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Russland verstärkt nach Flugzeug-Abschuss syrische Luftabwehr

  • 24. September 2018, 19:42 Uhr
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Russische Jets über Syrien
Bild: AFP

Als Reaktion auf den Abschuss eines russischen Militärflugzeugs baut Moskau die Luftabwehr seines Verbündeten Syrien aus. Israels Regierungschef Netanjahu äußerte sich besorgt über die Pläne.

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Als Reaktion auf den Abschuss eines russischen Militärflugzeugs baut Moskau die Luftabwehr seines Verbündeten Syrien aus. Der syrischen Armee werde binnen zwei Wochen ein neues Luftabwehrsystem zur Verfügung gestellt, sagte Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu am Montag. Kreml-Chef Wladimir Putin machte erneut Israel für den versehentlichen Abschuss verantwortlich. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu wies dies zurück und warnte vor einer Verlegung moderner Waffensysteme nach Syrien. 

Der Abschuss des russischen Militärflugzeugs vor einer Woche belastet das Verhältnis zwischen Russland und Israel schwer. Die Ankündigung Moskaus, die syrische Luftabwehr auszubauen, dürfte die Beziehungen nun zusätzlich belasten.

Putin wies am Montag die israelischen Angaben zu dem Flugzeug-Abschuss zurück. Israel trage die Hauptverantwortung dafür, dass die Iljuschin-Maschine versehentlich ins Visier der syrischen Luftabwehr geraten sei, sagte Putin nach Kreml-Angaben in einem Telefonat mit Netanjahu. Die israelische Version widerspreche "den Schlussfolgerungen des russischen Verteidigungsministeriums". Israel sei Schuld daran, dass die Iljuschin-Maschine versehentlich ins Visier der syrischen Luftabwehr geraten sei. 

Die syrische Armee hatte das Flugzeug der mit ihr verbündeten russischen Armee vor einer Woche abgeschossen, als dieses im Landeanflug auf die westsyrische Provinz Latakia war. Alle 15 Besatzungsmitglieder wurden getötet. Die Luftabwehrrakete hatte sich eigentlich gegen israelische Kampfflugzeuge gerichtet, die einen Angriff über Syrien flogen.

Russland macht "irreführende Informationen" der israelischen Luftwaffe für den Abschuss des Flugzeugs verantwortlich. Die Angaben der israelischen Luftwaffe über ihre bevorstehenden Angriffe hätten es dem russischen Flugzeug nicht ermöglicht, "rechtzeitig in ein sicheres Gebiet zu fliegen", hieß es in seinem Untersuchungsbericht der Armee. 

Netanjahu wies eine Verantwortung Israels für den tödlichen Zwischenfall am Montag erneut zurück und stellte sich hinter die Schlussfolgerungen der israelischen Armee. Demnach waren die israelischen Luftangriffe erfolgt, als die russische Maschine sich gar nicht im Einsatzgebiet befand. 

Netanjahu warnte Putin in dem Telefonat außerdem davor, moderne Luftabwehrsysteme nach Syrien zu verlegen, wie sein Büro mitteilte. Die Lieferung "moderner Waffensysteme in unverantwortliche Hände" würde die Lage in der Region verschärfen, sagte Netanjahu demnach. Israel werde seine Sicherheit und seine Interessen weiter verteidigen. 

Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu hatte zuvor angekündigt, der syrischen Armee binnen zwei Wochen "das moderne Luftabwehrsystem S-300" zur Verfügung zu stellen. "Wir sind sicher, dass die Umsetzung dieser Maßnahmen die 'Hitzköpfe' abkühlen und sie von schlecht durchdachten Aktionen abhalten wird, die unsere Soldaten bedrohen", sagte Schoigu. Seinen Angaben zufolge wurden syrische Soldaten bereits im Umgang mit S-300 geschult. 

Russland habe das System eigentlich schon 2013 an Syrien liefern wollen, aber auf Bitten Israels davon abgesehen, sagte der Verteidigungsminister. Das Abwehrsystem kann demnach Objekte in einer Entfernung von mehr als 250 Kilometern abfangen und zeitgleich mehrere Ziele in der Luft beschießen.

Die russische Armee werde außerdem die Kommunikation von Flugzeugen stören, die syrisches Territorium vom Mittelmeer aus angreifen, kündigte Schoigu an. Kreml-Sprecher Peskow hob hervor, die Maßnahmen seien "nicht gegen Drittstaaten gerichtet", sondern dienten ausschließlich dem Schutz "unseres eigenen Militärs".

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte am Montag, der Abschuss der russischen Militärmaschine zeige, dass die Region "ein Pulverfass" sei. Daher sei es notwendig, dass die dortigen Aktivitäten "eng abgestimmt werden, damit es nicht zu weiterer Eskalation kommt".

Die israelische Luftwaffe fliegt immer wieder Angriffe im benachbarten Bürgerkriegsland Syrien. Netanjahus Regierung ist es ein Dorn im Auge, dass an der Seite von Syriens Machthaber Baschar al-Assad auch Israels Erzfeinde Iran und die schiitsche Hisbollah-Miliz kämpfen.

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