Wirtschaft

Auf dem Land werden laut Studie zu viele neue Einfamilienhäuser gebaut

  • veröffentlicht am 19. Juni 2017, 13:46 Uhr
Bild vergrößern: Auf dem Land werden laut Studie zu viele neue Einfamilienhäuser gebaut
Ein fast fertiges Einfamilienhaus im emsländischen Esterwegen
Bild: AFP

Auf dem Land werden einer Studie der deutschen Wirtschaft zufolge zu viele Wohnungen und Häuser gebaut. In der Folge gibt es dort viel Leerstand. In den Städten wird der Wohnungsmangel dagegen immer größer.

Anzeige

In Deutschland entsteht zwar viel neuer Wohnraum, aber an den falschen Standorten. Laut einer Baubedarfsanalyse des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) wurden in ländlichen Kreisen zwischen 2011 und 2015 zu viele neue Wohnungen und Einfamilienhäuser gebaut. Damit hat sich der Leerstand auf dem Land vergrößert - und der Wohnungsmangel in den Städten verschärft, wie das IW am Montag mitteilte.

In den sieben größten deutschen Städten wurden dem IW zufolge im selben Zeitraum nur 32 Prozent der benötigten Wohnungen gebaut. Damit entstanden allein in diesen Städten 60.000 Wohnungen zu wenig. Der Mangel an kleinen Wohnungen ist laut Studie am gravierendsten. 

Auch für 2016 nehmen die Autoren eine weitere Verschärfung des Wohnungsmangels in Städten an, da die Zahl der fertiggestellten Wohngebäude im vergangenen Jahr "nur moderat gestiegen" sei. Selbst wenn sich die Rahmenbedingungen ändern sollten, also "die Zinsen wieder leicht steigen und die Wanderung in die Städte nachlässt", wird der Wohnraum in Städten laut IW knapp bleiben. Demnach werden dort auch weiterhin mehr Wohnungen gebraucht als gebaut.

Ganz anders ist die Situation der Studie zufolge außerhalb der Ballungszentren. In vielen ländlichen Kreisen ist demnach zwischen 2011 und 2015 deutlich zu viel Wohnraum entstanden. Im niedersächsischen Landkreis Emsland seien etwa über 1060 Wohnungen mehr gebaut worden "als auf Basis der demografischen Entwicklung und der Leerstände" nötig. 

Ähnlich sieht es laut IW im nordrhein-westfälischen Landkreis Steinfurt sowie im Landkreis Vorpommern-Greifswald aus. Insgesamt sind in ländlichen Kreisen demnach 20 Prozent mehr Wohnungen gebaut worden als benötigt. Bei den Einfamilienhäusern sind es der Studie zufolge sogar "mehr als doppelt so viele".

Als Ursachen nennen die Autoren die Niedrigzinsen ebenso wie die Menge an verfügbaren Grundstücken. Die Finanzierung von Immobilien wurde demnach günstiger und deren Kauf attraktiver - obwohl die Baukosten "stetig angezogen sind". Gleichzeitig würden "Neubauten gegenüber Altbauten bevorzugt", was angesichts der insgesamt rückläufigen Bevölkerung auf dem Land zu neuen Leerständen führe. 

Laut IW veröden so die Dorfzentren zunehmend, während die kommunalen Infrastrukturkosten durch die Zersiedlung steigen. Um weiteren Leerstand zu vermeiden, rät das Institut zu einem Umdenken in der Kommunalpolitik. Trotz des Wettbewerbs zwischen den Gemeinden sollten Bürgermeister keine neuen Bauflächen ausweisen und Neubau an einen Abbau von Leerstand koppeln, "um den Bestand attraktiver zu machen". 

Gleichzeitig sollten Kommunen mit schrumpfender Bevölkerung die Innenentwicklung fördern und ihre Zentren attraktiver gestalten. Hier sei auch die Unterstützung von Bund und Land gefordert, erklärte das IW. 

Insgesamt geht derzeit der Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern derzeit zurück. Das Statistische Bundesamt teilte am Montag mit, die Genehmigungen für Einfamilienhäuser seien von Januar bis April um 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesunken, die für Zweifamilienhäuser um 6,5 Prozent. Die Genehmigungen für den Bau von Mehrfamilienhäusern dagegen stiegen um 2,5 Prozent auf insgesamt 51.100 - und damit auf den höchsten Stand in den ersten vier Monaten eines Jahres seit 19 Jahren.

Die News Auf dem Land werden laut Studie zu viele neue Einfamilienhäuser gebaut wurde von AFP am 19.06.2017 in der Kategorie Wirtschaft mit den Stichwörtern D, Bau, Immobilien, Bevölkerung abgelegt.

Bitte beachten Sie vor Ihrer Eingabe unbedingt unseren Datenschutzhinweis.

Weitere Meldungen

Verbraucherstimmung weiterhin bestens

Die Verbraucher in Deutschland schätzen ihre wirtschaftliche Lage und die Entwicklung der Konjunktur weiterhin sehr positiv ein. "Die Konjunkturerwartung steigt weiter an und auch

Mehr
VW-Vorstand informiert Aufsichtsrat über aktuellen Stand zu Kartell-Vorwürfen

Angesichts der öffentlich erhobenen Kartell-Vorwürfe gegen die großen deutschen Autobauer hat der VW-Vorstand den Aufsichtsrat des Unternehmens am Mittwoch über den aktuellen

Mehr
Die besten drei Online-Glücksspielkonzerne der Welt

Wer schon einmal einen Blick auf die Website eines Casinos im Internet geworfen hat, der wird sicher festgestellt haben, dass das Angebot an Spielen dort enorm umfangreich ist.

Mehr

Top Meldungen

Greenpeace will von Merkel Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor

Berlin - Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aufgefordert, sich aktiv für ein Ende von Diesel- und Benzinmotoren in Pkw einzusetzen.

Mehr
Habeck: Druck auf Autokonzerne erhöhen

Berlin - Der Grünen-Politiker Robert Habeck, Vize-Regierungschef und Umweltminister in Schleswig-Holstein, fordert, den Druck auf die Autokonzerne zu erhöhen. "Wenn unsere

Mehr
VW verteidigt Austausch mit anderen Herstellern

Wolfsburg - Volkswagen hat angesichts der Berichte über illegale Absprachen den Informationsaustausch zwischen verschiedenen Herstellern verteidigt. "Es ist weltweit üblich, dass

Mehr