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Lage zwischen Indien und Pakistan spitzt sich nach Selbstmordanschlag zu

  • AFP - 19. Februar 2019, 22:40 Uhr
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Indische Demonstranten in Neu Delhi
Bild: AFP

Die Spannungen zwischen Indien und Pakistan haben nach dem tödlichen Anschlag auf indische Sicherheitskräfte in der Kaschmir-Region am Dienstag weiter zugenommen. Die USA drängten Pakistan zu Kooperation bei den Ermittlungen.

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Die Spannungen zwischen Indien und Pakistan haben nach dem tödlichen Anschlag auf indische Sicherheitskräfte in der Kaschmir-Region am Dienstag weiter zugenommen. Indiens Außenministerium wies Äußerungen von Pakistans Regierungschef Imran Khan als "faule Ausrede" zurück und forderte "glaubwürdiges und sichtbares Handeln" vom Nachbarn. Khan hatte zuvor Hilfe bei den Ermittlungen angeboten - sobald Delhi Beweise für die Verwicklung Pakistans vorlege. Die USA stellten sich hinter Indien und riefen Pakistan zu "vollständiger Kooperation" auf.

Premierminister Khan warnte in einer Fernsehansprache Indien vor einem Angriff. Pakistan werde "nicht nur über Vergeltung nachdenken. Pakistan wird Vergeltung üben", sagte er. Zugleich sagte der Regierungschef, Pakistan sei bereit, mit Indien über Terrorismus zu sprechen. 

Indiens Außenministerium forderte Pakistan hingegen dazu auf, "die internationale Gemeinschaft nicht länger zu täuschen". Khan habe weder "diese abscheuliche Tat verurteilt, noch den trauernden Familien kondoliert", hieß es in einer Stellungnahme. 

Das US-Außenministerium erklärte, es habe Indiens Regierung seinen "starken Beistand" im Kampf gegen "diesen Terrorismus" versprochen. "Wir drängen Pakistan dazu, bei den Ermittlungen zu diesem Anschlag vollständig zu kooperieren und jedweden Verantwortlichen zu bestrafen", sagte Ministeriumssprecher Robert Palladino. Washington habe bereits mit beiden Ländern über das Thema gesprochen.

In der unruhigen Kaschmir-Region waren am Donnerstag bei einem Selbstmordattentat 41 Sicherheitskräfte getötet worden. Es war der folgenreichste Anschlag auf Regierungstruppen im indischen Teil der Region seit drei Jahrzehnten. Die im Nachbarland Pakistan ansässige Islamistengruppe Jaish-e-Mohammed (JEM) beanspruchte die Tat für sich. Indien warf Pakistan vor, den Islamisten Unterschlupf zu gewähren.

Das indische Militär erklärte am Dienstag, der Anschlag sei von Pakistan geplant worden, insbesondere vom mächtigen Geheimdienst ISI. Die Armee teilte zudem mit, dass bei Gefechten zwischen Soldaten und Rebellen am Montag drei JEM-Mitglieder getötet worden seien, darunter der oberste Befehlshaber der Gruppe in Kaschmir. Zudem seien vier Soldaten, ein Polizist und ein Zivilist gestorben.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres rief Indien und Pakistan unterdessen dazu auf, sofort Schritte zur Entspannung des Konflikts einzuleiten. "Wir sind zutiefst besorgt über die zunehmenden Spannungen zwischen den beiden Ländern", sagte UN-Sprecher Stephane Dujarric. Beide Seiten sollten "maximale Zurückhaltung üben". Guterres habe zudem angeboten zu vermitteln, sagte Dujarric. 

Indien hat in der unruhigen Kaschmir-Region Schätzungen zufolge rund 500.000 Soldaten stationiert. Seit einem Krieg 1947 ist die Region zwischen den beiden Atommächten Indien und Pakistan geteilt, wird aber bis heute von beiden Staaten zur Gänze beansprucht. Seit 1989 kämpfen mehrere muslimische Rebellengruppen teils für die Unabhängigkeit Kaschmirs, teils für den Anschluss der Region an Pakistan.

Das Wiederaufflammen des Konflikts überschattete auch den Besuch des saudiarabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, der am Dienstag in Neu Delhi eintraf. Zuvor hatte sich der Thronfolger, der wegen des Mordes am Journalisten Jamal Khashoggi in der Kritik steht, zu einem zweitägigen Besuch in Pakistan aufgehalten.

Die News Lage zwischen Indien und Pakistan spitzt sich nach Selbstmordanschlag zu wurde von AFP am 19.02.2019 in der Kategorie Brennpunkte mit den Stichwörtern Diplomatie, Unruhen, Indien, Pakistan, Kaschmir, Konflikte, Streitkräfte abgelegt.

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