Finanzen

Generali will sich von vier Millionen Lebensversicherungsverträgen trennen

  • 5. Juli 2018, 14:43 Uhr
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Generali trennt sich von Lebensversicherungsverträgen
Bild: AFP

Der sogenannte Run-off in der Versicherungsbranche schreitet voran: Die Generali verkauft rund vier Millionen Lebensversicherungsverträge an einen Abwickler, mit deren Hilfe Versicherungskonzerne teure Altverträge mit hohen Zinsen für die Kunden aus den Büchern bekommen wollen.

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Der sogenannte Run-off in der Versicherungsbranche schreitet voran: Die Generali verkauft rund vier Millionen Lebensversicherungsverträge an einen spezialisierten Abwickler. Die Finanzaufsichtsbehörde Bafin kündigte an, den Verkauf genau zu prüfen - kein Versicherungsnehmer dürfe schlechter gestellt werden. Sei dies nicht gewährleistet, könne die Bafin den geplanten Kauf untersagen. 

Der italienische Generali-Konzern teilte mit, dass er knapp 90 Prozent an seiner stillgelegten deutschen Tochter Generali Leben an den Abwickler Viridium verkaufen will. Generali erwartet durch die Transaktion Einnahmen von bis zu 1,9 Milliarden Euro. Zudem werde die Anfälligkeit der Gruppe für Zinsrisiken abgeschwächt, erklärte das Unternehmen. Mit Viridium sei "das nachhaltige Management der Bestände der Generali Leben vereinbart" worden.

Die in Neu-Isenburg ansässige Viridium-Gruppe ist nach eigenen Angaben "führender Spezialist für das effiziente Management von Lebensversicherungsbeständen". Solche Abwicklungsfirmen führen Verträge von Versicherungskonzernen weiter, die derzeit ebenso wie zahlreiche Sparer unter der anhaltenden Niedrigzinsphase leiden und sich mit einem solchen externen Run-off teurer Altlasten entledigen können. Da nach der Auslagerung keine neuen Verträge hinzukommen, reduziert sich der Bestand der Lebensversicherungen nach und nach und läuft schließlich aus. Verbraucherschützer warnen allerdings vor einer möglichen Schlechterstellung der Versicherten. 

Viridium-Chef Heinz-Peter Roß sprach am Donnerstag von einem "starken Signal des Vertrauens" in die Gruppe. Er gehe davon aus, dass der Kaufvertrag zügig unterzeichnet werde. Voraussichtlich rund 300 Mitarbeiter, die momentan den Bestand der Generali Leben betreuen, sollten Teil der Viridium-Gruppe werden.

Nach Angaben des Unternehmens sollen alle vertraglichen Verpflichtungen gegenüber den Kunden "vollkommen unverändert" bleiben. Als Teil der Viridium-Gruppe profitierten die Versicherungsnehmer zudem von den Kostenvorteilen eines "maßgeblich auf Effizienz basierenden" Modells für das Bestandsmanagement, das auch zu einer höheren Überschussbeteiligung führe.

Der Finanzexperte der Grünen-Bundestagsfraktion, Gerhard Schick, kritisierte hingegen, der geplante Verkauf sei "kein Signal der Verlässlichkeit". Schließlich hätten sich Kunden beim Vertragsabschluss "ganz bewusst für einen Versicherer entschieden". 

Beim Schutz der Versicherten bestehe Nachbesserungsbedarf - "denn ein externer Run-off kann zum Nachteil des Kunden sein: Die langfristige Beteiligung an den Überschüssen kann sinken, die Kapitalausstattung auf Gruppenebene schlechter sein, aber auch die Qualität des Services kann leiden", erklärte Schick. In der Vergangenheit seien die Beschwerdezahlen "gerade bei vielen Run-off-Beständen vergleichsweise hoch" gewesen. Nun sei die Bafin gefordert, von ihren Befugnissen Gebrauch zu machen und ganz genau hinzusehen. 

Die Bonner Behörde erklärte, an den Verkauf eines Versicherungsunternehmens seien strenge gesetzliche Anforderungen geknüpft, um die Belange der Versicherungsnehmer zu wahren. Auch nach einem Verkauf unterliege das betroffene Versicherungsunternehmen ihrer vollständigen Aufsicht. Vertragliche Garantien blieben unverändert bestehen. Die Bafin habe "umfassende Möglichkeiten zur Informationsbeschaffung und zur Reaktion auf Missstände", stellte die Behörde klar. 

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