Brennpunkte

Italien droht mit Rückführung von Flüchtlingen auf der "Diciotti" nach Libyen

  • 19. August 2018, 17:48 Uhr
Bild vergrößern: Italien droht mit Rückführung von Flüchtlingen auf der Diciotti nach Libyen
Italienisches Küstenwachen-Schiff "Diciotti"
Bild: AFP

Italiens Innenminister Salvini droht, die auf einem Schiff der Küstenwache festsitzenden Flüchtlinge nach Libyen zurückzuschicken. Wenn Europa Italien keine konkrete Hilfe anbiete, würden die Flüchtlinge nach Libyen zurückgeschickt.

Anzeige

Italiens Innenminister Matteo Salvini hat am Sonntag gedroht, die knapp 180 auf einem Schiff der Küstenwache festsitzenden Flüchtlinge nach Libyen zurückzuschicken. "Entweder Europa entscheidet sich, Italien konkrete Hilfe anzubieten, angefangen zum Beispiel mit den 180 Einwanderen an Bord des Schiffs 'Diciotti', oder wir werden das tun, was definitiv das Geschäft der Schlepper beendet", erklärte Salvini am Sonntag. "Das bedeutet, die im Meer geretteten Flüchtlinge nach Libyen zurückzuschicken." 

Nichtregierungsorganisationen verweisen immer wieder auf Gewalt und andere Menschenrechtsverletzungen in den libyschen Flüchtlingsunterkünften. Sie lehnen daher eine Rückführung von Migranten in das nordafrikanische Land ab. 

Auf dem Schiff "Diciotti" der italienischen Küstenwache harren 177 Flüchtlinge aus, die am Donnerstag aus dem Mittelmeer gerettet worden waren. Salvini untersagte es dem Schiff, mit den Flüchtlingen an Bord einen italienischen Hafen anzulaufen. Er argumentierte, die Bootsflüchtlinge seien in Gewässern gerettet worden, für die eigentlich Malta zuständig sei. Die maltesischen Behörden erklärten dazu, dies treffe zwar zu, doch die Bootsflüchtlinge hätten jede Hilfe verweigert und weiter Kurs auf Lampedusa genommen. 

Am Sonntag unterstrich die maltesische Regierung ihre Haltung. Regierungschef Joseph Muscat erklärte, das Boot sei nicht in Not gewesen und habe Hilfe verweigert. Innenminister Michael Farrugia schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter, "die einzige Lösung" für die zwischen beiden Ländern aufgegriffenen Flüchtlinge sei, sie nach Lampedusa zu bringen. Die "Diciotti" habe die Flüchtlinge im maltesischen Such- und Rettungsgebiet aufgegriffen, "nur, um sie am Eintritt in italienische Gewässer zu hindern". 

Eine Koordinierung mit der zuständigen Rettungsleitstelle habe nicht stattgefunden, fügte der maltesische Innenminister hinzu. "Das Aufgreifen eines Bootes, das sein Recht auf freies Navigieren auf hoher See wahrnimmt, wird nicht als Rettungseinsatz angesehen."

Italiens Verkehrsminister Danilo Toninelli zeigte sich erbost über die maltesische Regierung. "Maltas Verhalten ist wieder einmal unerhört und gehört sanktioniert", twitterte er. Auch die EU ging der Minister scharf an: "Die EU muss einen Schritt vorwärts gehen und seine Häfen für Solidarität öffnen, andernfalls hat sie keinen Grund zu existieren." 

Zwischen Italien und Malta gab es in den vergangenen Monaten immer wieder Streit um die Aufnahme von Bootsflüchtlingen - die seit Juni amtierende Regierung in Rom hat die italienischen Häfen für Bootsflüchtlinge gesperrt. Am Mittwoch hatte Malta das Flüchtlingsrettungsschiff "Aquarius" erst nach tagelanger Irrfahrt einlaufen lassen, nachdem mehrere EU-Staaten die Aufnahme der 141 Flüchtlinge an Bord zugesagt hatten. 

ANZEIGE

Die News Italien droht mit Rückführung von Flüchtlingen auf der "Diciotti" nach Libyen wurde von AFP am 19.08.2018 in der Kategorie Brennpunkte mit den Stichwörtern Italien, EU, Libyen, Flüchtlinge, Einwanderung abgelegt.

Weitere Meldungen

EU-Parlamentspräsident fordert EU-Länder zur Einigung über Flüchtlingsquoten auf

Vor dem Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs in Salzburg hat EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani die Mitgliedstaaten zu einer schnellen Einigung über die

Mehr
Trump will mögliche ständige Militärbasis in Polen prüfen

Der polnische Wunsch nach einer ständigen US-Militärbasis in dem Land stößt bei US-Präsident Donald Trump auf offene Ohren. Diese Bitte werde von seiner Regierung "sehr ernsthaft"

Mehr
EU-Parlamentspräsident will Einigung über Flüchtlingsquoten

Berlin - Der Präsident des Europäischen Parlaments, Antonio Tajani, ruft die Mitgliedstaaten der Europäischen Union zu einer schnellen Einigung über die Verteilung von

Mehr

Top Meldungen

Ifo-Handelsexperte hält US-Strafzölle für verkraftbar

Berlin - Der Ifo-Handelsexperte Gabriel Felbermayr erwartet zwar, dass auch deutsche Firmen die Auswirkungen des US-chinesischen Handelsstreits spüren werden, hält sie aber für

Mehr
Atomaufsicht fordert Sanierungskonzept für Neckarwestheim II

Neckarwestheim - Das Atomkraftwerk GKN II (Neckarwestheim) darf erst dann wieder ans Netz gehen, wenn der Betreiber EnBW ein Sanierungskonzept für die Dampferzeuger umgesetzt

Mehr
Porsche steigt bei Schweizer Start-up WayRay ein

Stuttgart - Der Automobilhersteller Porsche steigt als strategischer Lead-Investor bei dem Schweizer Technologie-Unternehmen WayRay ein. Die Gesamtsumme der Finanzierungsrunde

Mehr