Finanzen

Kritik an Aktienrückkäufen wächst

  • 12. November 2017, 15:28 Uhr
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Berlin - Kurzfristiges Profitdenken von Unternehmen, wie es sich etwa in Aktienrückkäufen zeigt, stößt zunehmend auf Kritik von Politikern, Gewerkschaftern und Ökonomen. "Die kurzfristige Renditeorientierung von börsennotierten Unternehmen geht zu Lasten von Investitionen, Wachstum und Beschäftigung", sagte Verdi-Chef Frank Bsirske dem "Handelsblatt" (Montagsausgabe).

Das Management verbrenne mit hohen Dividendenausschüttungen und Aktienrückkaufprogrammen Geld, welches anschließend für Forschung, Entwicklung und neue Produkte fehle. Am Freitag hatte der Versicherungskonzern Allianz für Anfang nächsten Jahres ein zweites Aktienrückkaufprogramm angekündigt. Eine höhere Besteuerung von Kursgewinnen und Dividenden könnte dazu beitragen, dass Aktienrückkaufprogramme und hohe Dividendenausschüttungen unattraktiver werden, erklärte der Gewerkschafter. Dazu müsse aber die Abgeltungsteuer abgeschafft werden.

FDP-Fraktionsvize Michael Theurer bringt indirekt sogar ein Verbot von Aktienrückkäufen ins Spiel: "Man muss ja nicht so weit gehen, wie in den 80er-Jahren in den USA, wo Aktienrückkäufe als Marktmanipulation angesehen wurden", sagte der liberale Wirtschaftspolitiker dem "Handelsblatt". Aber die Suche nach Regelungen, die eher das Langfristdenken im Wirtschaftsleben förderten, lohne auf jeden Fall. "Bis 1998 waren Rückkäufe ohne besonderen Grund in Deutschland gesetzlich nicht erlaubt", sagte Theurer. Der Würzburger Ökonom Peter Bofinger, einer der fünf Wirtschaftsweisen, forderte Reformen bei der Managervergütung: "Bei den börsennotierten Konzernen ist es wichtig, das Entlohnungssystem für Manager so auszurichten, dass der langfristige Erfolg belohnt wird und nicht das gute Quartalsergebnis", sagte er dem "Handelsblatt".

So sei etwa eine Regelung sinnvoll, dass sich Manager ihre Aktienoptionen erst nach zehn Jahren auszahlen lassen können. "Das lenkt die Gier in gesellschaftsverträgliche Bahnen", sagte Bofinger.

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