Brennpunkte

Saudische Frauen offenbar wegen Kontakt zu ausländischen Journalisten vor Gericht

  • AFP - 21. März 2019, 15:17 Uhr
Bild vergrößern: Saudische Frauen offenbar wegen Kontakt zu ausländischen Journalisten vor Gericht
Aziza al-Yousef gehört zu den jetzt angeklagten Frauen
Bild: AFP

In Saudi-Arabien steht eine Gruppe von Frauen offenbar deshalb vor Gericht, weil sie Kontakt zu ausländischen Journalisten und Diplomaten gehabt haben soll. Nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten wurden einige von ihnen offenbar gefoltert.

Anzeige

In Saudi-Arabien steht eine Gruppe von Frauen offenbar deshalb vor Gericht, weil sie Kontakt zu ausländischen Journalisten, Aktivisten und Diplomaten gehabt haben soll. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisationen Human Rights Watch (HRW) und Amnesty International vom Donnerstag war den Frauen ursprünglich vorgeworfen worden, sie hätten die nationale Sicherheit untergraben.

Aus Justizkreisen hieß es, der Prozess gegen die zehn Frauen habe in der vergangenen Woche begonnen. Sie seien vergangenes Jahr festgenommen worden. Damals waren die saudiarabischen Behörden mit weitreichenden Razzien gegen Aktivisten vorgegangen. 

Die Staatsanwaltschaft hatte den Frauen vor Kurzem vorgeworfen, gemeinsam "die Sicherheit, Stabilität und soziale Harmonie im Königreich" untergraben zu haben. Nach Angaben von Angehörigen war der Prozess wenige Stunden vor Beginn in ein gewöhnliches Strafgericht verlegt worden. Ursprünglich war erwartet worden, dass er vor einem Gericht für Terrorfälle geführt wird.

Die Menschenrechtsorganisationen Human Rights Watch (HRW) und Amnesty International sprechen übereinstimmend von elf angeklagten Frauen. Nach ihrer Festnahme sollen einige von ihnen gefoltert und sexuell belästigt worden sein. Laut HRW wird ihnen im Prozess lediglich vorgeworfen, sie hätten Kontakt mit ausländischen Diplomaten, Menschenrechtsaktivisten und akkreditierten Journalisten aufgenommen. Von Kontakten zu ausländischen Spionen ist demnach keine Rede.

"Das hier ist nicht das Vorgehen einer Regierung, die auf Reformen setzt, wie es Kronprinz Mohammed bin Salman und seine Unterstützer behaupten", erklärte der stellvertretender Leiter des Bereichs Nahost bei Human Rights Watch, Michael Page. Nachdem den Frauen ein Jahr lang vorgeworfen worden sei, Agenten des Auslands zu sein, stünden sie nun tatsächlich bloß wegen ihres Einsatzes für Frauenrechte vor Gesicht. 

"Wenn es illegal ist, Informationen zu Frauenrechten an Journalisten und Diplomaten weiterzugeben, dann müsste jetzt die saudiarabische Führung zu großen Teilen im Gefängnis sitzen", fügte Page hinzu.

Kronprinz Salman ist stets bemüht, als Reformer aufzutreten. Gleichzeitig wirft der Prozess gegen die Frauen ein Schlaglicht auf das Vorgehen der saudiarabischen Führung gegen ihre Kritiker. Für weltweites Entsetzen hatte zuletzt der Fall des regierungskritischen Journalisten Jamal Khashoggi gesorgt, der im saudiarabischen Konsulat in Istanbul ermordet worden war.

Die News Saudische Frauen offenbar wegen Kontakt zu ausländischen Journalisten vor Gericht wurde von AFP am 21.03.2019 in der Kategorie Brennpunkte mit den Stichwörtern Saudi, Arabien, Menschenrechte, Frauen, Justiz abgelegt.

Weitere Meldungen

Acht Festnahmen nach Anschlagsserie in Sri Lanka

Nach der verheerenden Anschlagsserie auf Kirchen und Touristenhotels in Sri Lanka sind acht Menschen festgenommen worden. Bei den Verdächtigen handle es sich um Einwohner des

Mehr
Kulturminister: Notre-Dame ist "so gut wie gerettet"

Die Pariser Kathedrale Notre-Dame ist nach dem verheerenden Großbrand "so gut wie gerettet": Dies sagte Frankreichs Kulturminister Franck Riester am Samstagabend bei einer

Mehr
Drei Tote bei Verkehrsunfall im Ruhrgebiet

Marl - Im nordrhein-westfälischen Marl im nördlichen Ruhrgebiet sind am Ostersonntag drei Männer bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Bei den Toten handelt es sich um den

Mehr

Top Meldungen

Klöckner bekräftigt Widerstand gegen pauschale Verschärfung der Düngeregeln

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat ihren Widerstand gegen eine von der EU-Kommission verlangte pauschale Verschärfung der Düngeregeln bekräftigt. "Was wir

Mehr
Bericht: Strom für Elektroautos teurer als Benzin oder Diesel

Berlin - Das Aufladen von Elektroautos an öffentlichen Ladesäulen verursacht laut eines Zeitungsberichts teilweise höhere Kosten als das Auftanken vergleichbarer Fahrzeuge mit

Mehr
Umfrage: Mehrheit gegen Enteignungen von Wohnungsunternehmen

Berlin - Die Mehrheit der Bundesbürger lehnt die Enteignung privater Wohnungsunternehmen ab. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag der

Mehr