Politik

Erneute Wahlschlappe für Trump und die Republikaner

  • 14. März 2018, 14:08 Uhr
Bild vergrößern: Erneute Wahlschlappe für Trump und die Republikaner
Der Demokrat Conor Lamb
Bild: AFP

Schlappe für Donald Trump und seine Partei bei einer Nachwahl zum Kongress: In einem bislang als Hochburg des US-Präsidenten und der Republikaner geltenden Bezirk in Pennsylvania hat sich ein knapper Sieg der oppositionellen Demokraten abgezeichnet.

Anzeige

Schwerer Rückschlag für Donald Trump und seine Partei bei einer Nachwahl zum Kongress: In einem bislang als Hochburg des US-Präsidenten und der Republikaner geltenden Bezirk im Bundesstaat Pennsylvania hat sich am Dienstagabend (Ortszeit) ein möglicher knapper Sieg des Kandidaten der oppositionellen Demokraten abgezeichnet. Unabhängig vom Ausgang kommt schon das enge Rennen für Trump und die Republikaner einer gefühlten Niederlage gleich.

Nach Auszählung von rund 99 Prozent der Stimmen lag der Demokrat Conor Lamb in dem Rennen um einen Sitz im US-Repräsentantenhaus laut dem Sender CNN mit der hauchdünnen Mehrheit von 641 Stimmen vor dem Republikaner Rick Saccone. Die Entscheidung hing von der noch ausstehenden Auszählung von Briefwahlstimmen ab.

Der 33-jährige Lamb, ein früherer Bundesanwalt und Offizier der Marineinfanterie, feierte bereits seinen Sieg: "Wir haben es geschafft." Kurz zuvor hatte Saccone gesagt, die Wahl sei noch nicht gelaufen. "Wir geben nicht auf", rief der 60-jährige Republikaner, bisher Mitglied des Regionalparlaments von Pennsylvania, seinen Anhängern zu.

Schon das knappe Rennen ist eine faustdicke Überraschung. Denn der früher von der Stahlindustrie dominierte Bezirk im Westen von Pennsylvania wird seit Jahren von den Republikanern dominiert und galt als "Trump Country". Trump hatte in dem Bezirk bei der Präsidentschaftswahl mit 20 Prozentpunkten Vorsprung gegen Hillary Clinton gewonnen. 

Der Präsident hatte sich persönlich stark für Saccone engagiert und war zwei Mal in die Region gereist, zuletzt am Samstag. Auch wurde spekuliert, dass Trump den Zeitpunkt für die Verkündung der Strafzölle auf Stahl und Aluminium möglicherweise mit Blick auf die Nachwahl gewählt hatte.

An den Mehrheitsverhältnissen im Repräsentantenhaus würde ein Sieg Lambs zwar nichts ändern. Die Republikaner verfügen dort über eine klare Mehrheit von 238 der 435 Sitze. Doch wird der Wahl eine wichtige Signalwirkung für die allgemeine Kongresswahl im November zugeschrieben. Dann werden das gesamte Repräsentantenhaus und mehr als ein Drittel des Senats gewählt.

Lambs starkes Ergebnis in der Arbeiterhochburg stärkt die Hoffnungen der Demokraten, zumindest die Mehrheit im Repräsentantenhaus erobern zu können. 

Um die Wähler in der weißen Arbeiterschaft nicht abzuschrecken, hatte es der Demokrat vermieden, den Präsidenten zu attackieren. Vielmehr unterstützte er Trumps Strafzölle und lehnte eine Verschärfung der Waffengesetze ab. Saccone wiederum knüpfte direkt an Trumps Kurs und Rhetorik an. Den Demokraten warf er vor, von "Hass" auf den Präsidenten, "unser Land" und "Gott" angetrieben zu sein. 

Bei der Wahl ging es um ein Mandat, das durch den Rücktritt des republikanischen Abgeordneten Tim Murphy freigeworden war. Murphy war abgetreten, nachdem ihm eine Ex-Geliebte vorgeworfen hatte, von ihr eine Abtreibung verlangt zu haben.   

Das nun knappe Rennen um die Nachfolge Murphys reiht sich in eine Serie von Wahlschlappen für Trump und die Republikaner ein. 

Im Dezember war im Südstaat Alabama der ultrakonservative Ex-Richter Roy Moore bei einer Senatsnachwahl gegen den Demokraten Doug Jones unterlegen. Moore war in einen Skandal um die angebliche sexuelle Belästigung von Minderjährigen verwickelt. Im Südstaat Virginia hatten im November die Demokraten die Gouverneurswahl klar gewonnen und auch bei Wahlen zum Regionalparlament stark zugelegt.  

Die Nachwahl in Pennsylvania zeigt nun, dass die republikanischen Kandidaten nicht unbedingt vom persönlichen Einsatz des Präsidenten profitieren. Trump verzeichnet knapp 14 Monate nach Amtsantritt weiter niedrige Zustimmungswerte. In seiner Regierung herrschen chaotische Verhältnisse, zahlreiche hochrangige Mitarbeiter seiner Regierung hat er entlassen oder sie traten zurück. Zuletzt gab Trump am Dienstag die Entlassung von Außenminister Rex Tillerson bekannt. 

ANZEIGE

Die News Erneute Wahlschlappe für Trump und die Republikaner wurde von AFP am 14.03.2018 in der Kategorie Politik mit den Stichwörtern USA, Wahlen, Parteien, Präsident abgelegt.

Bitte beachten Sie vor Ihrer Eingabe unbedingt unseren Datenschutzhinweis.

Weitere Meldungen

Erneut Demonstationen gegen Reformkurs in Frankreich

In Paris und anderen französischen Städten sind am Samstag erneut Demonstrationen gegen den Reformkurs von Präsident Emmanuel Macron angekündigt (ab 11.00 Uhr). Dazu aufgerufen

Mehr
Oettinger warnt geplante Koalition in Rom vor neuer Euro-Krise

EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger hat die künftige italienische Regierung davor gewarnt, eine neue Euro-Krise auszulösen. "Der Rettungsmechanismus ESM könnte eine so große

Mehr
Brasilianische Regierung setzt Armee gegen streikende Lkw-Fahrer ein

Die brasilianische Regierung hat den Einsatz der Armee zur Räumung der von streikenden Lastwagenfahrern errichteten Straßenblockaden angeordnet. Verteidigungsminister Joaquim

Mehr

Top Meldungen

EU-Haushaltskommissar kritisiert US-Zolldrohung für Auto-Importe

Brüssel - EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger (CDU) hat die Drohung von US-Präsident Donald Trump, Strafzölle auf Autos zu verhängen, scharf verurteilt. "Trump handelt

Mehr
Entgelttransparenzgesetz wird kaum genutzt

Berlin - Das neue Entgelttransparenzgesetz, mit dem Arbeitnehmer überprüfen können, ob sie im Vergleich mit ihren Kollegen fair bezahlt werden, wird bislang kaum genutzt. Das

Mehr
82 Millionen Euro Ordnungsgeld wegen geheimgehaltener Bilanzen

Berlin - In Deutschland haben im letzten Jahr Unternehmen, die ihre Bilanzen nicht offenlegen wollen, Ordnungsgelder in Höhe von 82,2 Millionen Euro gezahlt. Das berichtet das

Mehr