Wirtschaft

EZB belässt Leitzins auf Rekordtief

  • 14. Dezember 2017, 16:07 Uhr
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EZB belässt Leitzins bei null Prozent
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Die Europäische Zentralbank (EZB) hält wie von Analysten erwartet an ihrer Nullzinspolitik fest. Auch die beiden anderen wichtigen Zinssätze bleiben vorerst unverändert.

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Die Europäische Zentralbank (EZB) hält an ihrer Nullzinspolitik fest und belässt den Leitzins auf seinem historischen Tiefstand. Zugleich gehen die Währungshüter davon aus, dass die Inflationsrate bis ins Jahr 2020 hinter dem selbst gesteckten Ziel von knapp unter zwei Prozent zurückbleibt. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) kritisierte, angesichts der jüngsten Zinsanhebung der US-Notenbank Fed gerate die EZB "zunehmend in Erklärungsnot".

Die EZB beließ den Leitzins auf dem historisch niedrigen Satz von 0,0 Prozent, wie eine Sprecherin am Donnerstag mitteilte. Auch die beiden anderen wichtigen Zinssätze bleiben vorerst unverändert: Lagern Banken ihr Geld kurzfristig bei der EZB ein, statt es an Unternehmen zu verleihen, zahlen sie weiterhin einen Strafzins von 0,4 Prozent. Bei kurzfristigen Kapitalspritzen und sogenannten Übernachtkrediten werden wie bisher 0,25 Prozent Zinsen fällig.

Die EZB hatte den zentralen Zinssatz im März 2016 auf 0,0 Prozent gesenkt, um mit günstigem Kapital Konjunktur und Inflation anzukurbeln. Zuletzt geriet die Notenbank wegen der gestiegenen Inflation und der guten Wirtschaftslage aber zunehmend unter Druck, von ihrer lockeren Geldpolitik abzurücken.

Unverändert hält die EZB aber neben der Nullzinspolitik auch an ihrem Anleihekaufprogramm fest, das derzeit einen Umfang von monatlich 30 Milliarden Euro hat. Das Programm werde bis September 2018 fortgesetzt und "falls erforderlich" darüber hinaus, erklärte die EZB nach der Ratssitzung.

Im Oktober hatte die EZB das Programm von monatlich 60 Milliarden Euro auf 30 Milliarden Euro reduziert. Mit den Anleihekäufen hatte sie 2015 begonnen, um die Wirtschaft anzukurbeln und die Gefahr einer Deflation zu bekämpfen. Seitdem ist die Wirtschaft in der Eurozone deutlich gewachsen. Die Inflationsrate ist gemessen am Ziel der Zentralbank allerdings immer noch zu niedrig - sie strebt eine Rate von knapp unter zwei Prozent an.

Daran wird sich nach Einschätzung der Währungshüter auch in den kommenden Jahren wenig ändern: Für das kommende Jahr geht die EZB von einer Teuerungsrate von 1,4 Prozent aus, nachdem sie zuletzt 1,2 Prozent prognostiziert hatte. Für 2019 erwartet sie 1,5 und für 2020 eine Inflationsrate von 1,7 Prozent. 

Ihre Wachstumsprognose für die Eurozone hob die EZB zugleich an. Für dieses Jahr erwartet sie 2,4 Prozent. Auch für die folgenden Jahre ist die Konjunktureinschätzung der EZB positiver als zuletzt: Für 2018 geht sie von einer Wachstumsrate von 2,3 Prozent aus und für 2019 von 1,9 Prozent. In ihrer vorherigen Prognose im September war die Zentralbank von 2,2 Prozent für 2017, 1,8 Prozent für 2018 und 1,7 Prozent für 2019 ausgegangen. 

Das Festhalten an der Nullzinspolitik war von Analysten erwartet worden, sorgte am Donnerstag gleichwohl für Kritik. ZEW-Experte Friedrich Heinemann erklärte, die extrem expansive Kombination von Nullzinsen und Anleihekäufen sei eine Notfallmaßnahme, für die "die Rechtfertigung abhandengekommen" sei. 

Zudem drifteten Dollar- und Euroraum bei vergleichbarer Wachstumsdynamik "zinspolitisch immer weiter auseinander", kritisierte er. Diese Entwicklung, sowie das Ende von Deflationsrisiken und die überraschend breite Konjunkturerholung der Eurozone bringen die EZB "immer stärker in Erklärungsnot".

Die US-Notenbank Federal Reserve hatte den Leitzins am Mittwoch zum dritten Mal in diesem Jahr leicht um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Er bewegt sich damit zwischen 1,25 und 1,5 Prozent. Fed-Chefin Janet Yellen begründete die erneute Anhebung mit der positiven Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt.

Die News EZB belässt Leitzins auf Rekordtief wurde von AFP am 14.12.2017 in der Kategorie Wirtschaft mit den Stichwörtern EU, EZB, Zentralbank, Banken abgelegt.

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