Brennpunkte

Frontex-Pläne der EU in Gefahr

  • 12. Oktober 2018
Bild vergrößern: Frontex-Pläne der EU in Gefahr
Grenzkontrolle im Zug
dts

.

Anzeige

Brüssel - Der geplante schnelle Ausbau der EU-Grenzschutzagentur Frontex auf 10.000 Beamte stößt in Deutschland auf massive Bedenken. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) warnt, Deutschland könne den von der EU-Kommission geforderten Personalbeitrag von knapp 1.300 entsendeten Polizisten im Jahr 2020 gar nicht leisten.

Der GdP-Vizevorsitzende Jörg Radek sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Freitag): "Ein solcher Plan ist schlicht nicht realistisch. Diese Leute haben wir so schnell nicht zur Verfügung, weder die Bundespolizei noch die Polizeien der Länder". Es mache auch keinen Sinn, Beamte an die EU-Außengrenzen zu schicken, "die uns dann im Inland fehlen." Der Kommissionsplan sieht vor, dass die Grenz- und Küstenwache Frontex bereits im Jahr 2020 von jetzt 1.500 auf 10.000 Beamte aufgestockt wird, die zudem mehr Befugnisse und umfangreiche Ausrüstung erhalten sollen. Die EU-Mitgliedstaaten sollen aber den Großteil des Personals stellen - anfangs 8.500, später 7.000 Beamte. Allein Deutschland müsste zum Start 2020 genau 1.277 Polizisten entsenden (1.052 für einen kurzfristigen, 225 für einen langfristigen Einsatz), wie die Funke-Zeitungen unter Berufung auf Kommissions-Dokumente berichten. Gewerkschaftsvize Radek sagte, in der Personalplanung seien die Frontex-Anforderungen überhaupt nicht berücksichtigt. Bislang sind durchschnittlich etwas über hundert deutsche Beamte im Frontex-Einsatz. Zwei Drittel kommen aus der Bundespolizei, die aber über massive Personalknappheit klagt. In der Bundesregierung werden die Bedenken im Grundsatz geteilt, aber vorsichtiger formuliert. Man werde über die Zielgrößen und den tatsächlichen Bedarf reden müssen, heißt es in Regierungskreisen. In anderen Hauptstädten wird nach dem Bericht der Funke-Zeitungen ebenfalls bezweifelt, dass die Personalpläne belastbar und in diesem Umfang überhaupt sinnvoll sind. Die Funke-Zeitungen zitieren den Brüsseler Botschafter eines EU-Landes mit den Worten: "10.000 Beamte im Jahr 2020 - dieser Plan war zu keinem Zeitpunkt realistisch". Am Freitag beraten die EU-Innenminister in Luxemburg erstmals über den Plan der Kommission. Beschlüsse werden nicht erwartet.

ANZEIGE

Die News Frontex-Pläne der EU in Gefahr wurde von dts am 12.10.2018 in der Kategorie Brennpunkte mit den Stichwörtern Politik, EU, Deutschland, Asyl abgelegt.

Weitere Meldungen

Türkische Polizei beginnt mit Durchsuchung des saudiarabischen Konsulats

Im Fall des vermissten Journalisten Jamal Khashoggi haben die türkischen Behörden am Montag mit der Durchsuchung des saudiarabischen Konsulats in Istanbul begonnen. Uniformierte

Mehr
Pfefferspray-Einsatz bei G20 bleibt ohne Konsequenzen

Wiesbaden - Der Einsatz von zwei hessischen Polizeibeamten, die eine junge Frau am Rande der G20-Proteste im Juni 2017 in Hamburg mit Hilfe von Pfefferspray von einem

Mehr
Neue Ermittlungen gegen Nawalny einen Tag nach dessen Haftentlassung

Einen Tag nach seiner Haftentlassung sieht sich der russische Oppositionsführer Alexej Nawalny nach eigenen Worten mit neuen Ermittlungen wegen Verleumdung konfrontiert. Das

Mehr

Top Meldungen

Opel steht Rückruf von 100.000 Diesel-Autos kurz bevor

Berlin - Das Bundesverkehrsministerium hat angekündigt, dass ein amtlicher Rückruf von 100.000 Diesel-Autos des Herstellers Opel wegen Abgasmanipulationen "kurz bevor" stehe. Im

Mehr
Verbraucherschützer beklagen unfaire Verteilung der Stromkosten

Berlin - Der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), Klaus Müller, hat sich zurückhaltend zu der sinkenden EEG-Umlage geäußert. "Es ist zwar erfreulich, dass die

Mehr
China-Kracher schlägt in Paris auf


China holt auf im Automobilbau. Jenseits von Imitation und Marken-Aufkauf zeigt das Reich der Mitte Selbstbewusstsein beim Design - auch im Modemekka Paris. Dort feiert

Mehr