Wirtschaft

Briefporto steigt künftig wohl stärker als zuletzt erwartet

  • AFP - 11. Februar 2019, 16:48 Uhr
Bild vergrößern: Briefporto steigt künftig wohl stärker als zuletzt erwartet
Briefmarken sollen teurer werden
Bild: AFP

Das Porto der Deutschen Post könnte sich künftig deutlicher verteuern als zuletzt geplant. Dass ein Standardbrief bald 90 Cent kosten könne, wies das Bundeswirtschaftsministerium am Montag allerdings als 'reine Spekulation' zurück.

Anzeige

Das Porto der Deutschen Post könnte deutlich teurer werden als zuletzt geplant. Dass ein Standardbrief bald 90 Cent kosten könne, wies das Bundeswirtschaftsministerium am Montag allerdings als "reine Spekulation" zurück. Zugleich bestätigte das Ministerium, dass sich die Post bei der Bestimmung der zulässigen Preisspanne durch die Bundesnetzagentur künftig nur noch an vergleichbaren europäischen Anbietern messen lassen soll - nicht an Staatsunternehmen.

Laut Ministerium wird derzeit an einer Änderung der Regulierungsverordnung gearbeitet, die letztlich auch für die Portohöhe entscheidend ist. Am Montag wurde innerhalb der Bundesregierung die Ressortabstimmung dazu eingeleitet, wie ein Ministeriumssprecher sagte. 

Zuvor hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf einen Entwurf der sogenannten Post-Entgeltregulierungsverordnung (PEntgV) berichtet, dass das Briefporto später als bislang angenommen steigen werde - dafür aber voraussichtlich stärker. Mit Rücksicht auf schwindende Briefmengen, steigende Kosten und die Verpflichtung, Briefe flächendeckend jeden Werktag in ganz Deutschland zustellen zu müssen, gestehe das Ministerium der Post eine höhere Umsatzrendite zu.

Durch die neuen Vorgaben müsse die Bundesnetzagentur als Genehmigungsbehörde der Post einen größeren Preiserhöhungsspielraum einräumen. Erst Mitte Januar hatte sie auf Grundlage der bisherigen Verordnung festgesetzt, dass die Post ihre Preise am 1. April für die Zeit bis Ende 2021 im Durchschnitt aller Briefprodukte um 4,8 Prozent anheben dürfe. 

Nach Insiderangaben hätte das laut "FAZ" knapp ausgereicht, um das Porto für den Standardbrief von derzeit 70 auf 80 Cent hochzuschrauben. Allerdings hätte die Post die Preise für andere Briefprodukte wie Postkarten, Maxi- oder Kompaktbriefe dann weitgehend konstant halten müssen. Mit der neuen Verordnung könne sie nun merklich über die 80 Cent hinausgehen - denkbar seien bis zu 90 Cent. Das wies das Wirtschaftsministerium zurück: "Wir gehen nicht davon aus, dass das Porto für einen Standardbrief sich in diesem Jahr auf 90 Cent erhöhen wird." 

Die Berechnung war erst 2015 neu geregelt worden. Seitdem wird der Post ein Gewinnsatz in Höhe der Gewinnmargen anderer europäischer Postanbieter zugebilligt. Die nun geplante Anpassung sieht laut Ministerium vor, dass zukünftig nicht mehr alle anderen europäischen Postunternehmen bei der Bestimmung des Gewinnsatzes berücksichtigt werden - sondern nur noch solche, "die in struktureller Hinsicht mit dem regulierten Unternehmen vergleichbar sind".

Damit soll verhindert werden, dass auch reine Staatsunternehmen - wie etwa in Rumänien - für den Vergleich herangezogen werden, die gar keine Gewinne erzielen sollen oder sich nicht am Kapitalmarkt finanzieren. Die Einbeziehung solcher Unternehmen in den Vergleichsmaßstab zur Bestimmung der Gewinnmarge führe zu "Verzerrungen".

Der Postkundenverband DVPT kritisierte die geplante Portoerhöhung als "unangemessen". Die Zahl der Beschwerden bei der Bundesnetzagentur habe sich 2018 auf 11.830 fast verdoppelt, erklärte der Verband. Gleichzeitig reduziere die Post ihre Leistungen, etwa die Anzahl der Briefkästen und die Öffnungszeiten der Filialen. Die Zusteller arbeiteten unter immer kürzeren Zeitvorgaben in größeren Zustellgebieten. "Die geplanten Preiserhöhungen passen nicht zu gleichzeitig immer schlechterer Qualität", monierte der DVPT.

Wie hoch die künftige Portoerhöhung ausfallen könnte, ist dem Ministerium zufolge noch nicht absehbar. Die Preise würden - wie zuletzt 2015 - für die nächsten drei Jahre festgelegt. Die Bundesnetzagentur müsse dabei die verschiedenen preisbildenden Faktoren "abschließend prüfen". 

Die News Briefporto steigt künftig wohl stärker als zuletzt erwartet wurde von AFP am 11.02.2019 in der Kategorie Wirtschaft mit den Stichwörtern D, Unternehmen, Verbraucher, Post abgelegt.

Weitere Meldungen

Bundesnetzagentur ebnet Weg für deutliche Erhöhung des Briefportos

Die Bundesnetzagentur hat den Weg für eine deutliche Erhöhung des Briefportos der Deutschen Post geebnet. Die Regulierungsbehörde gab am Donnerstag in Bonn den Erhöhungsspielraum

Mehr
Bericht: Strukturhilfen für Steinkohleregionen sollen früher fließen

Die Steinkohleregionen in Deutschland könnten einem Bericht zufolge schon früher Strukturhilfen bekommen als bisher angenommen. In einem Schreiben an Bundesfinanzminister Olaf

Mehr
In der EU gelten ab 2020 erstmals verbindliche CO2-Grenzwerte für Busse und Lkw

In der EU gelten ab 2025 erstmals verbindliche CO2-Grenzwerte für Lkw und Busse. Eine entsprechende Verordnung verabschiedete das Europaparlament am Donnerstag. Die Reduktion wird

Mehr

Top Meldungen

Bericht: Siemens-Betriebsrat kritisiert Vorstand wegen Bahnfusion

München - Unter den Arbeitnehmern von Siemens wächst laut eines Medienberichts die Kritik an der eigenen Führung, nachdem die deutsch-französische Bahnfusion mit Alstom geplatzt

Mehr
Bahn-Betriebsräte schlagen wegen Schienennetz Alarm

Berlin - Die Betriebsräte der Deutschen Bahn sind in großer Sorge. "Auch 25 Jahre nach der Bahnreform ist die Schieneninfrastruktur des Bundes weiter dramatisch unterfinanziert

Mehr
Altmaier geht auf Kritiker seiner Industriepolitik zu

Berlin - Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) geht auf die Kritiker seiner Industriepolitik zu. Er lade für den 6. Mai zum "Kongress zur Nationalen Industriestrategie

Mehr