Wirtschaft

Spekulationen über Zerschlagung von Thyssenkrupp nach Rücktritt von Aufsichtsratschef

  • 17. Juli 2018, 16:35 Uhr
Bild vergrößern: Spekulationen über Zerschlagung von Thyssenkrupp nach Rücktritt von Aufsichtsratschef
Aufsichtsratschef Ulrich Lehner zieht sich zurück
Bild: AFP

Der Rücktritt des Aufsichtsratschefs von Thyssenkrupp hat Spekulationen über eine Zerschlagung des Traditionskonzerns angefacht. Eine Aufspaltung des Konzerns werde durch Ulrich Lehners Rückzug zunehmend wahrscheinlich, schrieben Analysten.

Anzeige

Der Rücktritt des Aufsichtsratschefs von Thyssenkrupp hat Spekulationen über eine Zerschlagung des Traditionskonzerns angefacht. Eine Aufspaltung des Konzerns werde durch Ulrich Lehners Rückzug zunehmend wahrscheinlich, schrieben etwa Analysten der US-Investmentbank Jefferies am Dienstag. Aktionäre könnten das Machtvakuum im Aufsichtsrat nutzen, um eine aggressive Restrukturierung des Unternehmens voranzutreiben. 

Lehner hatte genau vor so einem Schritt gewarnt. Der Aufsichtsratschef hatte den Vorstand am Montagabend informiert, dass er zum Ende des Monats sein Mandat niederlegt und aus dem Aufsichtsrat ausscheidet. Am Dienstag stieg der Aktienkurs von Thyssenkrupp daraufhin um mehr als neun Prozent.

Lehner begründete seinen Schritt damit, dass das Vertrauen großer Aktionäre und ein gemeinsames Verständnis im Aufsichtsrat nicht mehr gegeben seien. Sein Rücktritt erfolge deshalb "bewusst, um eine grundsätzliche Diskussion bei unseren Aktionären über die Zukunft von Thyssenkrupp zu ermöglichen", erklärte Lehner. Er wolle das notwendige Bewusstsein bei allen Beteiligten schaffen, "dass eine Zerschlagung des Unternehmens und der damit verbundene Verlust von vielen Arbeitsplätzen keine Option darstellt - weder im Sinne des Stifters noch im Sinne unseres Landes."

Die Jefferies-Analysten sehen darin Anzeichen, dass die Großinvestoren Cevian (18 Prozent Aktienanteil) und Elliott sich mit ihrer Forderung nach einer Zerschlagung des Traditionsunternehmens durchsetzen könnten. Der größte Aktionär, die Krupp-Stiftung (22 Prozent) habe sich in letzter Zeit dazu sehr leise verhalten. So könnte laut den Analysten etwa nach dem Zusammenschluss der Stahlsparte mit Tata Steel aus Indien auch die wichtige Aufzugsparte vor der Ausgliederung stehen.

Dagegen hatten sich bislang Lehner und auch der ehemalige Vorstandsvorsitzende Heinrich Hiesinger gestemmt. Dieser war aber bereits Anfang Juli mit sofortiger Wirkung zurückgetreten.

Die IG Metall in Nordrhein-Westfalen reagierte mit Bedauern auf den Rückzug von Aufsichtsratschef Lehner. Lehner habe für den Kurs gestanden, "den wir unterstützen", sagte NRW-Bezirksleiter Knut Giesler der "Rheinischen Post" vom Dienstag. Der Konzern komme nicht zur Ruhe, kritisierte Giesler. "Das muss jetzt der allerletzte Weckruf dafür sein, dass sich alle Beteiligten disziplinieren", sagte der NRW-Bezirksleiter der Zeitung. "Es geht immerhin um 39.000 Beschäftigte in NRW". 

Auch der neue Unternehmenschef Guido Kerkhoff, der erst Ende vergangener Woche zum Nachfolger Hiesingers ernannt worden war, bedauerte Lehners Rückzug am Montag. Der Aufsichtsratschef habe mit "seiner ruhigen und verlässlichen" Führung immer den Ausgleich zwischen Aktionärs- und Arbeitnehmerinteressen gefunden, erklärte er. 

Mittelstandspräsident Mario Ohoven forderte, ein Traditionsunternehmen wie Thyssenkrupp dürfe "nicht auf dem Altar kurzfristiger Renditeerwartungen von Hedgefonds geopfert" werden. "Eine Zerschlagung wäre nicht nur ein Imageschaden für unser Land, sondern hätte auch erhebliche negative Auswirkungen auf den Mittelstand", erklärte er. Der Konzern sei mit seinen 18.000 Zulieferern ein wichtiger Auftraggeber.

ANZEIGE

Die News Spekulationen über Zerschlagung von Thyssenkrupp nach Rücktritt von Aufsichtsratschef wurde von AFP am 17.07.2018 in der Kategorie Wirtschaft mit den Stichwörtern D, Unternehmen, Stahl abgelegt.

Weitere Meldungen

Pepsi schluckt Sodastream

Der US-Getränkehersteller Pepsico will das israelische Unternehmen Sodastream übernehmen. Der Kaufpreis werde bei 3,2 Milliarden Dollar (2,8 Milliarden Euro) liegen, 144 Euro pro

Mehr
Umfrage: US-Ökonomen sehen Gefahr von Strafzöllen für heimische Wirtschaft

Die von der US-Regierung verfolgte Politik der Strafzölle schadet nach Einschätzung von US-Ökonomen erheblich der heimischen Wirtschaft. Mehr als 90 Prozent der Befragten seien

Mehr
BDI: Griechenland wieder attraktiv für deutsche Firmen

Griechenland wird nach Einschätzung der deutschen Industrie wieder an Attraktivität für deutsche Unternehmen gewinnen. "Das gute Ende der europäischen Hilfsprogramme ist ein

Mehr

Top Meldungen

Griechenland-Rettung: Ex-EZB-Chefvolkswirt zieht gemischte Bilanz

Frankfurt/Main - Der ehemalige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Jürgen Stark, hat nach dem Ende des Hilfsprogramms für Griechenland eine gemischte Bilanz gezogen. Er

Mehr
Erzeugerpreise im Juli gestiegen

Wiesbaden - Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte sind im Juli 2018 gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,0 Prozent gestiegen. Gegenüber dem Vormonat stiegen sie um 0,2 Prozent,

Mehr
DIW-Chef Fratzscher: In Griechenland bleibt noch viel zu tun

Berlin - Auch nach dem Ende der internationalen Hilfeprogramme gibt es in Griechenland nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) noch viel zu tun.

Mehr