Wirtschaft

Amazon-Beschäftigte protestieren am Dienstag gegen Konzernchef Bezos

  • 23. April 2018, 16:35 Uhr
Bild vergrößern: Amazon-Beschäftigte protestieren am Dienstag gegen Konzernchef Bezos
Proteste gegen Preis für Bezos
Bild: AFP

Im Streit um eine Tarifbindung beim Onlinehändler Amazon wollen am Dienstag mehrere hundert Beschäftigte gegen eine Preisverleihung für Amazon-Chef Jeff Bezos in Berlin protestieren.

Anzeige

Im Streit um eine Tarifbindung beim Onlinehändler Amazon wollen am Dienstag mehrere hundert Beschäftigte gegen eine Preisverleihung für Amazon-Chef Jeff Bezos in Berlin protestieren. "Wir drehen den Spieß mal um und geben Jeff Bezos ein Feedback der Beschäftigten", erklärte die Gewerkschaft Verdi am Montag. Sie kämpft seit Jahren dafür, dass die Beschäftigten einen Tarifvertrag bekommen und nach Tarif im Einzel- und Versandhandel bezahlt werden.

Bezos soll den Axel Springer Award 2018 überreicht bekommen. Er wird verliehen an herausragende Persönlichkeiten, die "außergewöhnlich innovativ sind, neue Märkte schaffen und Märkte verändern, Kultur formen und sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen". Mit einem Geldpreis ist die Auszeichnung nicht verbunden. Die Beschäftigten von mehreren deutschen Amazon-Standorten wollen am Dienstagabend vor dem Axel-Springer-Haus in Berlin-Kreuzberg gegen diese Preisverleihung protestieren. 

"Die Amazon-Beschäftigten wollen deutlich machen, dass zu einem guten Job mit guten Leuten bessere Arbeitsbedingungen und die Absicherung durch einen Tarifvertrag gehören", erklärte Gewerkschafterin Stefanie Nutzenberger. Bezos verweigere bisher in allen Ländern die sozialpartnerschaftliche Zusammenarbeit mit Gewerkschaften. In den Unternehmensleitungen herrscht nach Verdi-Angaben eine gewerkschaftsfeindliche Haltung, die dazu führt, dass Tarifverträge für die Beschäftigten regelmäßig verweigert werden.

"Was das mit gesellschaftlicher Verantwortung zu tun hat, ist mir schleierhaft", kritisierte Nutzenberger die Preisvergabe. "Eine Persönlichkeit, die keine Rücksicht auf Beschäftigte nimmt, verdient keine Auszeichnung." Innovation müsse auch ein menschliches Gesicht haben, und der Ausbau eines weltweiten Monopols verdiene die Bezeichnung Innovation nicht.

Verdi-Streikleiter Thomas Schneider, der sich in Leipzig äußerte, kritisierte den Preis ebenfalls: "Nicht Jeff Bezos, sondern den Beschäftigten gebührt der Preis", erklärte er. Die Gewerkschaft warf dem Konzern zudem "Gewerkschaftsfeindlichkeit" und eine "permanente Überwachung" vor.

Der Linken-Gewerkschaftsexperte Pascal Meiser erklärte, es sei "absurd", dass der Springer-Verlag das Verhalten Bezos' mit einem Preis für gesellschaftliche Verantwortung belohnen wolle. Die Partei unterstütze deshalb die Proteste gegen die Auszeichnung und er selbst werde daran auch teilnehmen, erklärte Meiser.

An den deutschen Standorten des weltweit größten Internet-Händlers finden seit Jahren immer wieder Streiks statt, um einen Tarifvertrag durchzusetzen. Am Montag legten Angestellte an den Standorten Leipzig, Werne, Rheinberg, Bad Hersfeld, Koblenz und Graben die Arbeit nieder, wie Verdi mitteilte.

Nach ihren Angaben ist die Gewerkschaft mittlerweile flächendeckend durch eine steigende Zahl von Mitgliedern vertreten. An den meisten Standorten verträten Betriebsräte die Interessen der Belegschaft im Unternehmen. Amazon dagegen betont stets, am oberen Ende dessen zu zahlen, was für vergleichbare Tätigkeiten üblich sei.

ANZEIGE

Die News Amazon-Beschäftigte protestieren am Dienstag gegen Konzernchef Bezos wurde von AFP am 23.04.2018 in der Kategorie Wirtschaft mit den Stichwörtern D, Unternehmen, Einzelhandel, Gewerkschaften, Streiks abgelegt.

Bitte beachten Sie vor Ihrer Eingabe unbedingt unseren Datenschutzhinweis.

Weitere Meldungen

82 Millionen Euro Ordnungsgeld wegen geheimgehaltener Bilanzen

Berlin - In Deutschland haben im letzten Jahr Unternehmen, die ihre Bilanzen nicht offenlegen wollen, Ordnungsgelder in Höhe von 82,2 Millionen Euro gezahlt. Das berichtet das

Mehr
Bericht: Saudi-Arabien verhängt Auftragsstopp für deutsche Firmen

Riad - Saudi-Arabiens Thronfolger Mohammed bin Salman hat offenbar einen internen Vergabestopp für Regierungsaufträge an deutsche Firmen verhängt. Das berichtet der "Spiegel" in

Mehr
Rewe erwartet spürbaren Umsatzschub durch Fußball-WM

Köln - Der Handelskonzern Rewe erwartet von der Fußballweltmeisterschaft einen spürbaren Umsatzschub. "Spielt die deutsche Mannschaft gut, hebt das eindeutig die Konsumstimmung.

Mehr

Top Meldungen

VW California: Ein Reisemobil schreibt Geschichte


Allein der Name klingt schon nach Sommer, Spaß und guter Laune. Und ein bisschen Fernweh. Mit dem "California" hat VW bei den Reisemobilen Maßstäbe gesetzt. Und jetzt

Mehr
Datenschutz: Viele tappen im Dunkeln


Die EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) ist ab sofort in Kraft. Doch für viele ist sie ein Buch mit sieben Siegeln. So hat ein Fünftel der deutschen Verbraucher noch nie

Mehr
Saudi-Arabien und Russland erwägen Steigerung der Ölproduktion ab Juli

Saudi-Arabien und Russland, die zusammen mit weiteren Ländern seit 2017 die Ölproduktion deckeln, erwägen ab Juli eine Abkehr von dieser Strategie: Der saudiarabische

Mehr