Brennpunkte

Deutlich mehr Bundesbürger besitzen Schreckschusspistolen und Signalwaffen

  • 7. Dezember 2018, 13:54 Uhr
Bild vergrößern: Deutlich mehr Bundesbürger besitzen Schreckschusspistolen und Signalwaffen
Schreckschusspistole und Kleiner Waffenschein
Bild: AFP

Schreckschusspistolen und Signalwaffen stehen bei den Deutschen hoch im Kurs: Die Zahl der im nationalen Waffenregister erfassten sogenannten kleinen Waffenscheine stieg in den ersten zehn Monaten des Jahres um knapp 46.000 auf 603.482.

Anzeige

Schreckschusspistolen und Signalwaffen stehen bei den Deutschen hoch im Kurs: Die Zahl der im nationalen Waffenregister erfassten sogenannten kleinen Waffenscheine stieg in den ersten zehn Monaten des Jahres um knapp 46.000 auf 603.482, wie ein Sprecher des Bundesinnenministeriums am Freitag sagte. Laut einer Länderumfrage des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) wuchs die Zahl binnen vier Jahren sogar um mehr als das Doppelte.

Über die deutliche gewachsene Zahl kleiner Waffenscheine hatte zuerst das RND berichtet. Demnach gab es 2014 nur 261.332 solcher amtlicher Bescheinigungen.

Der Anstieg ist der RND-Umfrage zufolge in allen 16 Bundesländern feststellbar. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen beispielsweise stieg die Zahl der kleinen Waffenscheine von rund 65.000 im Jahr 2014 auf nunmehr rund 154.000, in Niedersachsen von rund 24.000 auf rund 59.000 und in Berlin von knapp 9000 auf annähernd 19.000.

Wer einen kleinen Waffenschein besitzt, darf Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen verdeckt führen, aber nur im Notfall damit schießen. Voraussetzung für die Erteilung ist, dass der Bewerber volljährig ist sowie persönlich geeignet und zuverlässig erscheint. Scharfe Waffen sind in Deutschland nicht ohne Weiteres zugänglich.

Der Vizevorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek, zeigt sich angesichts der neuen Zahlen alarmiert. "Wir müssen aufpassen, dass wir in Deutschland keine amerikanischen Verhältnisse bekommen", sagte er dem RND. "Es besteht die Gefahr, dass Waffen nicht ordnungsgemäß eingesetzt werden und ihre Inhaber sich selbst gefährden."

Das Gegenüber könne meist nicht einschätzen, um welche Waffe es sich handle und wie geübt ihr Inhaber sei. Dies könne zu Überreaktionen führen. "Eine Gesetzesverschärfung hilft uns nicht. Was uns hilft, ist die Einsicht, dass Waffen das Problem nicht lösen", sagte Radek.

Die Grünen-Innenexpertin Irene Mihalic warnte im RND vor einem Sicherheitsrisiko. "Mehr private Waffen schaffen nicht mehr Sicherheit - im Gegenteil: Sie haben das Potenzial, Konflikte in Gewalt eskalieren zu lassen", sagte Mihalic. Das Gewaltmonopol liege beim Staat, daran dürfe es keine Zweifel geben.

Der Sprecher des Bundesinnenministeriums gab zu bedenken, dass mit der Erteilung kleiner Waffenscheine auch ein Sicherheitsgewinn einhergehe - indem die Kenntnis über den sicheren Umgang mit Waffen erweitert werde. Insofern sei es "durchaus in unserem Sinn, dass diese Erlaubnisse weiter verbreitet sind".

Die News Deutlich mehr Bundesbürger besitzen Schreckschusspistolen und Signalwaffen wurde von AFP am 07.12.2018 in der Kategorie Brennpunkte mit den Stichwörtern D, Gesellschaft, Waffen abgelegt.

Weitere Meldungen

Dutzende Tote bei Gewalt zwischen Volksgruppen kurz vor Wahl im Kongo

Kurz vor der Wahl in der Demokratischen Republik Kongo hat es Dutzende Tote bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen zwei Volksgruppen gegeben. Seit der Nacht auf Sonntag

Mehr
Verteidigungsministerium hat keinen Überblick über Zugänge

Berlin - Das Verteidigungsministerium (BMVg) hat aktuell keinen Überblick darüber, wer Zugang zu seinen Behörden hat. Daher habe ein Staatssekretär des Ministeriums nun intern

Mehr
Renzo Piano soll neue Brücke nach Einsturz in Genua bauen

Vier Monate nach dem Brückeneinsturz von Genua hat die Stadt den Stararchitekten Renzo Piano mit dem Neubau beauftragt. Der gebürtige Genuese betrachte das Bauprojekt als eine

Mehr

Top Meldungen

Novartis-Chef will neue Preismodelle für Medikamente

Basel - Der neue Novartis-Chef Vasant Narasimhan will die Verantwortlichen in den Gesundheitssystemen in Europa und den USA zum Umdenken bei der Erstattung neuer Therapien

Mehr
Block House will Geschäft mit Supermärkten ausbauen

Hamburg - Die Hamburger Restaurantkette Block House will mit ihrer Marke verstärkt im deutschen Einzelhandel für Lebensmittel expandieren. Der Umsatz mit Handelswaren solle sich

Mehr
Diess wird Aufsichtsrat beim FC Bayern München

Wolfsburg/München - Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess ist in den Aufsichtsrat des Fußball-Bundesligisten FC Bayern München eingezogen. Das bestätigte am Dienstag ein

Mehr