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Australische Regierung entschuldigt sich bei Missbrauchsopfern

  • 22. Oktober 2018, 10:41 Uhr
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Regierungschef Morrison bei seiner Ansprache
Bild: AFP

In einer emotionalen Ansprache hat sich der australische Regierungschef Scott Morrison bei den Opfern von Kindesmissbrauch entschuldigt. Australien habe als Nation über Jahrzehnte hinweg dabei 'versagt', Kinder in kirchlichen oder staatlichen Einrichtungen vor 'bösen dunklen Verbrechen' zu beschützen, sagte Morrison am Montag im Parlament. 'Das wird für immer eine Schande für uns sein.' Einigen der zehntausenden Opfern reichte die Entschuldigung nicht aus.

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In einer emotionalen Ansprache hat sich der australische Premierminister Scott Morrison im Namen der Regierung bei den vielen tauend Opfern von Kindesmissbrauch entschuldigt. Australien habe als Nation über Jahrzehnte hinweg dabei "versagt", Kinder in kirchlichen oder staatlichen Einrichtungen vor "bösen dunklen Verbrechen" zu beschützen, sagte Morrison am Montag im Parlament. "Das wird für immer eine Schande für uns sein." Einigen der Opfer reichte die Entschuldigung allerdings nicht aus.

Der Missbrauch sei von "Australiern an Australiern" begangen worden, von "Feinden aus unserer Mitte", sagte Morrison mit bebender Stimme. "Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr, Jahrzehnt für Jahrzehnt" habe es in Schulen, Kirchen, Jugendgruppen, Sportvereinen und Kinderheimen Missbrauch gegeben. 

Die Regierung entschuldige sich bei den Kindern, ihren Eltern, "deren Vertrauen missbraucht wurde", und auch den Hinweisgebern, auf die nicht gehört worden sei, sagte der Premierminister. Ihm versagte teilweise die Stimme, als er an die Ausbeutung, Vertuschungen und das staatliche Versagen erinnerte. Das neue nationale Credo sei: "Wir glauben euch", beteuerte er.

Morrisons Rede wurde live im Fernsehen übertragen und von hunderten noch lebenden Missbrauchsopfern im ganzen Land und auch im Parlament selbst verfolgt. Die Abgeordneten erhoben sich nach der Ansprache zu einer Schweigeminute. Als Zeichen des Respekts wurde die reguläre Parlamentssitzung verschoben.

Vor dem Parlament versammelten sich Angehörige von bereits verstorbenen Opfern. Sie trugen Schilder mit den Namen ihrer Töchter, Söhne, Brüder und Schwestern, für die die Entschuldigung zu spät kam. Morrison sagte nach einem Treffen mit Opfern: "Ich habe noch niemals solch einen Schmerz in einem Raum gespürt."

Eine Kommission hatte in Australien über fünf Jahre den Missbrauch und seine Vertuschung in Institutionen untersucht und dabei Aussagen von mehr als 15.000 Opfern dokumentiert. Der im Dezember veröffentlichte Abschlussbericht sprach von einer "nationalen Tragödie". 

Eine Reihe von australischen Institutionen entschuldigte sich bereits für ihr Versagen, darunter auch die katholische Kirche. Die Kirchenführung gelobte, dass sich die "schändliche" Geschichte des Kindesmissbrauchs nicht wiederholen dürfe. Sie lehnte jedoch die im Untersuchungsbericht geforderte Lockerung des Beichtgeheimnisses ab.

Der Untersuchungskommission zufolge wurde sieben Prozent der katholischen Priestern in Australien vorgeworfen, zwischen 1950 und 2010 Kinder missbraucht zu haben. In einigen Diözesen lag der Anteil von Priestern unter Pädophilieverdacht bei 15 Prozent oder höher. Nachdem die Vorwürfe jahrelang totgeschwiegen wurden, laufen inzwischen Verfahren gegen ranghohe Kirchenvertreter.

Für viele Australier blieben nach der offiziellen Entschuldigung der Regierung Fragen offen, wie Missbrauch und Vertuschung geschehen konnten. Einige Opfer bemängelten, dass die öffentlichen Mittel für betroffene Institutionen nicht gekürzt würden und weitreichende Gesetzesänderungen ausblieben. Demonstranten forderten die Regierung auf, die Schuldigen zu bestrafen und auch andere Institutionen wie die Armee zu durchleuchten.

Die australische Regierung hat sich in der Vergangenheit bereits bei den Aborigines für das Unrecht unter weißer Siedlerherrschaft entschuldigt sowie für Zwangsadoptionen oder die Verfolgung Homosexueller. Darüber hinaus gibt es Forderungen für eine Entschuldigung zum Umgang der Armee mit homosexuellen, bisexuellen oder Transgender-Mitgliedern.

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