Wirtschaft

Politik und Datenschützer nehmen Adresshandel ins Visier

  • 16. April 2018, 13:50 Uhr
Bild vergrößern: Politik und Datenschützer nehmen Adresshandel ins Visier
Postbotin
dts

.

Anzeige

Berlin - Politiker und Datenschützer haben Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Datenhandels einer Post-Tochterfirma. Das berichtet das "Handelsblatt" (Dienstagsausgabe).

Entscheidend für den Datenschutz sei, ob die mithilfe spezieller Algorithmen aufgearbeiteten, kostenpflichtigen Datenpakete zu Wahlkampfzwecken von Parteien auf eine einzelne Person rückführbar sind. "Beim Zusammenführen von Adressdaten mit anderen Informationen handelt es sich ohne Zweifel auch um personenbezogene Daten und diese unterfallen dem Datenschutz", sagte der innen- und justizpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Europäischen Parlament, Jan Philipp Albrecht, der Zeitung. Zwar sei Datennutzung für das Direktmarketing zugelassen. "Allerdings umfasst dies nicht umfassende Informationen zu den angeschriebenen Personen", gab Albrecht zu bedenken.

"Sobald diese verknüpft werden, ist die gesamte Datenverarbeitung kein Direktmarketing mehr, sondern ein individuelles Profiling, das der Zustimmung der Betroffenen bedarf." Die Aufsichtsbehörden müssten daher die "Grenze zwischen anonymisierten aggregierten Statistiken und individualisierten Profilen genau überprüfen". Bei der Nutzung anonymisierter Gruppenanalysen sollte die Politik außerdem, "auch abseits des Datenschutzes über die Grenzen ihres Einsatzes diskutieren". Schon jetzt werde offenbar, dass durch die Digitalisierung aller Lebensbereiche Diskriminierung und Manipulation für viele Menschen zum Alltag werde.

Die nordrhein-westfälische Datenschutzbeauftragte Helga Block prüft derzeit, ob der Adresshandel der Post-Tochter im Einklang mit dem Bundesdatenschutzgesetz steht. Sie wies auf die Risiken solcher Dienstleistungen hin. "Unternehmen, die aus dem Handel mit anonymen Daten ein Geschäftsmodell machen, müssen wissen, dass Anonymität in Zeiten von Big Data leicht zur Illusion werden kann", sagte Block der Zeitung. "Die Anonymität des Einzelnen ist durch immer leistungsfähigere Rechner und durch den immer einfacher werdenden Zugriff auf Informationen schnell aufgehoben." Die Datenschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein, Marit Hansen, glaubt, dass in diesem Bereich "gesetzgeberisch nachgeschärft" werden muss. "Zum Schutz vor Manipulation sollten nur solche Systeme zum Einsatz kommen dürfen, die von unabhängigen Instanzen geprüft wurden, also eine Art Check von Algorithmen und Datensammlungen", sagte Hansen dem "Handelsblatt". Daneben hält sie eine gesetzliche Transparenzpflicht für geboten. "Gegenüber allen Interessierten und in jedem Fall gegenüber den Datenschutzaufsichtsbehörden oder Verbraucherschützern ist offenzulegen, wie bestimmte Nachrichten oder die Reihenfolge von Informationen zustande kommen, auf welcher Basis Hausbesuche erfolgen und ob und welche Algorithmen oder Datensammlungen dafür verwendet werden", sagte die Expertin.

ANZEIGE

Die News Politik und Datenschützer nehmen Adresshandel ins Visier wurde von dts am 16.04.2018 in der Kategorie Wirtschaft mit den Stichwörtern Politik, Deutschland, Unternehmen abgelegt.

Weitere Meldungen

Frankreich baut erstes schwimmendes Solarkraftwerk

In China und Japan boomt die Technologie bereits, nun bekommt auch das Atomland Frankreich ein erstes schwimmendes Solarkraftwerk. Das Unternehmen Akuo Energy kündigte am

Mehr
Fahrgastrekord im Linienverkehr mit Bussen und Bahnen

Wiesbaden - Im ersten Halbjahr 2018 haben in Deutschland mit 5,8 Milliarden Fahrgästen so viele Menschen wie noch nie den Linienverkehr mit Bussen und Bahnen genutzt. Gegenüber

Mehr
Mehr Baugenehmigungen für Wohnungen

Wiesbaden - Von Januar bis Juli 2018 sind in Deutschland 1,9 Prozent mehr Wohnungsbaumaßnahmen genehmigt worden als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Insgesamt wurde in den

Mehr

Top Meldungen

Reallöhne steigen trotz Inflation im zweiten Quartal an

Beschäftigte in Deutschland haben trotz steigender Inflation im zweiten Quartal von höheren Reallöhnen profitiert. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag

Mehr
Reallöhne im zweiten Quartal gestiegen

Wiesbaden - Die Reallöhne in Deutschland sind im zweiten Quartal 2018 um 0,5 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal gestiegen. Der nominale Verdienstzuwachs betrug

Mehr
Studie: Jeder Dritte wird Opfer von Mobbing

Berlin - In Deutschland wird jeder dritte Erwachsene Opfer von Mobbing. 57 Prozent der Fälle finden am Arbeitsplatz statt. Das ist das Ergebnis der Studie "Mobbing und

Mehr