Wirtschaft

Wirtschaft unterläuft EU-Kontrollen zum Schutz vor Chemikalien

  • 12. Oktober 2018
Bild vergrößern: Wirtschaft unterläuft EU-Kontrollen zum Schutz vor Chemikalien
Europaflagge
dts

.

Anzeige

Berlin - In Europa können im großen Stil gesundheits- und umweltgefährdende Chemikalien im Einsatz sein. Das zeigt eine Untersuchung deutscher Behörden, über die die "Süddeutsche Zeitung" (Freitagsausgabe) berichtet.

In Alltagsgütern wie Lebensmitteln, Möbeln, Farben, Parfum oder Kinderspielzeug werden demnach Tausende Tonnen von Substanzen verwendet, ohne hinreichend auf Risiken geprüft zu sein. Mindestens ein Drittel aller in Europa produzierten oder nach Europa importierten Chemikalien verstößt nach einer Prüfung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) gegen EU-Auflagen. Das Umweltbundesamt bezeichnet die Ergebnisse am Donnerstag als "sehr besorgniserregend". Schon seit 2010 müssen Unternehmen Substanzen, die sie herstellen oder verwenden, durch die Europäische Chemikalienagentur ECHA registrieren lassen - und dabei genau aufgeschlüsselte Dossiers mit umwelt- und gesundheitsrelevanten Daten und Studien einreichen. Die letzten Fristen dafür liefen Ende Mai aus. Doch die Industrie widersetzt sich der Maßnahme zum Ärger der Behörden in großem Ausmaß. "Viele Firmen haben lückenhafte Daten vorgelegt. Relevante Tests fehlen", sagte Nannett Aust, Leiterin des Fachgebiets Chemikalien beim Umweltbundesamt.

Nach Angaben des BfR beziehen sich diese fehlenden Daten und Tests etwa auf die Schädlichkeit für Ungeborene oder auf die Giftigkeit für im Wasser lebende Tiere und Pflanzen. Triftige Gründe dafür, dass die Firmen die geforderten Daten nicht beibringen könnten, gibt es laut BfR nicht. "Umwelt- oder Gesundheitsrisiken durch den Einsatz von Chemikalien lassen sich so nicht ausschließen", so Aust. Damit torpedieren die Unternehmen den Versuch, mehr Schutz für die Bürger zu schaffen und einen bislang weitgehend im Dunkeln agierenden Markt stärker unter Kontrolle zu bringen. Denn Chemikalien mussten bislang nicht zugelassen werden, sie wurden einfach benutzt. Oft wurde erst nach Jahrzehnten des Gebrauchs festgestellt, welche fatalen Wirkungen einige Stoffe haben. Der Kontakt mit giftigen, aber noch nicht überprüften Alltagschemikalien werde für eine Reihe von Umwelt- und Gesundheitsproblemen verantwortlich gemacht, etwa für sinkende Fruchtbarkeit, für Krebs- und andere Erkrankungen, so das Europäische Umweltbüro EEB, das größte Netzwerk europäischer Umweltverbände.

ANZEIGE

Die News Wirtschaft unterläuft EU-Kontrollen zum Schutz vor Chemikalien wurde von dts am 12.10.2018 in der Kategorie Wirtschaft mit den Stichwörtern Wirtschaft, Deutschland, EU, Unternehmen abgelegt.

Weitere Meldungen

Senkung der Unternehmenssteuern: BDI begrüßt Altmaiers Plan

Berlin - Für seinen Plan, Unternehmen steuerlich zu entlasten, hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) Lob von der Industrie bekommen. "Der BDI hält die jüngsten

Mehr
Opel steht Rückruf von 100.000 Diesel-Autos kurz bevor

Berlin - Das Bundesverkehrsministerium hat angekündigt, dass ein amtlicher Rückruf von 100.000 Diesel-Autos des Herstellers Opel wegen Abgasmanipulationen "kurz bevor" stehe. Im

Mehr
Verbraucherschützer beklagen unfaire Verteilung der Stromkosten

Berlin - Der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), Klaus Müller, hat sich zurückhaltend zu der sinkenden EEG-Umlage geäußert. "Es ist zwar erfreulich, dass die

Mehr

Top Meldungen

China-Kracher schlägt in Paris auf


China holt auf im Automobilbau. Jenseits von Imitation und Marken-Aufkauf zeigt das Reich der Mitte Selbstbewusstsein beim Design - auch im Modemekka Paris. Dort feiert

Mehr
Trendforscherin fordert von EU Mindestpreise für Kleidung

Paris - Die renommierte Trendforscherin Lidewij Edelkoort hat die EU aufgefordert, Mindestpreise für Kleidung festzusetzen. "Für landwirtschaftliche Produkte haben sie das ja

Mehr
Beschäftigtenzahl im Verarbeitenden Gewerbe steigt weiter

Wiesbaden - Ende August 2018 sind in Deutschland 5,7 Millionen Personen in den Betrieben des Verarbeitenden Gewerbes tätig gewesen: Das waren rund 149.000 Beschäftigte und somit

Mehr