Wirtschaft

Ifo-Institut fordert Gehaltsverzicht von Air-Berlin-Chef

  • 21. Oktober 2017, 09:09 Uhr
Bild vergrößern: Ifo-Institut fordert Gehaltsverzicht von Air-Berlin-Chef
Air-Berlin-Maschine
dts

.

Anzeige

München - Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, hat Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann aufgefordert, teilweise auf sein bis 2021 garantiertes Millionengehalt zu verzichten. "Es ist verständlich, dass Arbeitnehmer, die durch eine Unternehmenspleite ihren Arbeitsplatz verlieren, empört sind, wenn sie hören, dass Manager vertraglich so abgesichert sind, dass sie Millionen erhalten", sagte Fuest dem "Handelsblatt".

"Meines Erachtens wäre es anständig, dass Manager in diesen Fällen freiwillig zumindest auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Millionen zu kassieren während die eigenen Mitarbeiter arbeitslos werden, ist sicherlich kein vorbildhaftes Verhalten." Winkelmann war im Februar vom Lufthansa-Konzern nach Berlin gekommen. Sein Gehalt soll trotz Insolvenz für vier Jahre durch eine Bankgarantie von bis zu 4,5 Millionen Euro abgesichert sein.

Für falsch hält es Fuest, wenn die Politik als Reaktion auf den Fall Winkelmann nun Managergehälter per Gesetz begrenzen würde. "Wenn der Eigentümer eines privaten Unternehmens einem Manager auch bei schlechter Leistung ein hohes Gehalt gewährt, mag das dumm sein, aber da der Eigentümer das aus eigenem Geld bezahlt, sehe ich nicht, warum der Staat das verhindern sollte", sagte der Ifo-Chef. "Genauso gut könnte man verlangen, dass der Staat andere schlechte Geschäfte verbietet." Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, zeigte sich dagegen offen für gesetzliche Regelungen.

Es gebe zwar "keine leichte Lösung, um Managervergütungen fair zu gestalten", sagte Fratzscher dem "Handelsblatt". In einer sozialen Marktwirtschaft müsse sich Leistung lohnen. Das Problem bei den Managergehältern liege indes in der "fehlenden Verantwortung der Manager beim Scheitern ihres Unternehmens". Die Politik werde die richtigen Anreize für Manager aber nicht durch Verbote schaffen. "Ich sehe die Möglichkeit einer Gesetzgebung, die die Entlohnung von Manager stärker an den langfristigen Erfolg koppelt, mehr Transparenz schafft und die Aufsichtsräte stärker in die Pflicht nimmt", sagte der DIW-Chef.

Die News Ifo-Institut fordert Gehaltsverzicht von Air-Berlin-Chef wurde von dts am 21.10.2017 in der Kategorie Wirtschaft mit den Stichwörtern Wirtschaft, Deutschland, Luftfahrt, Unternehmen abgelegt.

Bitte beachten Sie vor Ihrer Eingabe unbedingt unseren Datenschutzhinweis.

Weitere Meldungen

Auftragseingang im Bauhauptgewerbe im September gestiegen

Wiesbaden - Der saison-, arbeitstäglich- und preisbereinigte Auftragseingang im Bauhauptgewerbe war im September 2017 um 1,5 Prozent höher als im Vorjahresvergleich. Im

Mehr
Avaloq will in Deutschland expandieren

Zürich - Das Schweizer Fintech-Unternehmen Avaloq geht in Deutschland auf Expansionskurs: "Deutschland ist unser größter Wachstumsmarkt", sagte Avaloq-Chef Francisco Fernandez

Mehr
Arbeitgeberpräsident will Alternativangebot für Siemens-Mitarbeiter

Berlin - Im Streit um drohende Standortschließungen bei Siemens verwahrt sich der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Ingo Kramer, gegen

Mehr

Top Meldungen

Cevian-Gründer attackiert Thyssenkrupp-Chef Hiesinger

Essen - Der Mitgründer des streitbaren Investors Cevian greift Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger frontal an. "Die Strategie hat bisher nicht das geliefert, was man versprochen

Mehr
Siemens-Aufsichtsrat Kerner: "Dahin gehen, wo es weh tut"

München - Siemens-Aufsichtsrat Jürgen Kerner vermisst im Streit um Standortschließungen echte Gesprächsbereitschaft der Konzernleitung. Er erwarte, dass nicht nur

Mehr
IT-Sicherheitsforscher knacken Schutz von 31 Banking-Apps

Berlin - Zwei IT-Sicherheitsforschern ist es gelungen, Schutzmaßnahmen von 31 Finanz-Apps auszuhebeln. Für kriminelle Hacker könnte es damit möglich sein, Geld von Bankkunden

Mehr