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UN-Sicherheitsrat fordert glaubhafte Untersuchung nach Angriff auf Bus im Jemen

  • 10. August 2018, 20:35 Uhr
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Ein verletztes Kind wartet in Saada auf seine Behandlung
Bild: AFP

Nach dem tödlichen Luftangriff auf einen Bus mit Kindern im Jemen hat der UN-Sicherheitsrat eine glaubhafte und transparente Untersuchung verlangt. Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition hatte eine eigene Untersuchung angekündigt.

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Nach dem tödlichen Luftangriff auf einen Bus mit Kindern im Jemen hat der UN-Sicherheitsrat eine glaubhafte und transparente Untersuchung verlangt. Sollte es eine nicht glaubhafte Untersuchung geben, werde der Sicherheitsrat dies selbstverständlich überprüfen, sagte die britische UN-Botschafterin Karen Pierce am Freitag nach Beratungen in New York. Zuvor hatten auch UN-Generalsekretär Antonio Guterres und die Bundesregierung eine unabhängige Untersuchung gefordert. Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition kündigte eine eigene Untersuchung an.

Bei dem Angriff auf einen Schulbus auf einem Markt in Dahjan in der Provinz Saada im Nordjemen waren am Donnerstag nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) mindestens 29 Kinder getötet worden. Unter den 48 Verletzten waren demnach ebenfalls 30 Kinder.

Die Verantwortung für den Angriff übernahm bereits am Donnerstag die Militärkoalition, die im Jemen gegen die Huthi-Rebellen kämpft. Ihren Angaben zufolge richtete sich der "legitime" Militäreinsatz aber gegen einen Bus mit "Huthi-Kämpfern". Am Freitag kündigte die Koalition eine Untersuchung zu dem Einsatz und den möglichen "Kollateralschäden" an.

Guterres forderte eine "unabhängige und schnelle Untersuchung". Alle Seiten müssten "darauf achten, Zivilisten und zivile Ziele bei militärischen Einsätzen zu verschonen". Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte, der Tod so vieler Kinder und die Trauer und das Leid ihrer Familien seien "zutiefst bedrückend". Der Angriff auf den Bus und alle Hinweise auf Menschen- und Völkerrechtsverletzungen im Jemen müssten "lückenlos und unabhängig untersucht werden".

Auch die USA zeigten sich "sehr besorgt", wie eine Sprecherin des Außenministeriums in Washington erklärte. Die Militärkoalition müsse eine "gründliche und transparente Untersuchung" des Angriffs vornehmen.

Die stellvertretende UN-Botschafterin der Niederlande, Lise Gregoire-van Haaren, forderte eine "glaubwürdige und unabhängige Untersuchung". Der Sicherheitsrat beriet hinter verschlossenen Türen über den Luftangriff. Nach Angaben von Diplomaten wurde die Sitzung von Bolivien, den Niederlanden, Peru, Polen und Schweden beantragt, die nicht-ständige Mitglieder des Sicherheitsrats sind. 

Das Rote Kreuz warnte am Freitag, dass die Zahl der Toten und Verletzten noch steigen könnte. Die Lage sei unübersichtlich, weil die Opfer in verschiedene Krankenhäuser gebracht worden seien. Auch das UN-Kinderhilfswerk Unicef berichtete von "chaotischen Szenen" in den Krankenhäusern. Unicef-Mitarbeiter vor Ort erhielten demnach zunächst Bestätigungen für 21 getötete und 50 verletzte Kinder.

Der Gesundheitsminister der international nicht anerkannten Rebellenregierung der Huthis, Taha al-Mutauakel, sprach in Dahjan von 51 Toten, darunter 40 Kinder. Auch er warnte vor steigenden Opferzahlen. Zahlreiche Menschen würden noch vermisst oder hätten noch nicht identifiziert werden können. Wie ein Videoreporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete, lagen am Ort des Angriffs am Freitag noch sterbliche Überreste und persönliche Gegenstände der Opfer.

Im Jemen kämpfen die vom Iran unterstützten schiitischen Huthi-Rebellen seit 2014 gegen die Truppen von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi. Die vom sunnitischen Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition unterstützt seit März 2015 Hadis Truppen. Seitdem wurden in dem Konflikt fast 10.000 Menschen getötet.

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Die News UN-Sicherheitsrat fordert glaubhafte Untersuchung nach Angriff auf Bus im Jemen wurde von AFP am 10.08.2018 in der Kategorie Brennpunkte mit den Stichwörtern Jemen, Saudi, Arabien, UNO, USA, Konflikte abgelegt.

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