Brennpunkte

Syrische Regierungstruppen marschieren in Rebellenviertel der Stadt Daraa ein

  • 12. Juli 2018, 18:59 Uhr
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Flüchtlinge zurück in ihrer Heimatprovinz Daraa
Bild: AFP

Syrische Regierungstruppen sind am Donnerstag staatlichen Medienberichten zufolge in die bislang von bewaffneten Kämpfern kontrollierten Viertel der Provinzhauptstadt Daraa im Süden des Landes einmarschiert. Soldaten hissten die syrische Fahne, wie die Nachrichtenagentur Sana meldete. 

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Syrische Regierungstruppen sind staatlichen Medienberichten zufolge am Donnerstag in die bislang von bewaffneten Kämpfern kontrollierten Viertel der Provinzhauptstadt Daraa im Süden des Landes einmarschiert. Soldaten hissten die syrische Fahne über dem Hauptplatz der Stadt, wie die  Nachrichtenagentur Sana meldete. 

Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP sah in einem der südlichen Rebellenviertel einen Konvoi russischer Militärpolizisten und syrischer Offiziere auf dem Weg zu der Fahnenzeremonie auf dem Hauptplatz. Im Gegensatz zum Süden war der Norden der Stadt in der Hand von Regierungskräften.

Die Rückeroberung der Stadt und der Provinz Daraa wäre für die syrische Regierung ein wichtiger, auch symbolisch bedeutsamer Sieg. Dort hatten im März 2011 die Proteste gegen Staatschef Baschar al-Assad begonnen. Sie weiteten sich zu einem landesweiten Konflikt aus, in dessen Verlauf bereits mehr als 350.000 Menschen getötet wurden. Millionen Menschen ergriffen vor den Kämpfen die Flucht.  

Am vergangenen Freitag hatten Regierung und Rebellen nach Verhandlungen unter russischer Vermittlung für die Provinz Daraa eine Waffenruhe mit sofortiger Wirkung vereinbart. Die Aufständischen müssen demnach ihre Waffen abgeben, ihre Kämpfer abziehen und die Kontrolle der Grenze zu Jordanien der Regierung überlassen. Ausgeschlossen von der Vereinbarung sind die Kämpfer der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS), die einen schmalen Gebietsstreifen an der Grenze zu Jordanien und den von Israel annektierten Golanhöhen kontrollieren.

Für die Stadt Daraa vereinbarten Rebellen und Regierung am Mittwoch, dass die zu einer "Versöhnung" bereiten Aufständischen ihre schweren Waffen abgeben und dann in der Stadt bleiben können. Die anderen sollten sich in von Rebellen kontrollierte Gebiete im Norden Syriens begeben.

Die Einigung erfolgte nach dreiwöchigen Luftangriffen der vom russischen Militär unterstützten syrischen Armee. Die verheerenden Bombardements zwangen die Rebellen an den Verhandlungstisch.

Nach Angaben der den Rebellen nahe stehenden Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte befanden sich die Aufständischen am Nachmittag weiterhin in der Stadt Daraa. Das Hissen der Fahne sei eher "symbolisch", erklärte sie. Für Evakuierungen gab es demnach zunächst keine Anzeichen. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle beruft sich auf ein Netz von Aktivisten in Syrien. Ihre Angaben sind nur schwer zu überprüfen.

In der Nacht zum Donnerstag eroberten Kämpfer eines IS-Ablegers nach Angaben der Beobachtungsstelle ein östlich dieses Streifens gelegenes Dorf. Dieses war demnach das Ziel russischer und syrischer Luftangriffe und unterstand der Kontrolle von Rebellen, die der Vereinbarung mit der Regierung zugestimmt hatten. 

Die syrische Armee hat bereits den gesamten Osten der Provinz Daraa zurückerobert. Im Westen kontrolliert sie mittlerweile ebenfalls große Gebiete. Moskau hatte im September 2015 auf der Seite Assads in den bewaffneten Konflikt eingegriffen. Mit russischer Unterstützung drängten die syrischen Regierungstruppen seitdem die Rebellen an allen Fronten zurück. Heute kontrolliert die Regierung mehr als drei Fünftel des Staatsterritoriums.       

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