Brennpunkte

Freigelassene Oppositionelle in Nicaragua beklagen Misshandlungen im Gefängnis

  • 23. Juni 2018, 09:31 Uhr
Bild vergrößern: Freigelassene Oppositionelle in Nicaragua beklagen Misshandlungen im Gefängnis
Oppositionsanhänger nach Freilassung am Freitag
Bild: AFP

Oppositionsanhänger in Nicaragua haben den Behörden nach ihrer Freilassung aus der Haft gewaltsame Übergriffe vorgeworfen. Insgesamt 26 Inhaftierte wurden auf Vermittlung der katholischen Kirche am Freitag (Ortszeit) aus Gefängnissen in den Städten Managua und Masaya freigelassen. Sie berichteten von Schlägen und Fußtritten. Nicaraguas Polizei sagte nach Angaben der Kirche ein Ende der Misshandlungen zu. Die Zahl der Todesopfer bei den Auseinandersetzungen stieg nach Angaben von Menschenrechtlern auf 212.

Anzeige

Oppositionsanhänger in Nicaragua haben den Behörden nach ihrer Freilassung aus der Haft gewaltsame Übergriffe vorgeworfen. Insgesamt 26 Inhaftierte wurden auf Vermittlung der katholischen Kirche am Freitag (Ortszeit) aus Gefängnissen in Managua und Masaya freigelassen. Sie berichteten von Schlägen und Fußtritten. Nicaraguas Polizei sagte nach Angaben der Kirche ein Ende der Misshandlungen zu. Die Zahl der Todesopfer bei den Auseinandersetzungen stieg nach Angaben von Menschenrechtlern auf 212.

Der 16-jährige Bayron Hernández berichtete, er sei von vermummten Angehörigen einer regierungsnahen paramilitärischen Einheit festgenommen und geschlagen worden. "Sie haben mir mit einer Kalaschnikow den Kopf aufgeschlagen", sagte Hernandez, nachdem er aus der Haft in Masaya der katholischen Kirche übergeben worden war, zur Nachrichtenagentur AFP.

Der 23-jährige Evert Padilla berichtete, er sei bei seiner Festnahme daheim in Managua auf den Boden gedrückt und getreten worden. "Sie haben meine Tür aufgebrochen und meine Sachen mitgenommen", sagte er. Padilla wurde nach seiner Freilassung der Kirche in Managua übergeben.

Insgesamt 15 Freigelassene wurden am Freitag von der Polizei in die Kathedrale der Hauptstadt gebracht. In der Oppositionshochburg Masaya wurden elf Oppositionsanhänger auf freien Fuß gesetzt.

Nicaraguas Polizeichef Ramón Avellán sagte nach einer Intervention der Kirche zu, die Misshandlungen durch die Polizei und regierungsnahe Milizen zu beenden. "Er hat uns zugesagt, alle Schikanierungen auszusetzen", sagte Kardinal Leopoldo Brenes, der in dem Konflikt zwischen Kirche und Regierung vermittelt. Es bleibe abzuwarten, "ob das wirklich stimmt", fügte der Kardinal einschränkend hinzu.

Nach Angaben der Interamerikanischen Menschenrechtskommission vom Freitag stieg die Zahl der Todesopfer bei den Massenprotesten in Nicaragua auf mindestens 212. Bis zum vergangenen Dienstag seien zudem mehr als 1300 Menschen verletzt worden, teilte sie in Washington mit. Die Interamerikanische Menschenrechtskommission ist ein unabhängiges Gremium der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS).

Die "Unterdrückung und Kriminalisierung" der Demonstranten und der Protestbewegung in Nicaragua habe "schwerwiegende Menschenrechtsverstöße" zur Folge gehabt, hieß es in einem fast hundertseitigen Bericht zu den Massenprotesten. Der Staat habe Gewalt eingesetzt, um die Menschen von einer Teilnahme an den Protesten abzuhalten und die Äußerung abweichender politischer Meinungen zu unterdrücken.

Die Kommission forderte die Regierung auf, eine "rechtsstaatliche, demokratische und friedliche Lösung für diese Menschenrechtskrise zu erreichen".

Die Unruhen in Nicaragua hatten Mitte April begonnen, als Sicherheitskräfte Demonstrationen gegen Rentenkürzungen gewaltsam niederschlugen. Seither weiteten sich die Proteste auf das ganze Land aus. Sie richten sich inzwischen gegen den autoritären Regierungsstil von Staatschef Daniel Ortega und seiner Ehefrau, Vizepräsidentin Rosario Murillo.

Ortega schließt einen Rücktritt aus. Der ehemalige Guerillakämpfer regierte Nicaragua von 1979 bis 1990 und erneut seit elf Jahren, sein derzeitiges Mandat endet im Januar 2022.

ANZEIGE

Die News Freigelassene Oppositionelle in Nicaragua beklagen Misshandlungen im Gefängnis wurde von AFP am 23.06.2018 in der Kategorie Brennpunkte mit den Stichwörtern Nicaragua, Präsident, Konflikte, Proteste, Gewalt, Demonstrationen abgelegt.

Weitere Meldungen

Mexikanische Justiz lässt fast 300 Leichen in Kühllastwagen umherfahren

Ein von den Behörden als mobile Leichenhalle genutzter Kühllaster mit fast 300 Leichen an Bord hat in Mexiko für Empörung und zur Entlassung von zwei führenden Justizbeamten

Mehr
Berlin: 45-jährige Motorradfahrerin stirbt bei Verkehrsunfall

Berlin - Im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick ist am Mittwochnachmittag eine 45-jährige Motorradfahrerin bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Ersten Ermittlungen zufolge

Mehr
EU-Gipfel tritt bei Brexit und Flüchtlingsverteilung auf der Stelle

Die EU tritt bei der Bewältigung ihrer beiden größten Herausforderungen auf der Stelle: Beim EU-Gipfel in Salzburg beharrten Großbritannien und die anderen Mitgliedstaaten auf

Mehr

Top Meldungen

Fahrgastrekord im Linienverkehr mit Bussen und Bahnen

Wiesbaden - Im ersten Halbjahr 2018 haben in Deutschland mit 5,8 Milliarden Fahrgästen so viele Menschen wie noch nie den Linienverkehr mit Bussen und Bahnen genutzt. Gegenüber

Mehr
Mehr Baugenehmigungen für Wohnungen

Wiesbaden - Von Januar bis Juli 2018 sind in Deutschland 1,9 Prozent mehr Wohnungsbaumaßnahmen genehmigt worden als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Insgesamt wurde in den

Mehr
Reallöhne steigen trotz Inflation im zweiten Quartal an

Beschäftigte in Deutschland haben trotz steigender Inflation im zweiten Quartal von höheren Reallöhnen profitiert. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag

Mehr