Wirtschaft

Medien: Daimler droht Rückruf zehntausender Dieselfahrzeuge

  • 27. Mai 2018, 16:41 Uhr
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Bild: AFP

Beim Autobauer Daimler müssen einem Medienbericht zufolge voraussichtlich rund 120.000 Dieselfahrzeuge auf mögliche unzulässige Abschalteinrichtungen untersucht werden. Das berichtet die 'Bild am Sonntag' unter Berufung auf Insider.

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Beim Autobauer Daimler droht Medienberichten zufolge der Rückruf zehntausender Dieselfahrzeuge wegen möglicherweise unzulässiger Abschalteinrichtungen. Laut "Bild am Sonntag" müssen womöglich rund 120.000 Fahrzeuge untersucht werden. Zuvor hatte der "Spiegel" berichtet, dass womöglich sogar mehr als 600.000 Dieselfahrzeuge zurückgerufen werden müssten. Für Montag hat Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) Daimler-Chef Dieter Zetsche zu sich einbestellt.

Wie die "BamS" unter Berufung auf Insider berichtet, handelt es sich bei den betroffenen Fahrzeugen um weltweit rund 40.000 Dieselmotoren der Baureihe OM622 im Vito und 80.000 weiterer der Baureihe OM626 in der C-Klasse. Die Motoren stammen vom französischen Hersteller Renault und wurden von Daimler technisch weiterentwickelt. Ein entsprechendes Software-Update soll bereits zur Prüfung beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) vorliegen, wie es weiter heißt. 

Zuvor hatte der "Spiegel" berichtet, dass dem Daimler-Konzern sogar der Rückruf von mehr als 600.000 Dieselfahrzeugen drohe. Das KBA gehe einem konkreten Verdacht nach, dass bei diesen Fahrzeugen unzulässige Abschalteinrichtungen die Wirkung des Abgassystems manipulieren.

Die Modelle hätten einen vergleichbaren Motor wie der Mercedes-Van Vito mit 1,6-Liter-Motor der Schadstoffklasse Euro 6, berichtete das Nachrichtenmagazin weiter. Für den Transporter hatte das Bundesverkehrsministerium am Mittwoch den Rückruf von rund 5000 Fahrzeugen weltweit angeordnet, da das KBA dort unzulässige Abschalteinrichtungen festgestellt habe, die im Betrieb zu erhöhten Stickoxid-Emissionen führen könnten.

Daimler kündigte Widerspruch gegen den KBA-Bescheid an. Dies dürfte auch am Montag beim Treffen von Zetsche und Verkehrsminister Scheuer in Berlin Thema sein. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter äußerte im Vorfeld die Erwartung, Scheuer müsse "klar machen, dass die Kumpanei mit der Autoindustrie ein Ende hat" und von Zetsche verbindliche Maßnahmen verlangen.

Derweil berichtet die "Automobilwoche", dass Volkswagen ein Software-Update für den 2.0-TDI-Motor entwickeln muss, der in den Modellen Passat, Passat Variant und Arteon verbaut wurde. Konzernchef Herbert Diess habe einen Fertigungsstopp für die betroffenen Autos Passat und Passat Variant mit Frontantrieb und Siebengang-DSG sowie das Modell Arteon verhängt. 

"Fahrzeuge, die bereits produziert worden sind, können nicht mehr an Kunden oder Endabnehmer ausgeliefert werden", zitiert das Blatt aus internen Unterlagen. Das Unternehmen erwarte eine Lösung für das Problem nicht vor dem vierten Quartal 2018. Auf Anfrage der Branchenzeitung teilte VW mit, es könne "vorkommen, dass über die gelbe Motorkontrollleuchte auf ein Problem mit dem Abgasnachbehandlungssystem hingewiesen wird, obwohl tatsächlich kein derartiges Problem besteht". 

Audi-Chef Rupert Stadler schloss unterdessen weitere Rückrufe im Diesel-Abgasskandal nicht aus. "Die Diesel-Krise ist noch nicht vorbei", sagte der Vorstandschef des Ingolstädter Autobauers der "Augsburger Allgemeinen" von Samstag. "Durch eine maximal lückenlose Aufklärung, wie wir sie betreiben, stoßen wir immer noch auf Auffälligkeiten, die wir unverzüglich den Behörden melden."

Dagegen kritisierte der Parlamentarische Staatssekretär im Verkehrsministerium, Steffen Bilger (CDU), die Autohersteller: "Es sollte nicht so ein, dass immer wieder erst durch Untersuchungen des Kraftfahrt-Bundesamts Missstände bekannt werden", sagte Bilger der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten". Vielmehr müssten die Hersteller von sich aus offenlegen, wo noch Nachbesserungen erforderlich sind.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) bekräftigte die Forderung nach einer Hardware-Umrüstung von Dieselfahrzeugen. "Wer denkt, mit Software-Updates und Förderprogrammen sei alles gelöst, riskiert weitere Fahrverbote", sagte Schulze der "Passauer Neuen Presse" von Samstag. Hardware-Nachrüstungen seien "kein Hexenwerk".

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