Brennpunkte

Waffenruhe zwischen Israel und Hamas hält vorerst

  • 10. August 2018, 14:23 Uhr
Bild vergrößern: Waffenruhe zwischen Israel und Hamas hält vorerst
Israelischer Luftangriff auf Gaza-Stadt
Bild: AFP

Zwischen Israel und der Hamas schweigen seit Freitag die Waffen. Aus palästinensischen Kreisen verlautete, dass eine Vereinbarung über ein Ende des Raketenbeschusses auf Israel und der israelischen Luftangriffe getroffen worden sei.

Anzeige

Zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas schweigen seit Freitag die Waffen. Aus Kreisen palästinensischer Politiker verlautete, dass eine Vereinbarung über ein Ende des Raketenbeschusses auf Israel und der israelischen Luftangriffe getroffen worden sei. Offiziell bestätigte keine der Konfliktparteien eine Waffenruhe. In der Nacht gab es jedoch keine neuen Luftangriffe auf Ziele im Gazastreifen.

Noch am Donnerstag hatte die israelische Luftwaffe nach palästinensischem Raketenbeschuss Angriffe gegen den Gazastreifen geflogen. Dabei wurden nach Behördenangaben drei Palästinenser getötet und mindestens 18 weitere verletzt. Auf israelischer Seite gab es bis zu sieben Verletzte.

Am Abend attackierte die israelische Luftwaffe dann ein Kulturzentrum in Gaza-Stadt, in dem sich nach Angaben desselben auch Büros der ägyptischen Gemeinde in Gaza befanden. Der israelischen Armee zufolge benutzten Sicherheitskräfte der im Gazastreifen herrschenden Hamas das fünfstöckige Gebäude "zu militärischen Zwecken".

Zuvor war eine Rakete aus dem Gazastreifen auf israelischem Gebiet bei der südlichen Stadt Beerscheba eingeschlagen. Verletzte oder Schäden gab es dabei nicht. Es war das erste Mal seit dem Gazakrieg von 2014, dass ein Geschoss aus dem Palästinensergebiet so tief ins Landesinnere vordrang. Beerscheba ist etwa 40 Kilometer vom Gazastreifen entfernt.

Noch während der Gewalteskalation liefen indirekte Gespräche Israels mit der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas über einen möglichen Waffenstillstand unter Vermittlung Ägyptens und der UNO. Sollte tatsächlich eine Waffenruhe vereinbart worden sein, wäre es die dritte binnen eines Monats. 

Zwischen Mittwochabend und Donnerstagmittag waren nach israelischen Angaben mehr als 180 Raketen und Granaten aus dem Gazastreifen auf den Süden Israels abgefeuert worden. Die israelische Armee sprach von sieben verletzten Zivilisten. Zahlreiche Bewohner der Region brachten sich in Schutzräumen in Sicherheit. Die meisten Geschosse landeten auf unbewohntem Gebiet oder wurden abgefangen. Die Stadt Sderot wurde von mindestens zwei Geschossen getroffen.

Nach Angaben der Rettungskräfte wurden mindestens vier Menschen mit Verletzungen in Krankenhäuser eingeliefert, darunter eine am Donnerstag in der Region Eschkol schwerverletzte 30-jährige Thailänderin. 

Israel reagierte nach Armeeangaben mit Luftangriffen auf 150 militärische Ziele der Hamas. Nach palästinensischen Angaben wurden dabei ein Mitglied des bewaffneten Arms der Hamas sowie eine 23-jährige Schwangere und ihre 18 Monate alte Tochter getötet - der Familienvater wurde bei dem Angriff in Dschafarawi im Zentrum des Gazastreifens verletzt.

Zu den Angriffen auf Israel bekannte sich der bewaffnete Arm der Hamas. Die Palästinenserorganisation hatte nach der Tötung zweier ihrer Mitglieder durch die israelische Armee am Dienstag mit Vergeltung gedroht.

Der Tötung der Hamas-Mitglieder war ein Beschuss israelischer Soldaten an der Grenze zum Gazastreifen vorausgegangen. Israelischen Medienberichten zufolge räumte die Armee aber später ein, dass der Angriff auf die Hamas erfolgt sei, nachdem die Armee "fälschlicherweise" angenommen habe, dass die Schüsse auf die Soldaten von dieser Stellung aus erfolgt seien.

Der UN-Nahostgesandte Nickolai Mladenow zeigte sich "alarmiert" über die jüngste Gewalteskalation und rief alle Seiten zur Zurückhaltung auf. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas forderte die internationale Gemeinschaft zu einem "sofortigen" Eingreifen auf.

Bei einem Treffen des israelischen Sicherheitskabinetts am Donnerstag sei Verteidigungsminister Avigdor Lieberman als einziger für eine "groß angelegte Operation" der israelischen Streitkräfte im Gazastreifen eingetreten, berichtete die Zeitung "Maariv". Die Hamas und Israel führten seit 2008 drei Kriege gegeneinander.

Die Lage im Nahen Osten ist seit Monaten gespannt. Seit Ende März gibt es an der Grenze des Gazastreifens zu Israel immer wieder gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und der israelischen Armee. Mindestens 165 Palästinenser und ein israelischer Soldat wurden seitdem getötet. Für Freitagabend waren neue Palästinenserproteste an der Grenze geplant.  

ANZEIGE

Die News Waffenruhe zwischen Israel und Hamas hält vorerst wurde von AFP am 10.08.2018 in der Kategorie Brennpunkte mit den Stichwörtern Nahost, Israel, Palästinenser, Konflikte abgelegt.

Weitere Meldungen

46 Afghanen mit neuerlichem Sammelflug abgeschoben - 25 davon kamen aus Bayern

Im Zuge einer erneuten Sammelabschiebung sind in der Nacht zu Mittwoch 46 abgelehnte Asylbewerber nach Afghanistan zurückgeführt worden - mehr als die Hälfte davon aus Bayern.

Mehr
UN-Flüchtlingskommissar: Keine Flüchtlingskrise mehr in Deutschland

Berlin - Filippo Grandi, Hochkommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge, sieht in Anbetracht der sinkenden Zahl von neu ankommenden Schutzsuchenden keine Flüchtlingskrise

Mehr
Israel öffnet Grenzübergang zu Gazastreifen nach fünfwöchiger Sperrung

Nach fünfwöchiger Sperrung hat Israel seinen einzigen Grenzübergang zum Gazastreifen für den Warenverkehr wieder vollständig geöffnet. Ein Konvoi aus dutzenden Lastwagen passierte

Mehr

Top Meldungen

Zahl der neuen Ausbildungsverträge gestiegen

Wiesbaden - Im Jahr 2017 haben insgesamt 515.700 Jugendliche einen neuen Ausbildungsvertrag abgeschlossen: Das waren 5.700 oder 1,1 Prozent mehr als im Vorjahr, teilte das

Mehr
Fluggastrechteportal verklagt Ryanair wegen Streiks

Frankfurt/Main - Das deutsche Fluggastrechteportal Flightright hat am Dienstag vor dem Landgericht Frankfurt am Main Klage gegen die irische Billigfluggesellschaft Ryanair

Mehr
Bauexperte: Deutschlands Brücken verrotten gefährlich

Berlin - Nach der Katastrophe in Genua werden auch in Deutschland Zweifel an der Stabilität von Autobahnbrücken laut. "Unsere Brücken verrotten gefährlich, ein Einsturzrisiko

Mehr