Politik

Zeitenwende in der CDU: Kramp-Karrenbauer beerbt Merkel als Parteichefin

  • AFP - 7. Dezember 2018, 20:07 Uhr
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Annegret Kramp-Karrenbauer und Angela Merkel
Bild: AFP

Zeitenwende in der CDU: Annegret Kramp-Karrenbauer beerbt Angela Merkel nach mehr als 18 Jahren an der Parteispitze. Die bisherige Generalsekretärin setzte sich auf dem Parteitag in Hamburg in der Stichwahl knapp gegen Ex-Unionsfraktionschef Merz durch.

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Zeitenwende in der CDU: Annegret Kramp-Karrenbauer beerbt Angela Merkel nach mehr als 18 Jahren an der Parteispitze. Die bisherige Generalsekretärin setzte sich am Freitag auf dem Parteitag in Hamburg in der Stichwahl knapp gegen Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz durch. Merkel, die bis zum Ende der Legislaturperiode Bundeskanzlerin bleiben will, verabschiedete sich mit den Worten: "Es war mir eine große Freude, es war mir eine Ehre."

Die als Vertraute von Merkel geltende frühere saarländische Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer erhielt in der Stichwahl 51,7 Prozent der Stimmen, Merz kam auf 48,2 Prozent. Der ebenfalls angetretene Bundesgesundheitsminister Jens Spahn schied im ersten Wahlgang mit 15,7 Prozent der Stimmen aus.

In den vergangenen Wochen hatten sich die drei Bewerber einen Wettstreit um den Parteivorsitz geliefert und sich auf acht Regionalkonferenzen der Basis vorgestellt. Die nach ihrem Sieg sichtlich bewegte Kramp-Karrenbauer dankte ihren beiden Konkurrenten "für diesen fairen Wettbewerb", dieser habe der CDU "Auftrieb" gegeben. "Dieser Aufbruch muss weitergehen", sagte die neue Vorsitzende und rief Merz und Spahn auf, daran mitzuarbeiten. Wichtig sei nun die Geschlossenheit der Partei.

Merz gratulierte Kramp-Karrenbauer und wünschte ihr viel Erfolg für ihre neue Aufgabe. Allerdings trat der in den vergangenen Jahren in der freien Wirtschaft tätige Sauerländer nicht für die Wahl des Präsidiums an. Er sei jedoch bereit, der CDU zu helfen, wo es gewünscht werde. Spahn sagte, er wolle "auf jeden Fall im Team bleiben". Er wurde mit 89,1 Prozent erneut ins CDU-Präsidium gewählt.

Merz bat seine Unterstützer, der neuen Parteichefin ihre "ganze Kraft" und "volle Unterstützung" zu geben. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther mahnte, "wenn wir eine starke Volkspartei bleiben wollen, dann brauchen wir alle Flügel". Ähnliche Appelle hatte es im Vorfeld der Wahl gegeben.

Die Wahl galt auch als Richtungsentscheid über den künftigen Kurs der Christdemokraten. Während der Wirtschaftsliberale Merz und Spahn als konservative Vertreter gelten, wird Kramp-Karrenbauer als Anhängerin eines Kurses der Mitte angesehen.

Merkel blickte in ihrer letzten Rede als CDU-Chefin auf ihre Amtszeit zurück und rief die Partei auf, für die Geschlossenheit der Gesellschaft zu kämpfen. Sie wurde nach ihrer Ansprache mit langem Applaus verabschiedet: Die Delegierten erhoben sich von ihren Plätzen, viele hielten Schilder mit der Aufschrift "Danke, Chefin" in die Höhe.

Es wird erwartet, dass die Kanzlerin und Kramp-Karrenbauer gut zusammenarbeiten. Bei einer Wahl von Merz hätte dies aufgrund alter Rivalitäten anders sein können. Die Wahl von "AKK" gilt somit auch als stabilisierend für die große Koalition in Berlin. Die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles bot der neuen CDU-Chefin eine gute Zusammenarbeit an. CSU-Chef und Bundesinnenminister Horst Seehofer gratulierte Kramp-Karrenbauer. "Auf gute Zusammenarbeit mit der CSU", erklärte er.

Aus der Opposition kamen gemischte Reaktionen. Die Grünen-Chefs Annalena Baerbock und Robert Habeck teilten mit, sie freuten sich "auf einen spannenden politischen Wettbewerb und die anstehenden inhaltlichen Debatten um die besten Ideen für unser Land und Europa". FDP-Chef Christian Lindner twitterte, er freue sich auf "fairen Wettbewerb und gute Zusammenarbeit".

Linken-Chefin Katja Kipping kritisierte, Kramp-Karrenbauer vertrete "in Fragen von Gleichberechtigung und Migration einen reaktionären Kurs". Die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel erklärte: "Kramp-Karrenbauer bedeutet: Weiter so!"

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) wünschte Kramp-Karrenbauer "den notwendigen Mut, den sozialen Zusammenhalt in Deutschland und in Europa zu stärken".

 jpf/jdö/lan

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