Brennpunkte

Flüchtlinge erhalten Erlaubnis zum Verlassen der "Dicotti"

  • 13. Juli 2018, 03:15 Uhr
Bild vergrößern: Flüchtlinge erhalten Erlaubnis zum Verlassen der Dicotti
Die "Diciotti" läuft in den Hafen von Trapani ein
Bild: AFP

Die 67 Flüchtlinge, die im Mittelmeer von der italienischen Küstenwache aufgegriffen wurden, haben das Schiff nach Angaben italienischer Medien verlassen. Zuvor war ihnen untersagt worden, von Bord zu gehen.

Anzeige

Die 67 Flüchtlinge, die im Mittelmeer von der italienischen Küstenwache aufgegriffen wurden, haben das Schiff nach Angaben italienischer Medien verlassen. Fernsehbilder zeigten, wie die Migranten am Donnerstag kurz vor Mitternacht von Bord gingen und in einen schwarzen Bus stiegen, der von Polizeifahrzeugen begleitet wurde. Zuvor hatte Italiens Regierungschef Giuseppe Conte am Donnerstagabend in einer Mitteilung angekündigt, die Migranten dürften die "Diciotti" verlassen, sobald ihre Personalien festgestellt worden seien. 

Das Schiff hatte am Nachmittag im Hafen der sizilianischen Stadt Trapani angelegt. Den Migranten war jedoch untersagt worden, von Bord zu gehen. "Ich erlaube niemandem, die 'Diciotti' zu verlassen", hatte Italiens Innenminister Matteo Salvini am Rande des EU-Innenministertreffens in Innsbruck gesagt. "Wenn es jemand macht, dann auf eigene Verantwortung."  

Nach Medienangaben intervenierte am Donnerstagnachmittag der italienische Präsident Sergio Mattarella mit einem Appell an Conte, um die Situation aufzulösen. Zudem berichteten italienische Medien, dass die Polizei zwei Menschen an Bord als Schlepper identifiziert habe. Die Staatsanwaltschaft von Trapani habe daraufhin verlangt, alle Passagiere als Zeugen zu hören. 

Salvini hatte der "Diciotti" am Mittwoch zunächst das Anlegen in einem italienischen Hafen verweigert. An Bord befanden sich 58 Männer, drei Frauen und sechs Kinder. Sie waren zunächst vom italienischen Schiff "Vos Thalassa" vor der libyschen Küste an Bord genommen worden. Einige der Flüchtlinge sollen jedoch auf der "Vos Thalassa" gegen die Besatzung vorgegangen sein. Medienberichten zufolge schlossen sich die Besatzungsmitglieder daraufhin im Kommandoraum ein und verständigten die Rettungszentrale in Rom. 

Salvini hatte am Mittwoch von "Verbrechern" und "gewalttätigen Piraten" gesprochen, die "in Handschellen" von Bord geholt werden sollten. Am Donnerstag drohte der italienische Innenminister den Flüchtlingen erneut: "Wenn es Gewalt (an Bord der 'Vos Thalassa') gab, werden die Verantwortlichen ins Gefängnis gehen, und wenn es nicht so war, dann hat jemand gelogen und wird die Konsequenzen tragen." 

Der Vize-Ministerpräsident und Vorsitzende der fremdenfeindlichen Partei Lega will die Zahl der in Italien ankommenden Flüchtlinge auf Null senken. Im Juni hatte er entschieden, dass Schiffe von Hilfsorganisationen mit Flüchtlingen an Bord nicht mehr in italienischen Häfen anlegen dürfen. Dieses Verbot will Salvini auch auf die Schiffe offizieller internationaler Missionen im Mittelmeer ausweiten. Er will damit den Druck auf die anderen EU-Staaten erhöhen, selbst Flüchtlinge aufzunehmen. 

Italien ist das Hauptankunftsland für Flüchtlinge, die von Afrika aus über das Mittelmeer in die EU gelangen. Die komplette Abschottung des Landes ist allerdings innerhalb der italienischen Regierungskoaltion umstritten: Der linke Flügel der mitregierenden Fünf-Sterne-Partei (M5S) von Luigi Di Maio lehnt die Schließung der Häfen für Schiffe mit Flüchtlingen ab, vor allem, wenn sie unter italienischer Flagge fahren. 

ANZEIGE

Die News Flüchtlinge erhalten Erlaubnis zum Verlassen der "Dicotti" wurde von AFP am 13.07.2018 in der Kategorie Brennpunkte mit den Stichwörtern Italien, Flüchtlinge abgelegt.

Weitere Meldungen

US-Vizejustizminister: Keine Basis für Absetzung Trumps auf Kabinettsinitiative

US-Vizejustizminister Rod Rosenstein hat einen Zeitungsbericht dementiert, wonach er im vergangenen Jahr die mögliche Absetzung von Präsident Donald Trump ins Spiel gebracht haben

Mehr
Ermittlungsverfahren gegen Polizeichefs in Rumänien nach Gewalt bei Protesten

Wegen des gewaltsamen Vorgehens von Sicherheitskräften bei einer Großdemonstration im August hat die rumänische Staatsanwaltschaft Ermittlungsverfahren gegen ranghohe

Mehr
Nashorn-Wilderei in Südafrika um ein Viertel zurückgegangen

Südafrika meldet Erfolge im Kampf gegen die Nashorn-Wilderei. Die Zahl der illegal getöteten Nashörner ging in den ersten acht Monaten dieses Jahres um ein Viertel im Vergleich

Mehr

Top Meldungen

Südafrikas Präsident Ramaphosa kündigt Konjunkturprogramm an

Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa hat ein Maßnahmenpaket zur Ankurbelung der Konjunktur angekündigt. Der am Freitag vorgestellte Plan zielt darauf, mehr Investoren ins Land zu

Mehr
Ukraine verliert Milliarden wegen Steuertrickserei

Kiew - Der Ukraine entgehen wegen dubioser Steuersparmodelle im Jahr Einnahmen in Höhe von bis zu 750 Millionen Euro. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die die Fraktion der

Mehr
Blackrock-Chef verteidigt Quartalsberichte

New York - In der Diskussion über eine mögliche Abschaffung von Quartalsberichten börsennotierter Unternehmen hat sich der Chef der Fondsgesellschaft Blackrock zu Wort gemeldet.

Mehr