Finanzen

Finanzaufsicht Esma nimmt europäische Börsenbetreiber ins Visier

  • 12. Juli 2018, 08:28 Uhr
Bild vergrößern: Finanzaufsicht Esma nimmt europäische Börsenbetreiber ins Visier
Frankfurter Wertpapierbörse
dts

.

Anzeige

Paris - Ein Streit zwischen Börsen und Banken über Marktdaten hat die europäische Finanzaufsicht Esma auf den Plan gerufen. Die Esma habe in einem Fragebogen bei Marktteilnehmern Informationen über die Datenpreise eingeholt, sagte ein Sprecher der Behörde dem "Handelsblatt".

Abgabefrist war vergangenen Freitag. Im Rahmen der Erhebung soll laut Esma geprüft werden, ob sich die Börsenbetreiber bei der Preisgestaltung an die Vorgaben der europäischen Finanzmarktrichtlinie Mifid II halten. Das seit Anfang des Jahres geltende Regelwerk sieht vor, dass die Börsen ihre Daten "zu angemessenen wirtschaftlichen Konditionen" zur Verfügung stellen müssen. Die Esma werde die Antworten der Beteiligten nun auswerten und dann entscheiden, ob sie Maßnahmen ergreife, erklärte der Behördensprecher.

"Dieser Prozess wird einige Zeit dauern." Aus Brüssel droht den Börsenbetreibern ebenfalls Ungemach. "Die Esma steht in Kontakt mit der EU-Wettbewerbskommission, bei der auch Beschwerden eingegangen sind", erklärte der Esma-Sprecher. Die Kommission beobachte die Situation, habe jedoch noch kein formelles Verfahren eingeleitet.

Börsenbetreiber wie die Deutsche Börse, die Euronext oder die Bolsa de Madrid (BME) haben ihre Preise für bestimmte Marktdaten zum Jahreswechsel angehoben, zum Teil erheblich. Damit brachten sie viele Kunden gegen sich auf. Banken, Broker und Hochfrequenzhändler werfen den Börsenkonzernen vor, ihre monopolartige Stellung in einigen Marktbereichen auszunutzen. Die Deutsche Börse, die Euronext und die BME weisen die Kritik zurück. Die drei Börsenbetreiber betonten, ihr Datenangebot im Zuge der Mifid-II-Einführung ausgeweitet zu haben. Außerdem hätten sie nicht alle Datenpreise angehoben. "Gestiegen sind die Kosten vor allem für professionelle Nutzer, bei denen unsere Daten direkt in die Systeme einfließen, etwa bei Algo-Tradern oder bankeigenen Handelsplattformen", sagte Deutsche-Börse-Manager Hartmut Graf dem "Handelsblatt". Das Preismodell der Frankfurter für die automatisierte Datennutzung sei zehn Jahre alt gewesen. "Dort war eine Anpassung überfällig – auch vor dem Hintergrund, dass die automatisierte Nutzung von Daten stark zugenommen hat."

ANZEIGE

Die News Finanzaufsicht Esma nimmt europäische Börsenbetreiber ins Visier wurde von dts am 12.07.2018 in der Kategorie Finanzen mit den Stichwörtern Finanzen, EU, Unternehmen, Börse abgelegt.

Weitere Meldungen

Kritik am Finanzminister: Lieber bei Banken als im Bundestag

Berlin - Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) wird für seine Abwesenheit im Finanzausschuss des Bundestags kritisiert. Das Bundestagsgremium hat seit der Amtseinführung von

Mehr
Lebensversicherer müssen immer mehr Anleihen vorzeitig verkaufen

Berlin - Die Lebensversicherer müssen immer mehr Festzinspapiere vorzeitig verkaufen, um ihre Zinsversprechen für ihre Kunden zu erfüllen. Wie das Nachrichtenmagazin Focus

Mehr
Bundesrechnungshof für Abschaffung ermäßigter Mehrwertsteuersätze

Bonn - Der Präsident des Bundesrechnungshofes, Kay Scheller, hat die Bundesregierung aufgefordert, die ermäßigten Mehrwertsteuersätze zu überprüfen und regt ihre Abschaffung an.

Mehr

Top Meldungen

Giffey will weniger Gewinn für Pflegeheime

Berlin - Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hat die Betreiber von Altenpflegeheimen dazu aufgefordert, zugunsten einer besseren Betreuung auf Gewinn zu verzichten.

Mehr
Weidmann warnt Bundesregierung vor gestiegenen Konjunkturrisiken

Frankfurt/Main - Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat die Bundesregierung vor gestiegenen Konjunkturrisiken gewarnt. Das berichtet das "Handelsblatt" (Montagsausgabe) unter

Mehr
Post streitet mit Gewerkschaft über Stellenabbau

Bonn - Über den geplanten Stellenabbau bei der Deutschen Post ist ein Streit mit der Gewerkschaft ausgebrochen. Nach der Gewinnwarnung von Anfang Juni hatte der Konzern

Mehr