Finanzen

Was ist Factoring und wie können Unternehmen davon profitieren?

  • 28. Juni 2018
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Wenn Kunden und Geschäftspartner ihre gelieferten Produkte oder Dienstleistungen erst sehr spät bezahlen, schadet dies einem Unternehmen gleich in mehrfacher Hinsicht. Die Liquidität sinkt und gleichzeitig besteht das Risiko, dass die Forderung gar nicht beglichen wird – es droht ein Verdienstausfall. Ein anschließendes Mahnverfahren kann wiederum zu Rechtstreitigkeiten führen und ist für ein Unternehmen immer sehr aufwendig. Um dies zu vermeiden, können Firmen auf das sogenannte Factoring zurückgreifen.


Was versteht man unter dem Begriff Factoring?

Unter Factoring versteht man eine spezielle Form der Unternehmensfinanzierung. Dabei tritt ein Unternehmen (Kreditor) seine Forderungen regelmäßig an einen Factoring-Dienstleister (Factor) ab. Im Gegenzug erhält der Kreditor einen meist sehr hohen Anteil (80 % bis 100 %) seiner Forderung sofort vom Factor ausbezahlt. Der Factoring-Dienstleister prüft die Bonität des Kunden (Debitor) und macht bei ihm die Forderung geltend. Sobald der Kunde bezahlt hat, erhält der Kreditor seine Restzahlung abzüglich der Zinsen und Factoring-Gebühren.
Bei dieser Finanzdienstleistung übernimmt das Factoring-Unternehmen häufig auch die Debitorenbuchhaltung und das Mahnwesen. Beim echten Factoring geht das Risiko einer Zahlungsunfähigkeit des Kunden – das sogenannte Veritätsrisiko – ebenfalls an den Factoring-Dienstleister über. Beim unechten Factoring bleibt dieses Risiko beim Kreditor.

Ein Fallbeispiel soll diesen Ablauf verdeutlichen

Die Akteure:
- Reifenfirma Müller (Kreditor)
- Autohersteller Schmidt (Debitor)
- Factoring-Unternehmen Wilhelm (Factor)

Der Ablauf:
Die Reifenfirma Müller verkauft am 30. Mai an den Autohersteller Schmidt Reifen im Wert von 100.000 Euro. Das von der Reifenfirma Müller beauftragte Factoring-Unternehmen Wilhelm zahlt am 1. Juni 80.000 Euro (80 % des Rechnungsbetrags) an die Firma Müller. Im Gegenzug erhält das Factoring-Unternehmen Wilhelm die Forderungen an den Autohersteller Schmidt. Am 1. Juli (also 30 Tage später) zahlt der Autohersteller Schmidt die Rechnung von 100.000 Euro an das Factoring-Unternehmen Wilhelm, das nun die Factoring-Gebühr und die Zinsen für 30 Tage errechnet. Legen wir für das Fallbeispiel eine Factoring-Bearbeitungsgebühr von einem Prozent und einen Zinssatz von ca. fünf Prozent fest.

Zwischenrechnung:
Ein Prozent Factoring-Bearbeitungsgebühr von 100.000 Euro = 1.000 Euro
Fünf Prozent Zinsen (für 30 Tage) auf den geliehenen Betrag (der Vorschuss) von 80.000 Euro = gerundet 330 Euro.

Zusammenfassung:
Der Factoring-Dienstleister Wilhelm behält also 1.330 Euro und überweist die restlichen 18.670 (20.000 Euro - 1.330 Euro) an die Reifenfirma Müller.
Die Reifenfirma Müller bekommt also insgesamt 98.670 Euro des 100.000-Euro-Auftrags, hatte aber kein Veritätsrisiko und die Debitorenbuchhaltung wurde vom Factoring-Dienstleister Wilhelm übernommen.
Für den Autohersteller Schmidt macht diese Dienstleistung keinen Unterschied. Er bezahlt lediglich seine Rechnung von 100.000 Euro an das Factoring-Unternehmen Wilhelm und nicht an die Reifenfirma Müller.


Vorteile für Unternehmen durch das Factoring

Bei dieser Dienstleistung ergeben sich aus Sicht eines Unternehmens (Kreditor) folgende Vorteile:

  • Der Factoring-Dienstleister übernimmt häufig die Debitorenbuchhaltung und das Mahnwesen. Dadurch reduzieren sich der Organisationsaufwand und damit der Personalbedarfs eines Betriebs.
  • Durch das sogenannte Delkredere übernimmt der Factoring-Dienstleister die Garantie für die Zahlungsfähigkeit. Kann der Debitor nicht bezahlen, haftet das Factoring-Dienstleister dafür. Für das Unternehmen (Kreditor) sind dadurch Forderungsausfälle so gut wie ausgeschlossen.
  • Aufgrund der Vorfinanzierungleistung erhöht sich die Liquidität einer Firma. Dadurch steigt gleichzeitig der Eigenkapitalanteil. Diese beiden Faktoren wirken sich positiv auf die Bonität aus. So erhöht sich zudem die Chance, dass weitere Kredite bewilligt werden.

Was kostet ein Factoring-Dienstleister?

Bei den Konditionen dieser Dienstleistung gibt es große Unterschiede etwa beim Zinssatz und bei der umsatzabhängigen Bearbeitungsgebühr. Unternehmen sollten daher die Angebote verschiedener Factoring-Dienstleister miteinander vergleichen, um sich einen günstigen Tarif zu sichern. Je weniger Kunden ein Unternehmen hat und je größer der Gesamtumsatz, desto geringer wird die Bearbeitungsgebühr. Üblich sind Anteile von 0,25 Prozent bis 1 Prozent der Forderung. Die tagesgenau abgerechneten Zinssätze liegen zwischen vier und acht Prozent. Außerdem sollte man prüfen, welche Dienstleistungen im Angebot enthalten sind. Der Vorfinanzierungsanteil umfasst meist 80 % oder 90 % des Forderungsbetrags. Einige Factoring-Unternehmen bieten sogar an, die Forderung zu 100 % vorzufinanzieren. Ein Vergleich lohnt sich also.

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