Politik

Russland nennt Zulassung von ukrainisch-orthodoxer Kirche "Provokation"

  • 12. Oktober 2018, 19:43 Uhr
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Patriarch Filaret von der ukrainisch-orthodoexen Kirche
Bild: AFP

Nach der Zulassung einer eigenständigen ukrainisch-orthodoxen Kirche hat Russland den USA eine Einmischung vorgeworfen. Diese 'Provokation' sei 'mit direkter öffentlicher Unterstützung aus Washington' geschehen, sagte Außenminister Sergej Lawrow.

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Die russische Regierung hat die USA für die Abspaltung der ukrainisch-orthodoxen Kirche von Moskau verantwortlich gemacht. Die Entscheidung des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel zur Zulassung einer eigenständigen ukrainisch-orthodoxen Kirche sei eine "Provokation", die "mit direkter öffentlicher Unterstützung aus Washington" geschehen sei, kritisierte Außenminister Sergej Lawrow am Freitag in Moskau. Zuvor hatte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow klargestellt, dass Moskau weiterhin die Verantwortung für alle Orthodoxen in der Ukraine beansprucht. 

Lawrow zeigte sich erbost über die Anerkennung für die Abspaltung der ukrainischen Orthodoxen. Er warf den USA eine "Einmischung in Kirchenangelegenheiten" vor. Dies sei "in der Ukraine, in Russland und, so hoffe ich, in jedem normalen Staat gesetzlich verboten", sagte er in einem Interview, das auf der Website des russischen Außenministerius veröffentlicht wurde. 

Das in Istanbul ansässige Ökumenische Patriarchat hatte am Donnerstag in einer von Patriarch Bartholomäus I. geleiteten Sitzung der Loslösung der ukrainisch-orthodoxen Kirche von Moskau zugestimmt. Die historische Entscheidung ermöglicht es den Orthodoxen in der Ukraine erstmals seit 332 Jahren, sich der Aufsicht der russisch-orthodoxen Kirche zu entziehen. 

In der Ukraine hatte sich nach der staatlichen Unabhängigkeit 1992 ein Teil der Moskau zugehörigen orthodoxen Kirche abgespalten, doch wurde dies bisher nicht von der Kirchenführung anerkannt. Der Patriarch Filaret wurde von Moskau exkommuniziert. Nach der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Moskau 2014 verschärfte sich der Streit, die ukrainisch-orthodoxe Kirche beantragte auch offiziell ihre Unabhängigkeit. 

Bartholomäus I. ist das Oberhaupt der orthodoxen Christen und gilt unter den Patriarchen als "Erster unter Gleichen". Die Loslösung der ukrainischen Kirche von Moskau bedurfte daher seiner Zustimmung.

Das Patriarchat entschied außerdem, den Patriarchen von Kiew, Filaret Denisenko, wieder einzusetzen. Die Entscheidung von Patriarch Bartholomäus I. dürfte die Spannungen zwischen Moskau und Kiew nun verstärken. 

Der größte Teil der Orthodoxen in der Ukraine gehört noch dem Moskauer Patriarchat an. Die Regierung in Kiew kündigte an, einen "Krieg der Religionen" verhindern zu wollen und jeder Gemeinde die Entscheidung zu überlassen, ob sie sich weiter von Moskau vertreten lassen oder zur ukrainisch-orthodoxen Kirche übertreten will. 

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow warnte am Freitag vor religiösen Unruhen und stellte klar, dass Russland weiter die Verantwortung für alle Orthodoxen in der Ukraine beansprucht. "Wenn illegale Aktionen stattfinden, wird Russland die Interessen der Orthodoxen schützen, ebenso wie es stets die Interessen der Russen und Russischsprachigen schützt", sagte der Kreml-Sprecher. Solche Interventionen würden ausschließlich auf "politischem und diplomatischem Wege" geschehen. 

"Für den möglichen Fall, dass die ukrainischen Behörden die Lage nicht unter Kontrolle bekommen (...) und dass die Situation hässlich und gewalttätig wird", werde Moskau intervenieren, sagte der Kreml-Sprecher. "Alles, was in der orthodoxen Welt geschieht, wird von der russischen Regierung aufmerksam beobachtet."

Die ukrainische Presse wertete die Entscheidung von Bartholomäus I. als "herben Schlag" gegen Moskau. Die Website "Glawkom" schrieb, nun liege der Ball im Feld der zersplitterten ukrainischen Kirche, die sich so schnell wie möglich vereinen müsse. In der russischen Presse war von der "Legalisierung einer Kirchenspaltung" die Rede. "Konstantinopel hat Moskau Kiew entrissen", schrieb die Zeitung "Kommersant". 

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