Motor

Kommentar: Erst denken, dann reden, Herr Minister Altmaier!

  • 17. April 2018, 12:34 Uhr
Bild vergrößern: Kommentar: Erst denken, dann reden, Herr Minister Altmaier!
Hans-Robert Richarz. Foto: Auto-Medienportal.Net

.


Anzeige

Zum wiederholten Mal kritisierte der Wirtschaftsminister die deutsche Automobilindustrie. Der Zeitung mit den großen Buchstaben sagte er jetzt, die Branche müsse einen grundlegenden Kurswechsel einleiten. ,,Sie muss ihr Fehlverhalten ausbügeln und ihre Geschäftsmodelle an die ökologische und digitale Zukunft anpassen", ließ er die Leser der ,,Bild-Zeitung" in einem Interview wissen. ,,Auch die Elektro-Autos der Zukunft müssen hier gebaut werden, da haben die Auto-Konzerne unverständlich lange gezögert."

Herr Minister, meinen Sie das wirklich ernst? Sie sind zwar noch keine 100 Tage in Ihrem Amt, dennoch dürfen wir von Ihnen erwarten, dass Sie selbst recherchieren oder zumindest recherchieren lassen, bevor Sie Grundlegendes äußern.

Ist Ihnen etwa entgangen, dass so ziemlich jeder Autokonzern, der hier zu Lande Personenwagen feilhält, entweder mindestens ein Elektromobil im Angebot hat oder Hybrid-Fahrzeuge verkauft? Die deutsche Automobilindustrie macht da keine Ausnahme. Schon mal was von dem VW e-Up, dem VW e-Golf oder dem Passat GTE gehört? Bei Ford könnten Sie sich einen Mondeo Hybrid, bei Opel einen Ampera-E, bei Porsche einen Panamera E-Hybrid oder - wenn Sie mit einem SUV liebäugeln - bei Audi einen Audi Q7 e-tron zulegen, ein Plug-in-Hybrid-Modell mit Diesel- und Elektroantrieb. Bei BMW gibt es den i8 als Plug-in-Hybrid sogar als Roadster, ganz zu schweigen vom rein elektrischen BMW i3. Die Mercedes B-Klasse mit Elektroantrieb wäre sogar ein ministrables Fahrzeug. Diese Liste ist übrigens keineswegs vollständig.

Der immer wieder von Ihnen und Ihren Kollegen verbreitete Vorwurf, die deutsche Automobilindustrie renne der Entwicklung moderner Elektroautos hinterher und habe geschlafen, ist schlicht und einfach unhaltbar. Wahrscheinlich wussten Sie auch noch nicht, Herr Minister Altmaier, dass 30 Prozent aller weltweit erteilten Patente für das elektrische Fahren in Deutschland von unseren Ingenieuren erdacht wurden. Noch eindrucksvoller ist die Bilanz, was die automatisierte Fortbewegung angeht. Da sind die Deutschen mit 50 Prozent aller Patente dabei. Näheres dazu könnte Ihnen Ihr Parteifreund, der Bundestagsabgeordnete Thomas Rachel sagen, der als Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, fungiert.

In der Bild-Zeitung konfrontierten Sie die deutsche Autoindustrie mit den markigen Vorwürfen: ,,Erstens: Bringt ein Modell auf den Markt, das mindestens die Reichweite eines Tesla hat und gleichzeitig weniger kostet. Zweitens: Schafft eine IT-Plattform für selbstfahrende Autos, die die beste weltweit ist. Die ersten sicher selbstfahrenden Autos müssen mit deutscher Technologie fahren - und drittens: Entwickelt gemeinsame Lösungen, um eine europäische Batteriezellfertigung auf die Beine zu stellen."

Solch unüberlegte Kritik passt zu einem Boulevard-Blatt, nicht aber zu einem seriösen Wirtschaftsminister. (ampnet/hrr)

Die News Kommentar: Erst denken, dann reden, Herr Minister Altmaier! wurde von Hans-Robert Richarz, cen/ampnet am 17.04.2018 in der Kategorie Motor mit den Stichwörtern Vorwürfe, Automibilindustrie, Zukunft verschlafen abgelegt.

Weitere Meldungen

Ratgeber: Bei Regen in der Spur bleiben

Hochsommer in Deutschland. Neben Sommer, Sonne, Sonnenschein kann es bei heißem Wetter auch immer wieder zu lokalen Gewittern und starken Regenfällen kommen. Ob auf dem Weg in den

Mehr
Faurecia mit starkem ersten Halbjahr

Alle drei Geschäftsbereiche des Automobilzulieferers Faurecia konnten im ersten Halbjahr kräftig zulegen. So wuchs Seating (Sitze) um 10,7 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr

Mehr
Ausprobiert: Givi Easy-T - gut ausgestattete Gepäckrolle

Seitenkoffer und erst recht ein Topcase sind aus verschiedenen Gründen nicht unbedingt jedermanns Sache. Als auch preiswerte Alternative gibt es die klassische Gepäckrolle. Givi

Mehr

Top Meldungen

NRW-Ministerpräsident will bei Thyssenkrupp eingreifen

Düsseldorf - Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) will eine aktivere Rolle in der Krise um den Industriekonzern Thyssenkrupp übernehmen. "Als Mitglied

Mehr
Tierschutz-Missstände bei jeder fünften Kontrolle

Berlin - In Deutschland stoßen Behörden nach Angaben der Bundesregierung bei jeder fünften Tierschutzkontrolle auf Missstände. So geht es aus einer Antwort des

Mehr
BMI: Flughäfen sollen Sicherheitskontrollen selber durchführen

Berlin - Das Bundesinnenministerium will den deutschen Flughäfen Sicherheitskontrollen in Eigenregie erlauben. Ziel sei es, die Kontrollen zu beschleunigen und die Beamten zu

Mehr