Finanzen

Deutschland hat durch Niedrigzinsen 162 Milliarden Euro gespart

  • 23. April 2018, 18:11 Uhr
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Berlin - Der Bund hat seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 insgesamt 162 Milliarden Euro an Zinsausgaben gespart. Das berichtet das "Handelsblatt" (Dienstagausgabe) unter Berufung auf ein Schreiben des Bundesfinanzministeriums.

So hatte der Bund zwischen 2008 und 2017 für den Schuldendienst Zinsausgaben von insgesamt 450,4 Milliarden Euro veranschlagt. Doch dank niedriger Zinsen war es viel weniger: "Die Summe der nach Abschluss der Haushaltsjahre ausgewiesenen Beiträge der Jahre liegt bei 288 Milliarden Euro", schreibt Finanz-Staatssekretärin Bettina Hagedorn (SPD) in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen. "Zehn Jahre Krise in Europa haben den deutschen Haushalt saniert. Während in anderen Ländern Europas die Krise herrscht, hat der deutsche Staat massiv von der Eurokrise profitiert", sagte der grüne Haushaltspolitiker Sven-Christian Kindler.

Allerdings haben auch die übrigen Euro-Länder stark von den Niedrigzinsen profitiert, wie neue Daten der Bundesbank zeigen, die dem "Handelsblatt" (Dienstagausgabe) vorliegen. Insgesamt haben die 19 Euro Länder – inklusive Deutschland – zwischen 2008 und 2017 Zinsen in Höhe von 1,15 Billionen Euro eingespart. Allein bei Frankreich waren es 275 Milliarden, bei Italien 216 Milliarden Euro. Die Bundesbank hat berechnet, wie hoch die Ausgaben wären, wenn das Zinsniveau heute noch auf dem Stand von vor der Finanzkrise läge.

Damals musste etwa Deutschland Anlegern noch mehr als vier Prozent Zinsen für Kredite zahlen. Nach diesem Ansatz hätte Deutschland sogar 294 Milliarden Euro gespart – und läge unter den Euro-Ländern damit an der Spitze. Nach der gleichen Methode hat das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW Kiel) berechnet, wie hoch die Zinseinsparungen der deutschen Länder und Kommunen sind. Obwohl der Schuldenstand der Länder 2007 mit etwa 500 Milliarden rund 120 Milliarden Euro unter dem heutigen Stand lag, haben sich ihre Zinsausgaben nahezu halbiert. Insgesamt haben die Länder seit 2008 rund 83,7 Milliarden Euro an Zinsen gespart, bei den Kommunen waren es 18,9 Milliarden Euro. "Die anstehende Zinswende könnte einige Kommunen, wegen der großen Bedeutung von Kassenkrediten mit sehr niedrigen Laufzeiten, deutlich schneller treffen als den Bund, der in jüngerer Zeit zudem vermehrt auf sehr langlaufende Schuldtitel gesetzt hat", sagte IfW-Forscher Jens Boysen-Hogrefe.

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