Wirtschaft

Rom will nach Brückeneinsturz in Genua Autobahnbetreiber zur Rechenschaft ziehen

  • 15. August 2018, 14:14 Uhr
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Die zerstörte Morandi-Brücke in Genua
Bild: AFP

Nach dem schweren Brückeneinsturz in Genua will die italienische Regierung den Autobahnbetreiber Autostrade per l'Italia zur Rechenschaft ziehen. Die Regierung prüfte die Auflösung des Vertrags mit der Firma sowie hohe Bußgeldforderungen.

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Nach dem schweren Brückeneinsturz in Genua will die italienische Regierung den Autobahnbetreiber zur Rechenschaft ziehen. Verkehrsminister Danilo Toninelli forderte die Führung des Privatunternehmens Autostrade per l'Italia am Mittwoch zum Rücktritt auf. Außerdem prüfe die Regierung die Auflösung des Vertrags mit der Firma sowie Bußgeldforderungen von bis zu 150 Millionen Euro, erklärte er im Netzwerk Facebook. Das Unglück setzt auch den Mutterkonzern Atlantia unter Druck.

Verkehrsminister Toninelli begründete die Überlegungen der Regierung mit Vertragsbrüchen seitens des Unternehmens. Der Vize-Regierungschef und Chef der Fünf-Sterne-Bewegung, Luigi Di Maio, machte die Firma direkt für das Unglück verantwortlich: "Die Verantwortlichen haben einen Namen und einen Vornamen und es sind Autostrade per l'Italia", sagte er im italienischen Radio. Die Brücke sei nicht durch Schicksal eingestürzt, sondern weil die Wartung nicht erfolgt sei.

"Die Rücknahme der Konzessionen ist das Minimum", sagte Innenminister Matteo Salvini von der rechtsextremen Lega dazu im italienischen Radio. Er werde an sämtliche andere Lizeninhaber schreiben und sie fragen, wieviel ihres Budgets sie in die Sicherheit der Brücken investierten.

Die vierspurige Morandi-Brücke im Westen von Genua war am Dienstag auf einer Strecke von mehr als 200 Metern zusammengebrochen. Lastwagen und Autos stürzten etwa 45 Meter in die Tiefe und wurden teils unter Betontrümmern begraben. Es gab mindestens 39 Tote, die Zahl der Opfer könnte aber noch weiter steigen.

Die 1967 eröffnete Brücke überspannte dutzende Bahngleise sowie ein Industriegebiet mit Gebäuden und Fabriken. Zum Unglückszeitpunkt wurden Wartungsarbeiten an der Brücke vorgenommen, außerdem gab es ein Unwetter. Die genaue Unglücksursache war am Mittwoch weiter unklar.

Durch das Unglück geriet auch der Mutterkonzern von Autostrade, Atlantia, unter Druck. Nach der Tragödie war der Kurs am Dienstag zwischenzeitlich um mehr als zehn Prozent eingebrochen, er schloss schließlich am Abend über fünf Prozent im Minus.

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