Wirtschaft

Wettbewerbshüter machen Weg für Fusion von Karstadt und Kaufhof frei

  • 9. November 2018, 14:52 Uhr
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Karstadt und Kaufhof dürfen fusionieren
Bild: AFP

Das Bundeskartellamt hat die Fusion der Warenhäuser Karstadt und Galeria Kaufhof freigegeben. Es gebe nach intensiver Prüfung weder aus Sicht der Verbraucher noch der Hersteller und Lieferanten wettbewerbliche Bedenken.

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Der Weg für einen neuen Warenhausriesen in Deutschland ist frei: Das Bundeskartellamt hat keine Bedenken gegen eine Fusion von Karstadt und Kaufhof, wie die Behörde am Freitag in Bonn mitteilte. Der kanadische Kaufhof-Eigner HBC begrüßte die Entscheidung - diese sei ein "wichtiger Schritt" für den Vollzug der Transaktion. Die Gewerkschaft Verdi forderte, die Beschäftigten müssten nun an der Zukunftsplanung beteiligt werden. 

Kartellamtspräsident Andreas Mundt erklärte, es gebe nach intensiver Prüfung weder aus Sicht der Verbraucher noch der Hersteller und Lieferanten wettbewerbliche Bedenken. "Wir haben festgestellt, dass Kaufhof und Karstadt selbst bei isolierter Betrachtung des rein stationären Handels nur in einzelnen Warengruppen und Regionen Marktanteile von mehr als 25 Prozent erzielen", sagte er.

Für eine stark wachsende Zahl von Verbrauchern seien zudem Online-Händler eine wichtige Einkaufsalternative, erklärte Mundt. Dieser zunehmende Wettbewerbsdruck durch den Online-Handel sei in die Bewertung eingeflossen. Nach Angaben der Behörde betragen die Umsätze der Warenhausketten zusammen rund fünf Milliarden Euro.

Die Eigentümer von Karstadt und Kaufhof, die österreichische Signa-Holding des Investors René Benko und der kanadische Handelskonzern HBC, hatten am 11. September mitgeteilt, die beiden Warenhausketten zusammenzuschließen. Die Karstadt-Mutter Signa soll dabei einen Anteil von 50,01 Prozent an dem neuen Gemeinschaftsunternehmen halten, HBC 49,99 Prozent.

Der kanadische Konzern begrüßte die Entscheidung der Wettbewerbshüter. "Wir werden uns nun darauf konzentrieren, die konkreten Details der Struktur des Joint Ventures auszuarbeiten und sind zuversichtlich, dass wir die Transaktion im geplanten Zeitraum abschließen können", sagte eine HBC-Sprecherin AFP. 

Der Zusammenschluss sei eine "kluge und strategisch sinnvolle Entscheidung", betonte sie. Die Fusion schaffe für beide Unternehmen die Voraussetzungen, "das Geschäft zu stärken und die Herausforderungen im deutschen Einzelhandel zu meistern".

HBC mit Sitz in Toronto ist als Einzelhandelsunternehmen in Kanada, den USA und Europa aktiv. Daneben gehören HBC eine Reihe von Gewerbeimmobilien in Nordamerika und in Deutschland. Ihre Tochtergesellschaft Galeria Kaufhof mit Sitz in Köln betreibt nach Angaben des Kartellamts 98 Filialen in Deutschland und einen Online-Shop. Darüber hinaus werden auch 16 Filialen in Belgien, 15 Filialen in den Niederlanden und sechs deutsche Filialen der Kette Saks Off 5th in das Unternehmen eingebracht.

Signa betreibt über die Karstadt Warenhaus GmbH dem Kartellamt zufolge in Deutschland 79 Warenhäuser sowie einen Online-Shop. Hinzu kommen 29 von Karstadt Sports betriebene Fachgeschäfte für Sportbekleidung und ebenfalls ein Online-Shop sowie weitere Sportartikelhändler.

Signa-Chef Benko hatte im Oktober dem "Handelsblatt" gesagt, die Fusion sei "die Rettung des Unternehmens" Kaufhof. Die Kette sei "in einem ähnlich besorgniserregenden Zustand wie 2014 Karstadt". Damals hatte Benko Karstadt übernommen. 

Befürchtungen über einen Jobabbau versuchte er zu dämpfen: "Es wird nicht zu Massenschließungen kommen. Natürlich müssen wir sanieren, aber wir werden wie bisher um jede Filiale kämpfen und versuchen, sie in die schwarzen Zahlen zu führen", versicherte Benko. 

Die Gewerkschaft Verdi forderte die Eigentümer auf, ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden. Es müsse nun darum gehen, die Unternehmen erfolgreich aufzustellen und nicht allein auf "Optimierung durch Restrukturierung" zu setzen, erklärte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Nötig seien Investitionen in Arbeitsplätze. Ein wichtiger Schritt dazu sei das Weiterbestehen der beiden Warenhäuser in einer Holding.

Der Gesamtbetriebsrats-Vorsitzende bei Karstadt, Jürgen Ettl, fordert das Management auf, "alles für den Erhalt der Arbeitsplätze und der Existenzgrundlage aller Beschäftigten und ihrer Familien zu tun". Die Beschäftigten erwarteten "volle Transparenz und frühzeitige Einbindung in alle Planungen und Entscheidungen".

Die News Wettbewerbshüter machen Weg für Fusion von Karstadt und Kaufhof frei wurde von AFP am 09.11.2018 in der Kategorie Wirtschaft mit den Stichwörtern D, Unternehmen, Einzelhandel, Übernahmen abgelegt.

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