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Wirtschaftshistoriker: EZB soll Italien stärker stützen

  • 23. Oktober 2018
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Brüssel - Der britische Wirtschaftshistoriker Adam Tooze hat ein stärkeres Engagement der Europäischen Zentralbank (EZB) gefordert, um Italiens Staatsschuldenkrise zu lösen. "Die Europäische Zentralbank sollte zumindest dafür sorgen, dass sich die Zinskosten zwischen den Euro-Staaten annähern", sagte Tooze in der "Welt".

Aktuell müsse Italien für seinen Schuldendienst mehr als drei Prozentpunkte mehr ausgeben als Deutschland. "Wenn ein Land innerhalb einer Währungsunion so viel mehr für den Schuldendienst zahlen muss als ein anderes, dann wird es immer weiter zurückfallen." Denn es sei nicht nur der Staat, der mehr zahlen müsse. "An den Renditen der öffentlichen Anleihen orientieren sich auch die Zinskosten für Privathaushalte und Firmen", so Tooze weiter. Der Wirtschaftshistoriker, der an der Columbia-Universität in New York arbeitet, hatte zuletzt mit einer Aufarbeitung der Finanzkrise für Aufsehen gesorgt. Eine der Lehren sei, dass Notenbanken bei der Lösung von Krisen eine wichtige Rolle spielten. Das müssten nun auch die Europäer erkennen und der Europäischen Zentralbank eine größere Rolle geben. Ausdrücklich nimmt der Historiker Italien in Schutz. Durch die Klientelpolitik der 1970er-Jahre seien die Verbindlichkeiten des Landes in schwindelerregende Höhen geklettert, ein normaler Abbau sei heute kaum mehr möglich. Wenn man von den Zinsen absehe, erwirtschafte das Schatzamt in Rom seit Anfang der 1990-er Jahre nun schon Jahr für Jahr einen Haushaltsüberschuss. "Die derzeitigen Auseinandersetzungen mit Brüssel sind also einzig und allein eine Folge der überbordenden Altlasten", sagte Tooze. Würde man diese irgendwie abbauen, stünde das Land fiskalisch stabiler da als die meisten anderen Länder der Euro-Zone. Wahrscheinlich sei nur eine radikale Lösung möglich, so der Wirtschaftshistoriker. "Wenn ich mir also etwas wünschen könnte, dann dass die EZB alle Schulden aufkaufen sollte."

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