Wirtschaft

Türkei erhöht im Streit mit den USA Zölle auf mehrere US-Produkte

  • 15. August 2018, 17:45 Uhr
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Türkische Metropole Istanbul
Bild: AFP

Im Streit mit den USA hat die Türkei die Einfuhrzölle auf mehrere US-Produkte deutlich angehoben. Damit reagiere Ankara auf 'bewusste Angriffe der amerikanischen Regierung auf unsere Wirtschaft', erklärte Vize-Präsident Fuat Okay.

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Als Vergeltung für die US-Strafzölle gegen die Türkei hat Ankara die Einfuhrzölle auf mehrere US-Produkte deutlich angehoben. Damit reagiere Ankara auf "bewusste Angriffe der amerikanischen Regierung auf unsere Wirtschaft", erklärte Vize-Präsident Fuat Okay am Mittwoch. Während das Verhältnis zu den USA weiter angespannt blieb, suchte Präsident Recep Tayyip Erdogan den Schulterschluss mit anderen Verbündeten und telefonierte mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Von den neuen Zöllen, die Präsident Erdogan per Dekret in Kraft setzte, sind vor allem Autos, alkoholische Getränke, Tabak- und Kosmetikprodukte aus den USA betroffen. Für Autos betragen sie 120 Prozent, für alkoholische Getränke 140 Prozent und für Tabak 60 Prozent. "Die Türkei wünscht keinen Wirtschaftskrieg, doch können wir angesichts dieser Aggression nicht tatenlos bleiben", sagte Erdogans Sprecher Ibrahim Kalin.

Laut Handelsminister Ruhsar Pekcan beläuft sich das Volumen der neuen Zölle auf 533 Millionen Dollar. Mit dem Schritt reagiert die Türkei auf die am Freitag verkündete Verdopplung der US-Zölle auf türkische Stahl- und Aluminiumimporte. Hintergrund ist der Streit um die Inhaftierung des US-Pastors Brunson. US-Präsident Donald Trump dringt seit langem auf seine Freilassung und verhängte in dem Streit bereits Sanktionen gegen zwei Minister.

Wiederholte Treffen zwischen Vertretern beider Länder brachten keine Lösung. Trumps Sprecherin sagte am Dienstag, der US-Präsident sei "sehr frustriert, dass der Pfarrer nicht freigelassen wird". Am Mittwoch wies ein Gericht in Izmir einen erneuten Antrag Brunsons auf seine Freilassung zurück. Wegen des Streits ist die Lira drastisch eingebrochen und verlor bis Montag rund ein Viertel ihres Werts, erholte sich zuletzt aber.

Nachdem die Währung bereits am Dienstag deutlich gestiegen war, gewann sie am Mittwoch erneut 5,2 Prozent an Wert. Am Nachmittag wurde sie um die 6,00 zum Dollar gehandelt, lag damit aber noch unter dem Wert von Freitag. Seit Montag haben die Zentralbank und die Bankenaufsicht eine Reihe von Maßnahmen verkündet, um den Währungskurs zu stabilisieren, darunter am Mittwoch neue Beschränkungen von Swap-Operationen.

Wirtschafts- und Finanzminister Berat Albayrak sicherte außerdem strikte Haushaltsdisziplin und die Achtung der Unabhängigkeit der Zentralbank zu. Am Donnerstag will er sich bei einer Telefonkonferenz an rund 3000 Investoren wenden. Ökonomen dringen auf eine Anhebung der Leitzinsen, doch lehnt dies Erdogan strikt ab. Zweifel an der Unabhängigkeit der Zentralbank hatten zuletzt zum Absturz der Lira beigetragen.

Während das Verhältnis zu den USA am Tiefpunkt ist, bemühte sich Ankara um den Schulterschluss mit anderen Partnern. So empfing Erdogan in Ankara den Emir von Katar, Scheich Tamim ben Hamad al-Thani, zu dem er gute Beziehungen pflegt. Der Herrscher des gasreichen Golfstaats kündigte dabei laut dem türkischen Präsidialamt an, 15 Milliarden Dollar in der Türkei zu investieren.

Zudem telefonierte Erdogan mit Bundeskanzlerin Merkel. Dabei vereinbarten sie zur Vorbereitung von Erdogans Staatsbesuch in Berlin am 28. September ein Treffen der Finanz- und Wirtschaftsminister "für die kommenden Tage". Am Donnerstag will Erdogan zudem mit dem französischen Staatschef Emmanuel Macron telefonieren.

Während es im Fall Brunson weiter keine Einigung gibt, gab es überraschend Bewegung in zwei anderen Verfahren, die international zu Spannungen geführt hatten. So entschied ein Gericht am Dienstag, zwei griechische Soldaten freizulassen, die im März an der Grenze unter Spionageverdacht festgenommen worden waren. 

Außerdem ordnete ein Gericht in Istanbul an, den Ehrenvorsitzenden von Amnesty International in der Türkei unter Auflagen freizulassen. Taner Kilic saß seit 14 Monaten in U-Haft.

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