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Vietnamesischer Geheimdienstler fürchtet Schlimmes bei Abschiebung aus Singapur

  • 3. Januar 2018, 20:30 Uhr
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Phan Van Anh Vu (M.) am 29. April 2016 in Da Nang
Bild: AFP

Der in Singapur festgenommene vietnamesische Geheimdienstoffizier Vu mit Hintergrundwissen zum Fall des offenbar aus Berlin entführten Vietnamesen Trinh Xuan Thanh befürchtet für den Fall seiner Auslieferung an Vietnam schlimme Folgen.

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Ein in Singapur festgenommener vietnamesischer Geheimdienstoffizier mit Hintergrundwissen zum Fall des offenbar aus Berlin entführten Vietnamesen Trinh Xuan Thanh befürchtet für den Fall seiner Auslieferung an Vietnam schlimme Folgen. Der Anwalt Remy Choo sagte am Mittwoch nach einem Treffen mit seinem Mandanten Phan Van Anh Vu, dieser sei "sehr frustriert" und könne nicht verstehen, warum er festgenommen worden sei.

Es bestehe eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Vu in seine Heimat abgeschoben werde, sagte Choo der Nachrichtenagentur AFP. Für diesen Fall sei sein Mandant ernstlich um seine Sicherheit besorgt. Der Anwalt fügte hinzu, Vu sei mit seinem vietnamesischen Pass bereits früher in Singapur eingereist. Die singapurischen Behörden bestätigten bislang nur, dass Vu am vergangenen Donnerstag wegen Verletzung von Einreisebestimmungen festgenommen worden sei.

Die vietnamesische Polizei hatte zuvor mitgeteilt, der 42-jährige Vu werde wegen des Verrats von Staatsgeheimnissen gesucht. Vietnam hat zwar keinen Auslieferungsvertrag mit dem Stadtstaat, doch die singapurischen Behörden könnten ihn bei einem Schuldspruch wegen Verstoßes gegen das Einwanderungsgesetz nach Vietnam zurückschicken. 

Nach Angaben seines deutschen Anwalts aus Frankfurt am Main verfügt Vu über "wertvolle Informationen" zur Verschleppung Thanhs aus Berlin "und darüber hinaus". Er habe als Oberstleutnant der vietnamesischen Geheimpolizei in der Abteilung 5 im Polizeiministerium gearbeitet, die für die Entführung von Thanh zuständig gewesen sei. Der Anwalt dringt deshalb darauf, Vu, dem in Vietnam die Todesstrafe drohe, nach Deutschland zu holen.

Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler war Thanh am 23. Juli in Berlin auf offener Straße verschleppt und nach Vietnam gebracht worden. Die vietnamesische Botschaft in Berlin soll dabei direkt verwickelt gewesen sein. Das Auswärtige Amt spricht von "Menschenraub" und "Entführung". Der Fall löste eine Krise im diplomatischen Verhältnis beider Länder aus. Die vietnamesische Regierung versichert, Thanh sei freiwillig in seine Heimat zurückgekehrt, um sich zu stellen.

Der Prozess gegen Thanh soll am kommenden Montag in Hanoi beginnen. Dem ehemaligen Funktionär der Kommunistischen Partei Vietnams und früheren Chef des staatlichen Unternehmens PetroVietnam Construction für Erdölförderanlagen wird außer Missmanagement vorgeworfen, einen Betrag in Millionenhöhe unterschlagen und sich anschließend ins Ausland abgesetzt zu haben. 

Die vietnamesischen Behörden hatten im vergangenen Jahr im Zuge einer Anti-Korruptionskampagne zahlreiche ehemalige Funktionäre, Beamte und Bankkaufleute festgenommen oder inhaftiert. Kritiker sehen darin den Versuch der neuen Regierung, gegen unliebsame Politiker der vorherigen Führung vorzugehen.

Die News Vietnamesischer Geheimdienstler fürchtet Schlimmes bei Abschiebung aus Singapur wurde von AFP am 03.01.2018 in der Kategorie Brennpunkte mit den Stichwörtern D, Vietnam, Singapur, Geheimdienste, Diplomatie, Justiz, Korruption abgelegt.

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