Gesundheit

Krankenkasse kritisiert Unsicherheiten bei medizinischem Einsatz von Cannabis

  • 17. Mai 2018, 12:36 Uhr
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Schwerkranke Patienten können Cannabis auf Rezept bekommen
Bild: AFP

Mehr als ein Jahr nach der Gesetzesänderung zum Cannabiseinsatz bei Schwerkranken hat die Techniker Krankenkasse Unsicherheiten bei der Therapie kritisiert. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum medizinischen Einsatz von Cannabis seien 'sehr lückenhaft'.

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Mehr als ein Jahr nach der Gesetzesänderung zum Einsatz von Cannabis bei Schwerkranken hat die Techniker Krankenkasse (TK) Unsicherheiten bei der Therapie kritisiert. Eine von der Kasse am Donnerstag veröffentlichte Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur medizinischen Anwendung und zum Nutzen von Cannabis bislang "sehr lückenhaft" seien. Auch die Nebenwirkungen würden öffentlich kaum thematisiert.

"Es ist unklar, welchen Patientengruppen Cannabis in welcher Dosis hilft und in welcher Form es am besten verabreicht werden sollte", erklärte der Bremer Gesundheitswissenschaftler und Mitautor des Reports, Gerd Glaeske. Es gebe "wenige Studien, die eine Behandlung mit Cannabis wissenschaftlich begründen können". Cannabis sei "kein pflanzliches Wundermittel", warnte er.

Zwar sprächen einige Studien für die Wirkung von Cannabismedikamenten etwa bei krebsbedingten Schmerzen oder chronischen Nervenschmerzen sowie bei spastischen Schmerzen bei Multipler Sklerose. Wie bei anderen Mitteln sei aber auch hier eine "Abwägung von möglichem Nutzen zu nachgewiesenen Risiken" nötig, erklärte Glaeske. So könnten durch den Cannabiskonsum Denkstörungen, Unruhe, Angst sowie erhöhter Blutdruck und Übelkeit auftreten.

Der Gesundheitsexperte forderte wie auch TK-Chef Jens Baas, Cannabis wie andere neue Medikamente zu behandeln und einer Nutzenbewertung zu unterziehen. Es sei begrüßenswert, dass schwerkranke Menschen mit Cannabis eine weitere Therapieoption haben, erklärte Baas. Mit der Regelung werde aber das System "aus Zulassung, früher Nutzenbewertung und Preisverhandlung, wie es normalerweise für neue Arzneimittel gilt, komplett umgangen".

Das neue Cannabisgesetz war im März 2017 in Kraft getreten. Ärzte können die Droge schwerkranken Patienten verordnen, denen nicht mehr anders geholfen werden kann. Die Abrechnungen über die Krankenkassen nahmen danach deutlich zu. Vor der Gesetzesänderung war eine Ausnahmegenehmigung für den Erwerb von Cannabisblüten oder -extrakten notwendig.

Der TK-Report sieht "klare Vorteile" bei sogenannten cannabinoidhaltigen Arzneimitteln wie Dronabinol gegenüber dem pflanzlichen Cannabis. Tropfen oder Kapseln seien einfacher einzunehmen als Cannabisblüten, die verdampft und über eine Maske eingeatmet werden müssen. Zudem enthalte pflanzliches Cannabis mehr als 545 verschiedene pharmakologisch wirksame Substanzen mit entspechenden Nebenwirkungen.  

Bei der Techniker Krankenkasse wurde im vergangenen Jahr demnach in rund 2900 Fällen eine Cannabistherapie beantragt - bei insgesamt mehr als zehn Millionen Versicherten. Die Kosten dafür beliefen sich auf rund 2,3 Millionen Euro. Die Behandlung von Schmerzen ist der häufigste Grund für einen Antrag auf Kostenübernahme von medizinischem Cannabis.

Mit 62 Prozent wurde die Mehrheit dieser Anträge bei der TK positiv beschieden. Bei den meisten Ablehnungen verwies der Medizinische Dienst der Krankenkassen auf alternative Therapieoptionen. Baas zufolge soll die Untersuchung "dem Hype um Cannabis eine nüchterne Betrachtung der Vor- und Nachteile entgegensetzen".

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