Brennpunkte

Inmitten der Katalonienkrise begeht Spanien seinen Nationalfeiertag

  • 12. Oktober 2017, 21:28 Uhr
Bild vergrößern: Inmitten der Katalonienkrise begeht Spanien seinen Nationalfeiertag
Unabhängigkeitsgegner in Barcelona
Bild: AFP

Inmitten der Katalonienkrise hat Spanien am Donnerstag seinen Nationalfeiertag zelebriert. Im Zentrum von Madrid nahmen König Felipe VI. und Ministerpräsident Mariano Rajoy die traditionelle Militärparade ab.

Anzeige

Inmitten der Katalonienkrise hat Spanien am Donnerstag seinen Nationalfeiertag gefeiert. Im Zentrum von Madrid nahmen König Felipe VI. und Ministerpräsident Mariano Rajoy die traditionelle Militärparade ab. Ein daran beteiligtes Kampfflugzeug stürzte später ab; der Pilot verunglückte tödlich. In Barcelona demonstrierten 65.000 Menschen gegen die katalanische Unabhängigkeit. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) warf der Polizei vor, am Tag des Unabhängigkeitsreferendums "übermäßige Gewalt" ausgeübt zu haben.

Mit der Militärparade in der spanischen Hauptstadt wird alljährlich der Ankunft von Christoph Kolumbus am 12. Oktober 1492 auf dem amerikanischen Kontinent gedacht. Tausende Soldaten und Armeefahrzeuge paradierten auf dem Madrider Paseo de la Castellana. Der Boulevard war gesäumt von Menschen, die rot-gelbe Nationalfahnen schwenkten und "Viva España!" riefen. 

Wie üblich nahmen die Regionalpräsidenten von Katalonien, Navarra und dem Baskenland nicht teil. Erstmals seit 30 Jahren wurde hingegen die Polizei zum Marschieren bei der Parade eingeladen. Damit wurde ihnen Anerkennung gezollt für ihre Arbeit bei den tödlichen Attentaten in Katalonien vor fast zwei Monaten. Die Polizisten erhielten am Donnerstag von der fahnenschwenkenden Menge besonders starken Applaus.

Kampfjets und Hubschrauber der spanischen Luftwaffe überflogen den Boulevard während der Feierlichkeiten. Ein Eurofighter stürzte später auf dem Rückflug zum Luftwaffenstützpunkt Los Llanos bei Albacete, 300 Kilometer südöstlich von Madrid, bei der Landung ab. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums kam der Pilot zu Tode. 

In Barcelona gingen nach Polizeiangaben 65.000 Menschen für Spaniens Einheit auf die Straße. Sie skandierten "Puigdemont ins Gefängnis" - der katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont will die Abspaltung von Spanien, was nach spanischer Verfassung einen Rechtsbruch darstellt. "Katalonien gehört nicht den Unabhängigkeitsbefürwortern", sagte die Demonstrantin Laura Peña, eine 26-jährige Verkäuferin.

Auch einen Marsch von Rechtsextremisten gab es, an dem sich etwa 150 Demonstranten beteiligten. Sie schwenkten spanische Fahnen und solche mit Symbolen der Falange, der von José Antonio Primo de Rivera 1933 gegründeten Faschistenpartei. Eskortiert wurden die Marschierer von katalanischen Polizeikräften.

Human Rights Watch warf derweil der spanischen Polizei "übermäßige Anwendung von Gewalt gegen friedliche Demonstranten" am 1. Oktober, dem Tag des katalanischen Unabhängigkeitsreferendums, vor. Zwar möge die Polizei das Gesetz auf ihrer Seite gehabt haben, aber das habe ihr nicht das Recht dazu gegeben, Gewalt auszuüben, erklärte Karthik Raj von HRW. Die Organisation gab an, derartige Polizeigewalt in den katalanischen Orten Girona, Aiguaviva und Fonollosa beobachtet zu haben. Mindestens 92 Menschen waren bei Auseinandersetzungen verletzt worden.

Die spanische Verteidigungsministerin, Maria Dolores de Cospedal, zeigte sich zuversichtlich, dass es bei der Beilegung der Katalonienkrise nicht zum Einsatz von bewaffneten Streitkräften kommen werde. "Ich bin fast vollkommen überzeugt, dass ein Eingriff von bewaffneten Streitkräften nicht nötig sein wird", erklärte sie am Donnerstag.

Kataloniens verstärkte Unabhängigkeitsbestrebungen haben Spanien in seine schwerste Krise seit Jahrzehnten gestürzt. Der Regionalpräsident Puigdemont hatte am Dienstagabend eine Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet, die er dann aber umgehend für ausgesetzt erklärte, um nach eigenen Angaben einen "Dialog" mit der Zentralregierung anzustoßen. Madrid will eine Abspaltung Kataloniens mit allen Mitteln verhindern und droht mit einem Entzug der katalanischen Autonomierechte.

Rajoy setzte der Generalitat in Barcelona am Mittwoch eine Frist von fünf Tagen. Bis Montag soll sie klarstellen, ob sie die Unabhängigkeit der Region ausgerufen hat oder nicht. Damit setzte Rajoy das Verfahren zur Entmachtung der Regionalregierung und zum Entzug der Autonomierechte nach Verfassungsartikel 155 erstmals formell in Gang.

Die News Inmitten der Katalonienkrise begeht Spanien seinen Nationalfeiertag wurde von AFP am 12.10.2017 in der Kategorie Brennpunkte mit den Stichwörtern Spanien, Katalonien, Streitkräfte, Referenden, Minderheiten abgelegt.

Bitte beachten Sie vor Ihrer Eingabe unbedingt unseren Datenschutzhinweis.

Weitere Meldungen

Zeitung: Fast 40 Frauen werfen US-Regisseur Toback sexuelle Belästigung vor

Der Belästigungsskandal in Hollywood weitet sich aus: Fast 40 Frauen haben nun auch dem US-Regisseur James Toback einem Bericht zufolge sexuelle Belästigung vorgeworfen. Laut

Mehr
340 Millionen Dollar Hilfszusagen bei Geberkonferenz zu Rohingya-Krise

Bei einer internationalen Geberkonferenz für die Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch haben die Teilnehmer Hilfsgelder in Höhe von 340 Millionen Dollar zugesagt.

Mehr
Mehr als elf Millionen Kinder im Jemen auf humanitäre Hilfe angewiesen

Mehr als elf Millionen Kinder im Jemen sind nach UN-Angaben auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die Kinder in dem arabischen Kriegsland litten "unter der schlimmsten Nahrungskrise

Mehr

Top Meldungen

FDP signalisiert Entgegenkommen beim Soli

Berlin - Einen Tag vor der Fortsetzung der Sondierungsverhandlungen zwischen CDU, CSU, FDP und Grünen signalisieren die Liberalen Entgegenkommen bei der von ihr geforderten

Mehr
DGB kritisiert steuerpolitische Testen der FDP

Berlin - Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat den Vorstoß des FDP-Vorsitzenden Christian Lindner für Steuererhöhungen bei Konzernen wie Apple als halbherzig kritisiert. "Die

Mehr
Portal: Wechsler sparen bei Kfz-Versicherung deutlich am Haftpflichtbeitrag

Wer noch in diesem Monat seine Kfz-Versicherung wechselt, kann beim Haftpflichtbeitrag deutlich sparen. Wie das Vergleichsportal Check24 am Montag erklärte, zahlen Wechsler im

Mehr