeiträume jedoch immer kürzer werden. Die Länge dieser Abschnitte sagt folglich etwas über das Alter der Funde aus. 

Das Genom des in Tschechien gefundenen Frauenschädels weist laut der Studie besonders lange Abschnitte der Neandertaler-DNA auf. Die Forscher gehen deshalb davon aus, dass die Überreste noch älter sind als jene eines im sibirischen Ust-Ischim entdeckten Mannes, deren Alter auf rund 45.000 Jahre datiert wurde.

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