Wirtschaft

2,8 Millionen Menschen in Deutschland haben befristeten Job

  • veröffentlicht am 21. April 2017, 12:12 Uhr
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Besonders häufig sind Befristungen etwa im Gastgewerbe
Bild: AFP

Rund 2,8 Millionen Menschen in Deutschland haben nur einen befristeten Job. Die Zahl hat sich von 1996 bis 2015 laut Regierung mehr als verdoppelt. Die Linke forderte ein Verbot der sachgrundlosen Befristung.

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Rund 2,8 Millionen Menschen in Deutschland haben nur einen befristeten Job. Die Zahl hat sich von 1996 bis 2015 mehr als verdoppelt, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervorgeht. Betroffen sind demnach vor allem Frauen und junge Beschäftigte. Die gewerkschaftspolitische Sprecherin der Linken, Jutta Krellmann, forderte am Freitag daher ein Verbot der sachgrundlosen Befristung. DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach schloss sich an.

Die Anteile befristeter Arbeitsverträge an der Gesamtbeschäftigung sind mit 9,7 Prozent in Berlin und Hamburg oder 8,9 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern am höchsten - in Rheinland-Pfalz mit 6,0 Prozent oder in Bayern mit 6,2 Prozent am niedrigsten. In allen Bundesländern liegt der Anteil von Frauen höher als von Männern, wie aus der Regierungsantwort hervorgeht. 

Überdurchschnittlich ist der Anteil der jungen Beschäftigten: Mehr als 22 Prozent der 15- bis 24jährigen haben den Angaben zufolge einen befristeten Vertrag. Bei den 25- bis 34-jährigen sind es noch rund 13 Prozent. 

Befristete Verträge gibt es laut Auswertung der Linken vor allem in den Branchen Erziehung und Unterricht, Gastgewerbe und Gesundheits- und Sozialwesen. Der Anteil von Befristungen ohne Sachgrund ist demnach in den alten Bundesländern überdurchschnittlich hoch - in Bremen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Bayern etwa sind es mehr als die Hälfte. 

Krellmann kritisierte, befristete Arbeitsverträge "wirken wie die Anti-Baby-Pille": Zukunftsplanung oder die Gründung einer Familie bedürften der Sicherheit eines unbefristeten Jobs. Befristet Beschäftigte überlegten es sich zudem zweimal, ob sie Betriebsrat und Gewerkschaft offen unterstützen.

DGB-Vorstandsmitglied Buntenbach erklärte: "Wir dürfen nicht länger zusehen, wie gerade junge Menschen sich von Befristung zu Befristung hangeln und weder die private noch berufliche Zukunft planen können." Der Gesetzgeber sollte "zumindest" dort aktiv werden, wo er kann und befristete Arbeitsverträge ohne sachlichen Grund abschaffen.

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