Wirtschaft

US-Richter lässt mehr als 400 Klagen gegen Monsanto wegen Glyphosat zu

  • 11. Juli 2018, 17:21 Uhr
Bild vergrößern: US-Richter lässt mehr als 400 Klagen gegen Monsanto wegen Glyphosat zu
Roundup enthält Glyphosat
Bild: AFP

Die juristischen Probleme der Bayer-Tochter Monsanto in den USA wegen des Unkrautvernichtungsmittels Roundup weiten sich aus. Ein Bundesrichter in San Francisco ließ mehr als 400 Klagen wegen möglicher krebsauslösender Wirkungen des glyphosathaltigen Mittels zu.

Anzeige

Die juristischen Probleme der Bayer-Tochter Monsanto in den USA wegen des Unkrautvernichtungsmittels Roundup weiten sich aus. Ein Bundesrichter in San Francisco ließ am Dienstag mehr als 400 Klagen wegen möglicher krebsauslösender Wirkungen des glyphosathaltigen Mittels zu. In einem Fall eines Krebskranken hatte der Prozess gegen Monsanto bereits kürzlich begonnen. 

Tausende Krebskranke in den USA machen den Pestizidhersteller für ihr Leiden verantwortlich. Die Landwirte, Gärtner und anderen Roundup-Nutzer beschuldigen das Unternehmen, krebsauslösende Wirkungen seines Produkts verschleiert zu haben. Monsanto, das seit Juni zu Bayer gehört, bestreitet einen Zusammenhang zwischen Glyphosat und Krebs. Das Unternehmen beruft sich dabei auf "mehr als 800 wissenschaftliche Studien".

In dem bereits laufenden Prozess in San Francisco um Roundup geht es um den Fall des früheren Schulhausmeisters Dewayne Johnson, der am Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) - einer Form von Lymphdrüsenkrebs - im Endstadium leidet. Es handelt sich um den ersten Prozess dieser Art. 

Parallel dazu befasste sich ein anderer Richter in der kalifornischen Metropole in den vergangenen Wochen mit einem Antrag von Monsanto, mehr als 400 weitere Klagen wegen NHL-Erkrankungen abzuweisen und damit Prozesse zu verhindern. Der Richter schmetterte diesen Antrag des Unternehmens nun ab.

Richter Vince Chhabria befand zwar, die Beweislage erscheine in ihrer Gesamtheit als "zu mehrdeutig", um den klaren Schluss zu erlauben, dass Glyphosat ein Auslöser von NHL sei. Dennoch sei es möglich, dass die Geschworenen in einem Prozess zu dem Schluss gelangten, dass ein Zusammenhang zwischen der jeweiligen Krebserkrankung und dem Mittel ausreichend nachgewiesen sei.

Chhabria nannte es eine "gewaltige Herausforderung" für die Kläger, diesen Nachweis zu führen. Dass die von ihnen präsentierten Beweismaterialien "unsicher" seien, reicht nach seinen Worten jedoch nicht als Begründung aus, um ihnen einen Prozess zu verwehren. 

Am Tag vor Chhabrias Beschluss hatten im Prozess um die Klage des tödlich krebskranken Ex-Hausmeisters Johnson die Eröffnungsplädoyers begonnen. Das Urteil wird noch in diesem Sommer erwartet - auf die anderen anhängigen Klagen zu Roundup könnte es weitreichende Auswirkungen haben.

Der 46-jährige Kläger hatte das Herbizid in großen Mengen angewendet. Verteidiger Brent Wisner sagte, sein Mandant sei nicht vor den Gefahren von Roundup gewarnt worden: "Ihm wurde gesagt, man könne es trinken, dass es vollkommen ungiftig sei."

Gegen Monsanto sind vor US-Gerichten insgesamt tausende Klagen wegen Krebserkrankungen anhängig. Ob Glyphosat tatsächlich Krebs verursachen kann, ist unter Experten allerdings hochumstritten. Die US-Umweltbehörde EPA und auch die Aufsichtsbehörden in der EU und Deutschland gelangten zu dem Schluss, dass keine Krebsgefahr von dem Herbizid ausgeht. 

Dagegen hatte die zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehörende Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) vor drei Jahren konstatiert, dass Glyphosat "wahrscheinlich krebserregend bei Menschen" sei.

ANZEIGE

Die News US-Richter lässt mehr als 400 Klagen gegen Monsanto wegen Glyphosat zu wurde von AFP am 11.07.2018 in der Kategorie Wirtschaft mit den Stichwörtern D, USA, Agrar, Gesundheit, Justiz, Unternehmen abgelegt.

Weitere Meldungen

VDV kritisiert Pläne für Gratis-ÖPNV

Berlin - Der Präsident des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), Jürgen Fenske, hat die Pläne in mehreren Kommunen, öffentliche Busse und Bahnen für Fahrgäste zum

Mehr
Tarifeinigung in der Chemie: Mehr Geld für 600.000 Beschäftigte

Mehr Lohn und ein "Quantensprung" beim Urlaubsgeld für die knapp 600.000 Beschäftigten in der chemischen Industrie: Die Gewerkschaft IG BCE und der Arbeitgeberverband BAVC

Mehr
Arbeitsagentur-Prognose: Arbeitslosigkeit sinkt auch nächstes Jahr weiter

Die Arbeitslosigkeit wird nächstes Jahr schwächer sinken als bisher. Voraussichtlich werde es im Jahresschnitt 2,23 Millionen Personen ohne Job geben, wie aus einer am Donnerstag

Mehr

Top Meldungen

Altmaier: Werden Hälfte des Kohlestroms in den nächsten zwölf Jahren vom Netz nehmen

In Deutschland soll bis 2030 nur noch die Hälfte des derzeitigen Kohlestroms durch die Netze fließen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte am Donnerstag im Sender

Mehr
BMW und Daimler: Gemeinsam in die Zukunft


Auf dem hartumkämpften Automarkt sind BMW und Daimler Erzrivalen. Doch die beiden Konzerne haben es mit ihren Fahrzeugen auch zu Weltruhm geschafft und dem Gütesiegel

Mehr
Für elf Millionen Autobesitzer ändert sich die Typklasse

Die meisten Autos auf deutschen Straßen bleiben auch im kommenden Jahr in ihrer derzeit aktuellen Typklasse für die Kfz-Haftpflichtversicherung. Für rund 29,5 Millionen

Mehr