Wirtschaft

US-Präsident heizt türkische Währungskrise mit neuen Strafzöllen weiter an

  • 10. August 2018, 21:45 Uhr
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Trump und Erdogan
Bild: AFP

Nach der Entscheidung von US-Präsident Donald Trump zur Verhängung von Strafzöllen auf türkischen Stahl und Aluminium hat Ankara Gegenmaßnahmen angekündigt. Das türkische Außenministerium erklärte, die Türkei werde die 'erforderliche Antwort' geben.

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Nach der Entscheidung von US-Präsident Donald Trump zur Verhängung von Strafzöllen auf türkischen Stahl und Aluminium hat Ankara Gegenmaßnahmen angekündigt. Das türkische Außenministerium erklärte am Freitagabend, Trumps Vorstoß missachte die Regeln der Welthandelsorganisation (WTO). Die Türkei werde darauf die "erforderliche Antwort" geben. Einziges Ergebnis des auf Ankara ausgeübten Drucks werde die Schädigung der beiderseitigen Beziehungen zwischen Verbündeten sein. 

Die von Trump im Kurznachrichtendienst Twitter gemachten Äußerungen seien mit "staatlicher Seriosität" nicht zu vereinen, hieß es in der Erklärung weiter. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor in einem Tweet unter Verweis auf die schlechten Beziehungen zur Türkei eine Verdopplung der Zölle auf Stahl und Aluminium angekündigt. Hintergrund für den Schritt, der die türkische Lira am Freitag auf ein Rekordtief abstürzen ließ, ist der Streit um den in der Türkei inhaftierten US-Pastor Andrew Brunson.

"Ich habe gerade die Verdopplung der Zölle auf Stahl und Aluminium aus der Türkei genehmigt", schrieb Trump auf Twitter. "Unsere Beziehungen mit der Türkei sind derzeit nicht gut!" Das Weiße Haus teilte allerdings später mit, Trump habe nur Vorbereitungen für die Verhängung der Strafzölle angeordnet. Bis diese tatsächlich wirksam werden, dürfte es daher noch etwas dauern. 

Die türkische Währungskrise zog wegen der Sorgen um mögliche Auswirkungen besonders auf den Finanzsektor auch international die Börsen ins Minus. Der deutsche Leitindex Dax verlor in Frankfurt fast 1,94 Prozent. Die Aktien der Deutschen Bank sackten sogar um 4,56 Prozent ab, die der Commerzbank um 3,88 Prozent. Auch der Euro gab im Vergleich zum Dollar nach.

Angesichts des Streits um Brunson war die türkische Lira bereits in den vergangenen Tagen dramatisch eingebrochen, doch trieben die neuen Strafzölle die Währung nun weiter in den Abgrund. Nach Trumps Tweet erreichte die Lira 6,62 zum Dollar - das war ein Verlust von 19 Prozent an einem Tag. Später stieg der Lira-Kurs wieder leicht an. Befeuert wird der Absturz aber auch durch die Untätigkeit der türkischen Zentralbank und den mangelnden Willen der Regierung zur Korrektur ihres wirtschaftspolitischen Kurses.

Bei einer Kundgebung in Bayburt rief Präsident Erdogan zum "nationalen Kampf" gegen den "Wirtschaftskrieg" auf. Zudem appellierte er an die Türken, ihre ausländischen Devisen in Lira umzutauschen, um ihren Kurs zu stützen: "Wenn Ihr Dollar, Euro oder Gold unter dem Kopfkissen habt, geht zur Bank und tauscht es in türkische Lira. Dies ist ein nationaler Kampf."

Noch während Erdogan in Bayburt sprach, sackte die Lira weiter ab. Der Präsident, der wiederholt eine ausländische Verschwörung gegen die Türkei beklagt hatte, machte in der osttürkischen Stadt eine "Zinslobby" für den Verfall der türkischen Währung verantwortlich. Am Vorabend hatte er gesagt: "Sie mögen ihre Dollar haben, doch wir haben unser Volk, unser Recht und unseren Gott."

Die Äußerungen Erdogans verstärkten den Eindruck, dass der Präsident weiter nicht gewillt ist, gegen den Verfall der Lira einzuschreiten. Ökonomen dringen auf eine Anhebung der Leitzinsen, doch Erdogan ist ein erklärter Gegner hoher Zinsen. Die Zentralbank ist zwar nominell unabhängig, steht jedoch massiv unter Druck der Regierung.

Die "Financial Times" berichtete unterdessen, die Europäische Zentralbank (EZB) prüfe die Auswirkungen der Währungskrise auf Banken wie die spanische BBVA, die italienische UniCredit und die französische BNP Paribas. Diese besitzen hohe Anteile an türkischen Banken.

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Die News US-Präsident heizt türkische Währungskrise mit neuen Strafzöllen weiter an wurde von AFP am 10.08.2018 in der Kategorie Wirtschaft mit den Stichwörtern Türkei, USA, Währungen, Diplomatie, Krisen, Sanktionen abgelegt.

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