Wirtschaft

EU macht wegen drohender Autozölle bei Handelsgesprächen mit USA Tempo

  • 9. November 2018, 17:21 Uhr
Bild vergrößern: EU macht wegen drohender Autozölle bei Handelsgesprächen mit USA Tempo
Trump Threatens Heavy Tariffs On Automotive Imports
Bild: AFP

Angesichts drohender US-Strafzölle auf europäische Autos haben die EU-Staaten gefordert, schnell eine Einigung mit Washington im Handelsstreit zu erzielen. Nach den US-Kongresswahlen müsse die EU die Gespräche nun 'rasch voranbringen', sagte Österreichs Wirtschaftsministerin.

Anzeige

Angesichts drohender US-Strafzölle auf europäische Autos wollen die EU-Staaten die Sondierungen zu einem möglichen Handelsabkommen mit Washington bis zum Jahresende abschließen. "Wir werden bei den Verhandlungen mehr Tempo machen", sagte Österreichs Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck, deren Land derzeit den Vorsitz der EU-Mitgliedstaaten innehat, am Freitag in Brüssel. Ziel sei es, der EU-Kommission Anfang 2019 ein "klares und starkes" Mandat für die dann anstehenden Verhandlungen über ein Abkommen zu geben.

US-Präsident Donald Trump wirft der EU bei einer Reihe von Produkten unfaire Handelspraktiken vor. Im Juni verhängte er deshalb Strafzölle auf Stahl und Aluminium und drohte auch mit Aufschlägen auf europäische Autos, die vor allem deutsche Hersteller treffen würden. Im Juli einigten sich dann EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Trump auf Vorgespräche über ein mögliches Abkommen zu Industriegütern. 

Auch die Bundesregierung mahnte beim Treffen der EU-Handelsminister am Freitag Tempo in den Verhandlungen an. Entscheidungen müssten "zeitnah fallen", sagte der deutsche Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Ulrich Nußbaum. Er glaube nicht, "dass die Amerikaner uns sehr viel Zeit lassen in diesen Fragen."

Die Verhandlungen führt die EU-Kommission mit Handelskommissarin Cecilia Malmström. Sie trifft am Mittwoch den US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer in Washington. 

Malmström sagte, die Drohung mit Autozöllen bestehe weiter. Hierfür gebe es eine Frist bis Februar, wenn in den USA ein Bericht über die Auswirkungen von Autoimporten vorgelegt wird. Die Handelskommissarin betonte, die EU sei wie bei den US-Stahlzöllen vorbereitet, notfalls mit Gegenmaßnahmen zu reagieren.

In den bisherigen Sondierungsgesprächen gehe es derzeit vor allem auch um regulatorische Fragen, sagte Malmström. Dies betreffe insbesondere Standards in der Pharma-Branche, bei medizinischen Geräten und der Cyber-Sicherheit. Darüber hinaus werde die Frage diskutiert, wie EU-Firmen geholfen werden könne, die mehr Gas aus den USA importieren wollen.

Die USA haben ihre Gasproduktion in den vergangenen Jahren massiv hochgefahren und suchen neue Absatzmärkte. Juncker hatte bei dem Treffen mit Trump im Juli höhere Importe von Flüssiggas zugesagt. Er hatte später betont, die EU könne dies den Marktteilnehmern allerdings nicht vorschreiben. Die Bundesregierung stellte aber in der Folge staatliche Unterstützung für den Bau eines Flüssiggasterminals in Deutschland in Aussicht. 

Trump will die Handelsgespräche mit der EU eigentlich auch auf den Agrarbereich ausdehnen, um einen Erfolg für seine Klientel unter den US-Farmern zu verbuchen. Länder wie Frankreich mit einer eigenen starken Bauern-Lobby lehnen das kategorisch ab. Auch Schramböck sagte, in der Vereinbarung zwischen Juncker und Trump vom Juli seien die "landwirtschaftlichen Produkte ganz klar ausgenommen".

Die News EU macht wegen drohender Autozölle bei Handelsgesprächen mit USA Tempo wurde von AFP am 09.11.2018 in der Kategorie Wirtschaft mit den Stichwörtern D, EU, USA, Außenhandel, Auto abgelegt.

Weitere Meldungen

Deutsche Umwelthilfe fordert Tempolimit von 120 auf Autobahnen

In der Debatte um ein Tempolimit auf Autobahnen hat sich die Deutsche Umwelthilfe (DUH) für eine Höchstgeschwindigkeit von 120 Stundenkilometern ausgeprochen. "Wir fordern ein

Mehr
Geschäftsführer: Finanzierung der Fluggesellschaft Germania gesichert

Die Krise bei der angeschlagenen Fluggesellschaft Germania ist nach Angaben des Unternehmens überwunden: Die Fluglinie erhielt am Samstag eine Finanzzusage, wie Geschäftsführer

Mehr
Geschäftsführer: Finanzierung der Fluggesellschaft Germania gesichert

Die Krise bei der angeschlagenen Fluggesellschaft Germania ist nach Angaben des Unternehmens überwunden: Die Fluglinie erhielt am Samstag eine Finanzzusage, wie Geschäftsführer

Mehr

Top Meldungen

Bsirske bekräftigt vor Tarifverhandlungen Forderung nach deutlich mehr Gehalt

Vor Beginn der ersten Tarifrunde für die Angestellten des öffentlichen Dienstes der Länder hat Verdi-Chef Frank Bsirske seine Forderung nach deutlichen Gehaltserhöhungen

Mehr
Ischinger kritisiert Bundesregierung im Streit um Nord Stream 2

München - Der Chef der Münchener Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, sieht strategische Fehler der Bundesregierung im Umgang mit dem umstrittenen Gaspipeline-Projekt Nord

Mehr
Öffentlicher Dienst: Verdi-Chef macht vor Tarifverhandlungen Druck

Berlin - Kurz vor der ersten Verhandlungsrunde am Montag hat Verdi-Chef Frank Bsirske eine harte Haltung der Gewerkschaften bei den Tarifverhandlungen im Öffentlichen Dienst

Mehr