Politik

Hunderte gehen in Tunesien gegen Preiserhöhungen und Sparpolitik auf die Straße

  • 12. Januar 2018, 22:39 Uhr
Bild vergrößern: Hunderte gehen in Tunesien gegen Preiserhöhungen und Sparpolitik auf die Straße
Protest vor Regierungsgebäude in Tunis
Bild: AFP

Mehrere hundert Menschen haben am Freitag in der tunesischen Hauptstadt Tunis und in der Küstenstadt Sfax gegen steigende Lebenshaltungskosten und die Sparpolitik der Regierung demonstriert. Sie zeigten der Staatsführung gelbe Karten.

Anzeige

Mehrere hundert Menschen haben am Freitag in der tunesischen Hauptstadt Tunis und in der Küstenstadt Sfax gegen steigende Lebenshaltungskosten und die Sparpolitik der Regierung demonstriert. Sie folgten einem Aufruf der Bewegung Fech Nestannew (Worauf warten wir?) und zeigten der Staatsführung gelbe Karten. Die Bewegung ruft seit Jahresbeginn zu Protesten gegen die Preiserhöhungen in Tunesien auf.

In Tunis und Sfax gingen jeweils rund 200 junge Demonstranten auf die Straße. In Sfax stand auf einem Plakat: "Das Geld des Volkes ist in den Palästen, die Kinder des Volkes sind in den Gefängnissen." Eine Vertreterin von Fech Nestannew sagte einem Reporter der Nachrichtenagentur AFP: "Noch halten wir einen Dialog und Reformen für möglich. Die gelben Karten bedeuten: Achtung, es ist an der Zeit, die wirklichen Probleme anzugehen, die Wirtschaftskrise, die Teuerung, das was wir seit Jahren verlangen." 

Die Regierung, die sich in den vergangenen Tagen kaum zu den Protesten geäußert hatte, lehnte die Forderungen der Demonstranten jedoch rundweg ab. Der Sprecher von Ministerpräsident Youssef Chahed erklärte, es gebe "keine Demonstrationen, sondern 17- bis 21-jährige Randalierer", die von dem neuen Finanzgesetz gar nicht betroffen seien.

Die Präsidentschaft erklärte allerdings, Staatschef Béji Caïd Essebsi habe mit dem Ministerpräsidenten über Maßnahmen gesprochen, mit denen in den kommenden Tagen die Kaufkraft armer Familien verbessert und die Preise "stärker kontrolliert" werden sollten.

Bei den Protesten der vergangenen Tage war es zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Landesweit gab es nach Angaben des Innenministeriums seit Montag 780 Festnahmen. Das Verteidigungsministerium teilte mit, wegen der Ausschreitungen seien in den größeren Städten nun Soldaten vor Banken, Postfilialen und Regierungsgebäuden postiert worden.

Die Demonstrationen in Tunis und Sfax am Freitag verliefen friedlich. In Tebourba war am Montag bei gewaltsamen Protesten ein etwa 40-jähriger Mann getötet worden. Unklar ist nach wie vor die Todesursache. Das Innenministerium bestritt, dass die Polizei den Mann getötet habe. Die mächtige Gewerkschaft UGTT und die linke Oppositionspartei Volksfront riefen für Sonntag zu weiteren Kundgebung auf.

Tunesien hatte im Zuge des Arabischen Frühlings 2011 seine Demokratisierung eingeleitet. Das nordafrikanische Land leidet aber weiter unter wirtschaftlichen und sozialen Problemen. Die Inflation stieg bis Ende vergangenen Jahres auf sechs Prozent, und auch die Arbeitslosenrate nahm weiter zu, insbesondere unter der Jugend.

Die News Hunderte gehen in Tunesien gegen Preiserhöhungen und Sparpolitik auf die Straße wurde von AFP am 12.01.2018 in der Kategorie Politik mit den Stichwörtern Tunesien, Proteste, Arbeit, Armut abgelegt.

Bitte beachten Sie vor Ihrer Eingabe unbedingt unseren Datenschutzhinweis.

Weitere Meldungen

Umfrage: Keine Mehrheit für Schwarz-Grün in Hessen

Rund neun Monate vor der Landtagswahl in Hessen muss die schwarz-grüne Landeskoalition einer Umfrage zufolge um ihre Mehrheit bangen. Wie der am Freitag veröffentlichte

Mehr
AfD-Bundesvorstand berät über Einrichtung von Parteistiftung

Der AfD-Bundesvorstand berät heute über die Einrichtung einer Parteistiftung. Im Vorfeld brachte Parteichef Alexander Gauland eine nach dem nationalliberalen Politiker Gustav

Mehr
Merkel trifft Macron in Paris

Vor den Feierlichkeiten zum 55. Jahrestag des Élysée-Vertrags wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) heute in Paris erwartet (17 Uhr). Dort wird sie von dem französischen

Mehr

Top Meldungen

Erzeugerpreise im Jahr 2017 um 2,6 Prozent gestiegen

Wiesbaden - Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte sind im Jahresdurchschnitt 2017 um 2,6 Prozent höher gewesen als im Vorjahr. Damit sind die Preise im Jahresdurchschnitt

Mehr
Burger-King-Filiale in Kanada diente Angestellten als Unterkunft

Eine Burger-King-Filiale in Kanada diente Beschäftigten offenbar auch als Unterkunft: Bei einem nicht angekündigten Besuch fanden staatliche Gesundheitsinspektoren in der Filiale

Mehr
Mindestens sechs Tote nach Orkan - Bahnverkehr rollt wieder an

Berlin - Orkan "Friederike" hat in Deutschland mindestens sechs Todesopfer gefordert, darunter auch mindestens zwei Feuerwehrleute. So kamen ein 28-jähriger Helfer in Bad

Mehr